Acht Jahre war die Sonde BepiColombo zum Merkur unterwegs, jetzt hat der finale Abschnitt der Reise begonnen. Ein Transportmodul mit Forschungssonden an Bord wurde erfolgreich abgetrennt.
Grafische Darstellung der Abtrennung des Transportmoduls von BepiColombo
Bild © ESA/ATG medialab
Um 14:19 Uhr bricht im Mission-Control-Center der ESA in Darmstadt Jubel aus, Fäuste werden gen Himmel gereckt, Hände klatschen sich ab: Das Transportmodul Mercury Transfer Modul (MTM) hat die erfolgreiche Abtrennung von der BepiColombo-Sonde an die Erde gefunkt. Ein Meilenstein für die europäische Merkur-Mission.
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00:28 Min.|Marit Tesar
„Das ist eine riesengroße Erleichterung“, freut sich Elsa Montagnon nur wenige Augenblicke nach dem Jubel. „Nach acht Jahren Flugzeit hat alles noch funktioniert“, sagt die Leiterin des Wissenschaftsbetriebs bei der Esa. Gestartet war BepiColombo im Oktober 2018 an Bord einer Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana.
Über 30 bange Minuten hatten Montagnon und das Esa-Team auf die Erfolgsmeldung warten müssen – 30 Minuten, in denen fast schon bedächtige Stille im Kontrollraum herrschte. Gegen 13.45 Uhr waren die letzten Kommandos an die über 200 Millionen Kilometer entfernte Sonde gesendet worden. Ein langer Weg für Funksignale und ein ebenso langer Weg zurück.

Angespannte Stille: Blick ins Kontrollzentrum kurz vor der Erfolgsmeldung.
Bild © Julian Moering (hr)
Zeit, in der viel hätte schief gehen können – mit wahrscheinlich verheerenden Folgen für das Zwei-Milliarden-Projekt. Es ist aber alles gut gegangen. „Das war emotionaler als ich gedacht habe“, freut sich auch Christoph Steiger, stellvertretender Leiter des Flugkontrollteams am europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt.
„Das Manöver ist so gut verlaufen, wie es nur hätte verlaufen können“, sagt Steiger. Die Daten seien unerwartet deutlich. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir so schnell Gewissheit haben.“
Wichtiger Schritt für die Mission
Die Abtrennung des Transportmoduls vom „Mutterschiff“ war ein wichtiger Schritt für die Mission. „Alles ist bis auf die Sekunde genau geplant“, sagte Steiger vor dem Manöver. Die Esa sprach in einer Mitteilung sogar von „einem der anspruchsvollsten operativen Abläufe, die jemals von der Esa durchgeführt wurden“.
Mit der erfolgreichen Abtrennung des Transportmoduls beginnt jetzt die finale Phase der Reise zum Merkur. Das Modul hat zwei sensible Sonden an Bord, die in Zukunft den noch weitgehend unerforschten Merkur erkunden sollen. Das sind der europäische Mercury Planetary Orbiter (MPO) und der japanische Mercury Magnetospheric Orbiter (Mio).
Finaler Abschnitt dauert sechs Monate
Im November werden die beiden Sonden samt Modul in ihre Umlaufbahn um Merkur eintreten, bevor sie sich im Dezember voneinander trennen. „Von Dezember bis März senken wir die Umlaufbahn des Mercury Planet Orbiters auf die gewünschte Höhe“, erklärt Steiger. Die wissenschaftliche Arbeit soll im April beginnen.

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BepiColombo musste auf der Reise zum Merkur mehrfach an Planeten vorbeifliegen, um abgebremst zu werden und so die endgültige Umlaufbahn zu erreichen. „Wir sind ein Mal an der Erde, zwei Mal an der Venus und sechs Mal am Merkur selbst vorbeigeflogen“, sagt Steiger.
In den kommenden Jahren sollen die beiden Sonden MPO und Mio wertvolle Daten zum am wenigsten erforschten terrestrischen Planeten unseres Sonnensystems liefern.
„Auf dem Merkur herrschen extreme Temperaturunterschiede“, erklärt Florian Renk, Leiter des Flugdynamik-Teams in Darmstadt. „Auf der Sonnenseite haben wir weit über 400 Grad Celsius, auf der Schattenseite dagegen minus 150 Grad.“ Ein Tag auf dem Merkur entspreche etwa 60 Tagen auf der Erde.
Die europäische Sonde soll sich auf einer elliptischen Umlaufbahn einpendeln und den Merkur dann in 500 bis 15.000 Kilometern Höhe überfliegen. „Sie kann dann sowohl globale als auch lokale Bilder mit hoher Auflösung machen“, sagt Renk.
Den Rätseln des Merkur auf der Spur
Merkur ist neben der Erde der einzige Planet im Sonnensystem mit einem aktiven globalen Magnetfeld. Die Sonden sollen vor allem dieses Magnetfeld und seine Wechselwirkung mit den Sonnenwinden erforschen. „Wir gehen auch der Frage nach, wie sich der Merkur bei solch großen Temperaturunterschieden verändert“, so Renk.
Man wisse noch sehr wenig über den Planeten, der nur etwas größer ist als der Mond. Wie dick ist die Kruste? Ist der Kern flüssig? Gibt es Wasser auf dem Merkur? In ein paar Jahren könnte die Menschheit schlauer sein.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/merkur-mission-von-bepicolombo-jubel-bei-esa—transportmodul-erfolgreich-abgetrennt-v1,bepicolombo-mission-erfolgreich-100.html


