Mit seinem Beitrag zur documenta 9 sorgte Charles Ray 1992 für Aufsehen: „Oh! Charley, Charley, Charley…“ zeigt den Künstler achtmal in einer Orgie mit sich selbst. Nun bekommt er in Kassel seine erste institutionelle Einzelausstellung. „Charley“ ist wieder dabei.
Der US-Künstler Charles Ray (links im Bild) steht neben seiner Skulptur „Return to the One“ aus dem Jahr 2020. Der Direktor des Fridericianum Moritz Wesseler (rechts) nennt ihn „einen der bedeutendsten Bildhauer des 20. und 21. Jahrhunderts.“
Bild © Andreas Garbe/hr
Bei der Pressekonferenz zu seiner Ausstellung „Charles Ray“ wirkt der Künstler eher unscheinbar und zurückhaltend. Er selber tritt nicht vor das Mikrofon.
Vor seinen Skulpturen aber, bei dem Rundgang, versprüht der 73-jährige viel Energie. In aller Ausführlichkeit und gestikulierend beschreibt er Hintergründe und Entstehungsprozesse seiner Werke.
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06:55 Min.||Rainer Janke erinnerte sich bei den Skulpturen gern an die documenta IX vor 34 Jahren
In mehr als 50 Jahren hat Charles Ray vor allem Skulpturen geschaffen. Viele erinnern an Schaufensterpuppen, sind komplett in weiß oder silber getüncht, meist in ruhenden Posen. Ray selbst sieht sich vor allem von Auguste Rodin beeinflusst.
In seinen eigenen Arbeiten sieht er stets eine Meta-Ebene. Direkte Porträts seien das nicht, erklärt er. Sein neuestes Werk etwa, eine Madonna mit Kind, sei keine Madonnen-Statue, sondern „eine Skulptur einer Statue.“
Ende der Bildergalerie
Seit Moritz Wesseler 2018 Direktor des Fridericianum wurde, plant er eine Ausstellung mit Charles Ray. „Ich wollte ihn unbedingt nach Kassel holen, weil die Skulpturen von ihm die Menschen unglaublich berühren“, sagt der Museumschef.
Ausstellung akribisch geplant
Dass es mit der Ausstellung bis heute gedauert habe, liege an der Arbeitsweise des Künstlers. Charles Ray plant seine Ausstellungen sehr exakt und gründlich. „Wir besorgen uns die Grundrisse des Museums oder der Galerie und wir bauen die als kleines Modell nach,“ erklärt er.
Skulpturen in Miniaturform bewege er dann wie Schachfiguren, um zu schauen „wo wir sie platzieren und wie sich das wohl anfühlen könnte.“
Ray verbindet „positive Emotionen mit Nordhessen“
Ray kennt und schätzt Kassel. Seine Skulptur „Oh! Charley, Charley, Charley…“ zeigte er zuerst auf der documenta 9 im Jahr 1992 – und sorgte für einiges Aufsehen. Ein Mann, der in achtfacher Ausführung mit sich selbst Sex hat, das sorgte natürlich für Gesprächsstoff.

„Oh! Charley, Charley, Charley…“ in der aktuellen Ausstellung…
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… und bei der ersten Schau 1992.
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„Ray wollte unbedingt hierher zurück,“ sagt Wesseler, „weil er viele Emotionen, positive Emotionen mit Nordhessen und der documenta-Stadt verbindet.“ Die skandalumwitterte Installation ist auch jetzt wieder dabei.
Charles Ray braucht viele Jahre für eine Skulptur
So sei es gar nicht schwer gewesen, Charles Ray für eine Ausstellung in Kassel zu gewinnen. „Es war eher schwierig, die Arbeiten zu bekommen, weil es einfach nur so wenige Werke von ihm gibt.“ Der Grund: Ray arbeitet manchmal viele Jahre an einer Skulptur.
Doch das sei auch ein Vorteil, sagt Charles Ray. Nach dieser Ausstellung habe er bestimmt noch zwei Skulpturen in sich. Und bei seiner Arbeitsweise, müsse er dann mindestens 93 Jahre alt werden, sagt der Künstler augenzwinkernd.

„Clothes Pile“ von 2020 ist eines der abstrakteren Exponate in der Ausstellung. Die Skulptur aus Aluminium stellt sorglos weggeworfene Anziehsachen dar.
Bild © Josh White
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/charles-ray-in-kassel-der-mann-ist-zurueck-der-kassel-einst-mit-einer-orgie-schockte-v1,charles-ray-ausstellung-kassel-114.html


