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„Forum in Frankfurt: Religionsgemeinschaften mahnen Schutz von Glaubens- und Weltanschauungsfreiheit an

„Forum in Frankfurt: Religionsgemeinschaften mahnen Schutz von Glaubens- und Weltanschauungsfreiheit an

Frankfurt am Main, 22. August 2026 — Vertreter zahlreicher Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften haben bei einem internationalen Forum in Frankfurt am Main einen stärkeren Schutz der Religionsfreiheit und mehr Aufmerksamkeit für Betroffene von Verfolgung und Diskriminierung gefordert. Mehr als 200 Teilnehmer aus 13 Religionen und Weltanschauungen kamen nach Angaben der Veranstalter im Soaltee Hotel sowie online zusammen.

Ausrichter des Europäischen Forums für Religionsfreiheit und Menschenrechte unter dem Motto „Voices be Heard“ war FOREF Europe (Forum for Religious Freedom Europe). Der Termin fiel mit dem Internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten aufgrund von Religion oder Weltanschauung zusammen. Die Vereinten Nationen hatten den Gedenktag 2019 mit der Resolution A/RES/73/296 geschaffen. Darin wird unter anderem die Verantwortung der Staaten hervorgehoben, die Rechte von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu schützen und Opfer entsprechender Gewalttaten zu unterstützen.

Die Veranstalter stellten das Treffen unter den Leitgedanken „We listen but we don’t judge“. Die sehr unterschiedlichen Erfahrungen der eingeladenen Gemeinschaften sollten dabei ausdrücklich nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Neben persönlichen Berichten standen juristische und religionswissenschaftliche Einordnungen auf dem Programm.

Michael Langhans, Executive Director von FOREF Deutschland, stellte in seiner Eröffnung einen Zusammenhang zwischen Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit her. Bedrohungen könnten seiner Auffassung nach nicht allein in körperlicher Gewalt bestehen, sondern auch durch institutionelle Untätigkeit, Schweigen oder pauschalisierende mediale Darstellungen entstehen. Unter anderem verwies er auf die Verwendung des Begriffs „Sekte“. In seinem späteren Vortrag „Voices be heard“ griff Langhans Erfahrungen aus zehn Jahren juristischer Arbeit mit neuen religiösen Bewegungen auf. Er forderte, rechtsstaatliche Grundsätze wie die Unschuldsvermutung konsequent zu beachten und Angehörige unterschiedlichster Gemeinschaften – darunter Uiguren, Jesiden, Scientology und Shincheonji – stärker zu Wort kommen zu lassen. „Das Richtige beginnt immer im Zuhören“, lautete eine seiner zentralen Botschaften.

Internationale Grußworte rückten unterschiedliche Regionen in den Mittelpunkt. Merlin Ivancea, Bürgermeister der rumänischen Gemeinde Slobozia Bradului im Kreis Vrancea und selbst Roma, erinnerte an die Verfolgung der Roma in Europa und bezeichnete Religions- und Gewissensfreiheit als Grundrecht jedes Menschen.

Jascha Noltenius, Menschenrechtsbeauftragter der Baha’i in Deutschland, schilderte die Lage der Baha’i im Iran, deren Verfolgung von UN-Sonderberichterstattern als Verfolgung „von der Wiege bis zur Bahre“ charakterisiert worden sei. Er verwies auf Peyvand und Borna Naimi, denen die Todesstrafe drohe, sowie auf strukturelle Benachteiligungen in Ägypten. Noltenius sprach sich für diplomatische Initiativen, öffentlichen Druck und ein abgestimmtes Vorgehen der Europäischen Union aus.

Tenzin Drakba, Geschäftsführerin der Tibet-Initiative Deutschland, thematisierte staatliche Eingriffe in religiöses Leben und Bildung in Tibet. Sie erinnerte zudem an die Selbstverbrennung des tibetischen Aktivisten Lhakar Rangzen im Juli 2026 und kritisierte die chinesische Einflussnahme auf die künftige Nachfolge des Dalai Lama. Reverend Usman Fornah aus Sierra Leone hob dagegen die Bedeutung des Dialogs für die Überwindung gesellschaftlicher Gegensätze hervor. Reiner Braun erinnerte per Videobotschaft an Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und forderte besser koordinierte internationale Bemühungen zum Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit.

Besonders persönlich wurde die Diskussion bei Wahaj Bin Sajid vom Rat der Religionen Frankfurt. Der Jurist sprach für die Ahmadiyya Muslim Jamaat, der in Deutschland rund 60.000 Menschen und weltweit mehrere zehn Millionen Gläubige angehören. Sein Cousin Nasir Mahmood Khan sei 2010 bei den Terroranschlägen auf zwei Ahmadi-Moscheen in Lahore ums Leben gekommen, als er eine Handgranate von anderen Gläubigen fernzuhalten versucht habe. Insgesamt starben bei den Angriffen 94 Menschen, mehr als 120 wurden verletzt.

Bin Sajid verwies auf die seit 1974 verfassungsrechtlich und seit 1984 auch strafrechtlich verankerte Diskriminierung der Ahmadis in Pakistan. Zugleich kritisierte er die hohe Zahl zunächst abgelehnter Asylanträge von Ahmadis beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; viele dieser Entscheidungen würden später gerichtlich korrigiert. Neben dem gesellschaftlichen Engagement der Ahmadiyya-Gemeinde, beispielsweise nach der Flutkatastrophe im Ahrtal, sprach er über zunehmenden antimuslimischen Rassismus in Deutschland. „Für mich trägt dieser Gedenktag ein Gesicht“, sagte Bin Sajid mit Blick auf seinen getöteten Cousin.

Von den Folgen des Völkermords an den Jesiden berichtete Murad Murad, Vorsitzender der Jesidischen Gemeinschaft Thüringen e.V. und Überlebender der Ereignisse in Sinjar. Beim Angriff der Terrororganisation „Islamischer Staat“ vom 3. August 2014 seien Tausende Menschen getötet worden; Frauen und Kinder seien verschleppt, versklavt und verkauft worden. Zuvor hätten sich kurdische Peschmerga kampflos zurückgezogen.

Mehr als 2.500 Jesidinnen und Jesiden würden nach Murads Angaben weiterhin vermisst. Zahlreiche Massengräber seien noch immer nicht exhumiert, viele Vertriebene lebten auch zwölf Jahre später in Lagern. Murad beklagte einen mangelnden Wiederaufbau Sinjars und fortdauernde religiöse Anfeindungen. Seine Organisation betreibe seit drei Jahren Projekte zur Trinkwasserversorgung und Bildung. Zudem warb er für ein Zentrum für Religionsfreiheit und Menschenrechte in Sinjar.

Haiyuer Kuerban vom Berliner Büro des World Uyghur Congress berichtete über staatliche Repressionen gegen Uiguren in China. Nach seiner Darstellung reichen diese von früheren Verhören und Zugangsbeschränkungen für Moscheen bis zur systematischen Internierung in Ostturkestan/Xinjiang. Kuerban sprach außerdem von zerstörten Moscheen und Friedhöfen sowie von Berichten über unterbundene religiöse Rituale und Zwang zum Konsum von Schweinefleisch oder Alkohol. Sein internationales Engagement habe nach eigener Aussage auch Konsequenzen für seine in China lebende Familie.

Großmeister Shifu Shi Miao Sheng, Mönch der 36. Generation und Repräsentant des mehr als 1.500 Jahre alten Shaolin-Erbes des Songshan Shaolin Temple, nahm die Kontroverse um den ehemaligen Abt Shi Yong Xin zum Ausgangspunkt für eine grundsätzliche Forderung. Vorwürfe von Veruntreuung und Ordensverstößen müssten transparent untersucht werden; individuelles Fehlverhalten dürfe jedoch nicht zum Generalverdacht gegen eine gesamte spirituelle Gemeinschaft führen. Begleitet wurde sein Auftritt von traditioneller Shaolin-Kampfkunst.

Einen anderen Zugang wählte Sara Mohamed, Mitgründerin der sudanesisch-deutschen Jugendcommunity Nile Youth. In ihrem Gedicht „Just a Human“ verarbeitete sie ihre Biografie und Erfahrungen als junge schwarze Muslima in der westlichen Gesellschaft.

Der Religionswissenschaftler Dr. Márk Nemes erläuterte anschließend das von der OSZE 2011 entwickelte „Rome Model“. Es beschreibt eine mögliche Eskalation von gesellschaftlicher Häme und Misstrauen über staatliche Diskriminierung bis zu umfassender Verfolgung. Nemes nannte als Beispiele unter anderem Ahmadis in Pakistan, Rohingya in Myanmar sowie Baha’i im Iran und im Jemen. In Russland und China verwies er auf den staatlichen Umgang mit Gemeinschaften wie Zeugen Jehovas, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Scientology und der Familienföderation.

Weitere von Nemes angesprochene Fälle waren eine Polizeidurchsuchung bei AROPL im britischen Crewe, eine Durchsuchung bei Twelve Tribes in den USA im Februar 2026 und ein tätlicher Angriff auf Angehörige der Christian Gospel Mission in Taiwan. Er erwähnte außerdem Shincheonji in Südkorea, deren Leiter Man-Hee Lee zum Zeitpunkt des Forums in Untersuchungshaft saß, sowie den tödlichen Angriff auf einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Hamburg vor drei Jahren. Medien und Öffentlichkeit müssten sorgfältig differenzieren, um einen Prozess von „Spott, Verfolgung, Gewalt — ein schleichender Weg in die Tragödie“ nicht zu verstärken, sagte Nemes.

Quato Haskan vom Zentrum für die Angelegenheiten der Jesiden ergänzte, Hassrede, Hetze und Vorwürfe des Unglaubens stellten für Jesiden in der Region Kurdistan und im übrigen Irak weiterhin eine konkrete Gefahr dar.

Auch Gemeinschaften, die in Deutschland und anderen westlichen Staaten kontrovers diskutiert werden, erhielten auf dem Forum Raum für ihre Sichtweisen. Magdalena Kloibhofer von Go & Change berichtete über die seit rund zehn Jahren in einem ehemaligen unterfränkischen Kloster bestehende Lebensgemeinschaft. Gemeinsam mit dem Mediziner Dr. Till Eckert thematisierte sie den Fall des inhaftierten Mitgründers „Kai“. Eckert bezeichnete dessen Haftbedingungen als medizinisch und menschenrechtlich bedenklich und äußerte Kritik am vorausgegangenen Verfahren. Kloibhofer und Eckert berichteten außerdem von aus ihrer Sicht diffamierender Medienberichterstattung, Eingriffen des Jugendamtes und mehreren Durchsuchungen. Dabei handelt es sich um Darstellungen der Beteiligten.

Claus Dubisz von der Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung, früher als Vereinigungskirche bekannt, kritisierte die Folgen der jüngsten Auflösungsanordnung in Japan. Nach seinen Angaben hätten die Maßnahmen insbesondere junge Mitglieder belastet und einige Jugendliche in den Suizid getrieben. Mitgründerin Hak Ja-han Moon befinde sich derzeit im Krankenhaus; die Untersuchungshaft der 83-Jährigen sei trotz erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen nicht aufgehoben worden.

Dubisz erinnerte zugleich an das frühere deutsche Einreiseverbot für die Kirchengründer, das elf Jahre lang für den Schengenraum gegolten hatte. Das Bundesverfassungsgericht korrigierte diese Praxis 2006. Nach der damaligen Entscheidung sei es staatlichen Stellen verwehrt, die religiöse Bedeutung eines Besuches für die Glaubensgemeinschaft zu bewerten; konkrete Gefahren durch den Aufenthalt der Religionsstifter seien nicht erkennbar gewesen.

Michaela Gross, Präsidentin der Church of Scientology Frankfurt, berichtete über Diskriminierung, die Scientology-Mitglieder ihrer Darstellung zufolge in Deutschland erfahren. Sie nannte familiäre Ausgrenzung, negative Berichterstattung und sogenannte „Sektenfilter“, mit denen bei Behörden, Unternehmen oder Schulen teilweise Erklärungen zur Nichtzugehörigkeit zu Scientology verlangt würden. Gross verwies unter anderem auf den Fall einer Münchner Scientologin, der eine kommunale E-Bike-Förderung zunächst wegen ihrer Weigerung, eine entsprechende Erklärung zu unterschreiben, versagt worden sei. Nach einem vierjährigen Rechtsstreit habe sie gerichtlich Recht bekommen.

Für die Shincheonji-Gemeinde Jesu (SCJ) sprach Samuel Frese, Abteilungsleiter für überkonfessionellen Austausch. Er stellte die 1984 in Südkorea gegründete Glaubensgemeinschaft sowie die 2013 von SCJ-Gründer Man-Hee Lee gegründete Organisation HWPL vor, die über Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) verfügt. Frese berichtete von Stigmatisierung und Benachteiligung von SCJ-Mitgliedern im privaten und beruflichen Umfeld.

Zum früheren Verfahren gegen Lee während der Corona-Pandemie erklärte Frese, der 2020 in Untersuchungshaft genommene Gemeindeleiter sei vom pandemiebezogenen Vorwurf später rechtskräftig freigesprochen worden; andere Verurteilungen blieben bestehen. Im 2026 eröffneten aktuellen Verfahren geht es um den Vorwurf eines Verstoßes gegen das südkoreanische Parteiengesetz. Der 95-Jährige befinde sich seit rund 60 Tagen in Untersuchungshaft. Frese verwies auf eine Pressekonferenz vom 7. August 2026 in Südkorea, bei der Vertreter von HRWF, CAP und CESNUR sowie Nemes und Langhans die lange Untersuchungshaft angesichts des Alters Lees als unverhältnismäßig kritisiert hatten. Gefordert wurden unter anderem die Prüfung von Kaution oder Hausarrest, internationale Beobachtung und die Beachtung der Unschuldsvermutung. „Wir bitten heute nicht um Privilegien“, sagte Frese. „Wir fordern gleiche Rechte.“

Nach Angaben der Veranstalter repräsentierten die anwesenden Religions- und Weltanschauungsvertreter zusammen rund 250.000 Menschen in Deutschland und mehr als 32 Millionen weltweit.

Am Ende verabschiedeten die teilnehmenden Leiterinnen und Leiter eine gemeinsame Erklärung. Darin verpflichteten sie sich zu gegenseitigem Respekt und bekannten sich zur Religions-, Weltanschauungs-, Meinungs- und Pressefreiheit. Der Schlusssatz fasste den Anspruch der Veranstaltung zusammen: „Religions- und Weltanschauungsfreiheit bedeutet nicht, dass wir alle dasselbe glauben oder denken. Sie bedeutet, dass wir unterschiedlich sein können — und trotzdem frei und sicher leben können.““

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