30.000 Schritte, 25 Kilometer zu Fuß pro Tour: Als „Sport“ bezeichnet Zakaria Ben Moussa seinen Job. Seit September 2025 ist er Qualifikant bei der FES, der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH: Der 27-Jährige durchläuft das einjährige Programm „Qualifizierung zum Fahrer/Lader in der Entsorgung“.
Derzeit steht der Lkw-Führerschein an, und bei seiner ersten Fahrstunde wird Ben Moussa begleitet von einem Kamerateam. Denn: Er ist eine von acht Personen, die die neue hr-Dokumentation „Welcome to Frankfurt“ porträtiert. Es geht um Menschen, die am Main neu angefangen haben.
Nach nur einem Jahr schon mehrere Führerscheine geschafft
„Wenn du einsteigst“, betont Fahrlehrer Marco Neun, als er die wuchtige Lkw-Tür öffnet, „bitte alle Stufen benutzen. Nicht runterhüpfen, nicht hochspringen. Alle Stufen benutzen. Die Griffe: Sind da, um sie zu benutzen. Bitte festhalten.“ Ben Moussa nickt konzentriert, dann zieht er sich über die Griffe über zwei Meter hoch auf den Sitz.
„Ein bisschen Angst“ hat er vor den vielen Regeln, die er schon beachten muss, bevor es überhaupt losgeht, sagt Ben Moussa. Dabei hat er im Rahmen des Qualifizierungsprogramms unter anderem schon die Führerscheine der Klasse B und C geschafft, und das, obwohl er erst seit einem Jahr in Deutschland ist.
In Marokko Arbeit mit Jugendlichen und Langstreckenläufer
Erfahren von dem Programm hat er in Marokko, wo seine Eltern und seine beiden Schwestern bis heute wohnen, wo er Philosophie und Sozialpädagogik studierte, zuletzt in einer Schule arbeitete und wo er bis zu einer Verletzung Mittelstreckenläufer in der marokkanischen Leichtathletik-Nationalmannschaft war. Der Job in der Schule sei sinnvoll, aber schlecht bezahlt gewesen, erzählt Ben Moussa. Deswegen sei er im April 2025 nur „mit einem 20-Kilo-Koffer und einem 10-Kilo-Rucksack“ an den Main gezogen.
Sein Land, seine Familie und seinen Beruf zu verlassen sei eine schwere Entscheidung gewesen, doch er habe sich ein geregeltes Leben aufbauen wollen, mit Wohnung, Auto, Reisen. Das sei in Marokko so nicht möglich gewesen. Inzwischen spricht er ausgezeichnet Deutsch und hat neben den Führerscheinen auch eine IHK-Prüfung bestanden. „Ich bin schon stolz auf mich“, sagt er lächelnd.
Frankfurter Lieblingsviertel: Bornheim
Wirklich fremd gefühlt habe er sich im internationalen Frankfurt nie – in seiner Freizeit testet er sich denn auch durch die vielen verschiedenen Restaurants der Stadt. Im Sushi-Essen etwa ist er derart fit, dass er seinem Freund und Kollegen Yassin Aagaou mittlerweile beibringen kann, wie man die Stäbchen hält.
Besonders gern ist er in Bornheim unterwegs, wobei er derzeit noch in Fechenheim in einer WG lebt. Geholfen habe natürlich auch, dass fast alle Marokkaner in Frankfurt aus Nador kämen, seiner Heimatstadt am Mittelmeer, nicht weit von der algerischen Grenze, sagt Ben Moussa. Neben seiner Familie vermisse er das Meer manchmal.
„Müllabfuhr ist hier sehr respektiert“
Mit dem FES-Team verstehe er sich auf den Touren fast wortlos. Restmüll abholen ist ihm lieber als die Biotonne, erzählt er augenzwinkernd. Auch mit den Frankfurterinnen und Frankfurtern läuft es: „Ich war überrascht, weil die Müllabfuhr hier sehr respektiert wird“, berichtet er.
Ursprünglich habe er sparen und irgendwann wieder nach Marokko zurückkehren wollen. Jetzt sei er in Frankfurt aber derart gut integriert, dass er hier eine Familie gründen möchte.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/hr-doku-welcome-to-frankfurt-wie-zakaria-ben-moussa-ganz-von-vorne-angefangen-hat-v1,doku-welcome-to-frankfurt-100.html


