Vor acht Jahren startete die europäische Forschungssonde BepiColombo ihre lange Reise zum Planeten Merkur. Am Donnerstag steht der letzte Abschnitt der milliardenschweren Mission bevor – und der hat es in sich.
Eine künstlerische Darstellung des Vorbeiflugs von BepiColombo am Merkur.
Bild © picture-alliance/dpa
Für die europäische Raumsonde BepiColombo gibt es jetzt kein Zurück mehr: Rund 207 Millionen Kilometer hat sie in den vergangenen acht Jahren zurückgelegt.
Am Donnerstag beginnt der letzte Abschnitt ihrer Reise zum noch wenig erforschten Planeten Merkur. Dabei kann jede Menge schief gehen.

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Ein Transportmodul, beladen mit dem europäischen Mercury Planetary Orbiter (MPO) und dem japanischen Mercury Magnetospheric Orbiter (Mio), löst sich dann vom interplanetaren Antriebssystem und wird im freien Fall in die Atmosphäre des Merkur eintreten. MPO und Mio sind die mit Messgeräten ausgestatteten Sonden, die in den nächsten Jahren die Forschungsdaten sammeln sollen.
„Es gibt keine zweite Chance“
Die europäische Weltraumagentur Esa nennt die Ankunft von BepiColombo „eine der anspruchsvollsten operativen Abläufe, die jemals von der Esa durchgeführt wurden“.
Oder wie es Christoph Steiger, stellvertretender Leiter des Flugkontrollteams am europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt, sagt: „Da finden Dinge statt, da gibt es keine zweite Chance.“
Ob alles funktioniert hat, ist erst Minuten später klar
Gegen 14 Uhr soll sich das Transportmodul am Donnerstag vom Satelliten trennen und Richtung Merkur aufbrechen. Interessierte können das Manöver im Livestream der ESA verfolgen.
„Alles ist bis auf die Sekunde genau geplant“, sagt Schreiber. Aber: Ein Funksignal benötigt etwa elfeinhalb Minuten von der Sonde bis zur Erde. Die Verantwortlichen wissen also erst mit elfeinhalbminütiger Verspätung, ob alles glatt gelaufen ist.
„Das macht es sehr schwierig, einzugreifen“, sagt Schreiber. Eine Reaktion wäre nochmals elfeinhalb Minuten bis zu BepiColombo unterwegs. Ob die Reaktion erfolgreich wäre, wüsste man auch erst wiederum elfeinhalb Minuten später.
Temperaturen von bis zu 460 Grad Celsius
Dann spielen auch die Temperaturen beim Eintritt in die Merkur-Atmosphäre eine große Rolle. „Der Merkur ist ein sehr extremer Planet, der sehr nah an der Sonne ist“, sagt Schreiber.
Der Merkur sei „wie eine heiße Kohle“. Auf der Sonnenseite sollen Temperaturen von bis zu 460 Grad Celsius herrschen. „Die Isolationsschicht auf dem Transportmodul muss Temperaturen von über 400 Grad Celsius aushalten, wenn da die Sonne drauf scheint“, erklärt der Leiter des Flugkontrollteams.
Sollte die Aktion erfolgreich verlaufen, wird im Anschluss überprüft, in welchem Zustand das Raumfahrzeug ist und ob wirklich alles planmäßig funktioniert hat.

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Anflugphase dauert sechs Monate
Falls dem so ist, wird es noch sechs Monate dauern, bis die Sonden ihre Arbeit aufnehmen. Im November werden die beiden Sonden gemeinsam in ihre Umlaufbahn um Merkur eintreten, bevor sie sich im Dezember voneinander trennen.
„Von Dezember bis März senken wir die Umlaufbahn des Mercury Planet Orbiters auf die gewünschte Höhe“, erklärt Schreiber. Die wissenschaftliche Arbeit soll im April beginnen.
BepiColombo musste auf der Reise zum Merkur mehrfach an Planeten vorbeifliegen, um abgebremst zu werden und so die endgültige Umlaufbahn zu erreichen. „Wir sind ein Mal an der Erde, zwei Mal an der Venus und sechs Mal am Merkur selbst vorbeigeflogen“, erklärt Schreiber.
Magnetfeld des Merkur wird erforscht
Das europäisch-japanische Gemeinschaftsprojekt mit Gesamtkosten von rund zwei Milliarden Euro soll dazu beitragen, die Ursprünge des Sonnensystems zu verstehen.
In den kommenden Jahren sollen die beiden Sonden MPO und Mio wertvolle Daten zum am wenigsten erforschten terrestrischen Planeten unseres Sonnensystems liefern.
Merkur ist neben der Erde der einzige Planet im Sonnensystem mit einem aktiven globalen Magnetfeld. Die Sonden sollen vor allem dieses Magnetfeld und seine Wechselwirkung mit den Sonnenwinden erforschen.
Diese Daten können helfen zu verstehen, unter welchen Bedingungen planetare Magnetfelder – wie das der Erde – entstehen und sich über Milliarden Jahre entwickeln.
Gestartet war BepiColombo im Oktober 2018 an Bord einer Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/anflug-auf-merkur-heisse-phase-fuer-esa-sonde-bepicolombo-v1,bepicolombo-meilenstein-100.html



