Nach siebzehn Jahren kehren die Metal-Legenden von Metallica nach Frankfurt zurück – zunächst nur mit einem halben Konzert. Das zweite folgt am Sonntag. Ein gewöhnungsbedürftiges Konzept, aber ein halbes Metallica-Konzert ist immer noch besser als kein Metallica-Konzert.
Es fängt immer mit Ennio Morricone an. Seit 1983 beginnt jedes Metallica-Konzert mit Klängen des italienischen Film-Komponisten aus dem Western-Klassiker „The Good, the Bad and the Ugly“.
So auch am Freitagabend in Frankfurt. Dann nach kurzer Stille krachen das treibende Gitarrenriff und das wütende Schlagzeug von „Creeping Death“ wie Donnerschläge aus den Lautsprechern. Metallica sind wieder da!
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00:47 Min.|Julian Moering
Rückkehr nach siebzehn Jahren
Siebzehn Jahre nach ihrem letzten Auftritt in Frankfurt sind die Metal-Legenden an den Main zurückgekehrt. Am Freitag spielten sie ihr erstes von zwei Konzerten im Waldstadion im Rahmen ihrer M72 World Tour. Oder besser: das erste von zwei halben Konzerten.
Denn in Frankfurt praktiziert die Band diesmal das sogenannte No-Repeat-Konzept. Am Freitag und am Sonntag spielen James Hetfield und Co. zwei verschiedene Shows, kein Song wird dabei wiederholt.
Gewöhnungsbedürftiges Doppel-Konzert
Die Fans, die sich für viel Geld ein Zwei-Tages-Ticket gekauft haben, nehmen das in Kauf. Diejenigen, die sich das Doppel-Ticket aber schlicht nicht leisten konnten – immerhin kostet ein Stehplatz für beide Tage satte 265 Euro – oder vielleicht keine Zeit für ein ausgedehntes Metallica-Wochenende haben, sehen nur die Hälfte der ganzen Show.
Für Metallica ist das Prinzip nicht neu, schon auf vergangenen Tourneen haben sie es immer mal wieder angewendet. In Frankfurt gab es das in dieser Form noch nicht.
Hat das den Abend ruiniert? Keinesfalls. Ein halbes Metallica-Konzert ist immer noch besser als kein Metallica-Konzert. Mit zwei Stunden ist der Auftritt vor geschätzt 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im ausverkauften Stadion auch angemessen lang.
Nach stolzen 45 Jahren Bandgeschichte mit elf Studioalben hat Metallica so viel Material, dass es locker für Drei- oder Vierfach-Shows reichen würde. Die Hit-Dichte ist schon am Freitagabend ziemlich hoch, sodass auch die Ein-Tages-Fans auf ihre Kosten kommen.
Ekstase von Anfang an
Das Publikum macht von der ersten Minute an mit, springt, singt und gröhlt bis zum letzten Ton. Auch die vierköpfige Band um Sänger und Gitarrist Hetfield hat sichtlich Spaß am Geschehen. Leider verliert sich die Energie auf der eigenwilligen Bühne ein wenig.
Anders als bei klassischen Stadionkonzerten ist die Bühne in der Mitte des Innenraums und somit mitten im Publikum aufgebaut. Sie ähnelt einem riesengroßen Donut samt Loch in der Mitte, in dem auch Publikum Platz hat.
Verloren auf der Bühne
Das hat Vorteile, so kann die Band alle Ecken des Stadions bespielen. Manchmal wirken die vier Bandmitglieder aber auch ziemlich verloren auf dem großen Rundkurs. Oft stehen oder sitzen Sänger Hetfield, Gitarrist Kirk Hammett, Bassist Robert Trujillo und Schlagzeuger Lars Ulrich so weit verteilt, dass man sie regelrecht suchen muss. Fast wie verirrte Ameisen, die den Weg in ihren Bau nicht mehr finden.
Abhilfe sollen da wohl die ebenso eigenwilligen Videozylinder schaffen, auf denen Hetfield und Co. in Überlebensgröße zu sehen sind. Diese Zylinder, die an übergroße Mülleimer erinnern, sind auf acht Pfeilern rund um die Bühne angebracht und schweben fast unter der Stadiondecke.
Man hat also die Wahl, entweder die Band auf der Bühne zu suchen oder gen Himmel auf die Videoleinwände zu blicken. Etwas mühsam.
Wenn das Adrenalin einschießt
Doch auch das kann die Magie nicht schmälern, die gemeinhin von Metallica-Auftritten ausgeht. Wenn die legendären Riffs von Hits wie „Ride the Lightning“, „Fuel“ oder dem besagten „Creeping Death“ ertönen, schießt das Adrenalin in den oft biergeschwängerten Körper und der Kopf fängt ganz automatisch an, sich schnell vor und zurück zu bewegen.
Für die waschechten Frankfurter im Publikum präsentiert die Band noch eine besondere Überraschung. Bassist Trujillo und Gitarrist Hammett spielen zusammen die am Main bekannte Tankard-Hymne „Schwarz-Weiß wie Schnee“, die gerne bei Spielen der Eintracht gesungen wird. Wer es nicht so mit der Eintracht hält, hatte wenigstens Zeit zum Bierholen.
Ein wohliger Schauer zum Schluss
Spätestens beim legendären achtminütigen Schlussakt „Master of Puppets“ brechen alle Dämme, selbst die stoischsten Mitwipper in den letzten Reihen hält es nicht mehr auf ihren Sitzen. Ein ekstatisches Kollektiverlebnis mit Gänsehautfeeling – vielen dürfte dabei ein wohliger Schauer über den Rücken gelaufen sein.
Es ist ein Geschenk, diese Songs auf der Bühne zu hören, gespielt von den Musikern, die sie geschrieben haben. Das sollte man genießen, solange es noch geht. Die Herren von Metallica sind nun auch schon jenseits der Sechzig.
Auf dem Nachhauseweg sickert aber doch wieder die Erkenntnis durch, dass ein Metallica-Konzert ohne Songs wie „Enter Sandman“, „One“ oder „For Whom the Bell Tolls“ doch nur ein halbes Konzert ist. Glücklich die, die Karten auch für Sonntag haben.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/metallica-in-frankfurt-das-halbe-konzert-v2,metallica-frankfurt-100.html


