In Hofgeismar und Grebenstein sind mehrere Millionen Honigbienen gestorben – mitten im Sommer. Ein Schock für die Imker, ein Rätsel für Experten. Und was wird aus dem vielen Honig von den betroffenen Völkern?
Tote Honigbienen (Archivbild).
Bild © picture alliance / Zoonar | Kristina Kokhanova
Für Imker gehört der Tod zum Geschäft. Im Sommer haben die Honigbienen so viel zu tun mit Nektarsammeln und Honigeinlagern, dass sie nach ein paar Wochen arbeitsreichen Lebens buchstäblich vom Himmel fallen, um zu sterben. Gut, dass die fleißige Königin ein Ei um das andere legt, denn so wachsen täglich neue Bienen nach.
Im Winter bringt die fiese Varroamilbe, gegen die europäische Honigbienen noch kein rechtes Mittel gefunden haben, schon mal ein ganzes Volk zum Zusammenbruch. Auch damit muss ein Imker rechnen (besser noch, er bekämpft die Milbe konsequent).
Ziemlich ungewöhnlich ist dagegen die Nachricht aus Nordhessen, wonach in Hofgeismar und Grebenstein (Kassel) im Juli rund 100 Völker von einem massenhaften Bienensterben betroffen waren. Manche Völker seien vollständig zusammengebrochen, berichtete zunächst die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA).
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00:39 Min.||Stefanie Küster
Experten finden keine Ursache
Mitten im Sommer leben in einem Bienenstock 30.000 bis 50.000 Tiere, die Zahl der toten Bienen in Hofgeismar und Grebenstein geht also in die Millionen. Woran bloß sind all die Honigsammlerinnen gestorben? Das fragen sich nicht nur die 17 Imker, denen die betroffenen Völker in einem Umkreis von acht Kilometern gehören.
Der Bienensachverständige des Imker-Kreisverbands Hofgeismar, Wolfgang Scheele, verständigte den Pflanzenschutzdienst des hessischen Landwirtschaftsministeriums und das Julius-Kühn-Institut (JKI). Dort ist die nationale Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen angesiedelt. Sie untersucht, ob Honigbienen deswegen starben, weil Pflanzenschutzmittel oder Biozide nicht sachgerecht eingesetzt wurden.
Seit dieser Woche liegt das Ergebnis des Instituts aus Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) vor. „Eine Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel und Biozide ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen“, teilte eine Sprecherin des JKI auf hessenschau-Nachfrage mit.
Proben auf 290 Giftstoffe untersucht
Die Forscher untersuchten nach ihren Angaben die eingesandten Proben aus Hofgeismar und Grebenstein auf 290 für Bienen schädliche Wirkstoffe aus zugelassenen und nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln, Bioziden, Fungiziden und Varroa-Bekämpfungsmitteln. Auch nach bestimmten Krankheitserregern und Viren hätten sie geschaut. Nichts davon habe sich nachweisen lassen.
Die betroffenen Imker kann das nicht zufriedenstellen. Zum einen wissen sie immer noch nicht, was ihre Bienen umgebracht hat, in die sie viel Zeit, Geld und Zuneigung gesteckt haben. Zum anderen kommt die Versicherung, die jeder Imker für seine Völker abschließen muss, nicht für den Verlust auf, wenn keine Ursache dafür feststeht. „Wenn keine Vergiftung nachweisbar ist, liegt kein Versicherungsfall vor“, hält die JKI-Sprecherin fest.
Früherer Fall von Massensterben
Ein massenhaftes Bienensterben gab es im Frühjahr 2008 in der Region Oberrhein in Baden-Württemberg. Damals verendeten rund 12.000 Völker, etwa 700 Imker waren betroffen. Erst Monate später stand die Ursache fest: Saatgut für Mais war mangelhaft mit einem Pestizid gebeizt worden, sodass das Pflanzenschutzmittel freigesetzt wurde und Honigbienen damit in Kontakt kamen. Das Pestizid wurde in der Folge nicht zugelassen.
Wer im Internet nach einer Erklärung für ein Bienenvolksterben während der Blütezeit von Blumen und Büschen sucht, stößt auf einen möglichen Hungertod in einem extrem heißen und trockenen Sommer. Dann könne es passieren, dass Pflanzen nicht genügend Blüten und Nektar ausbilden, damit die Bienen genug zum Fressen finden.
Gegen diese Theorie spricht, dass die Völker in Hofgeismar und Grebenstein enorm viel Honig gesammelt haben. Der örtliche Bienensachverständige Wolfgang Scheele schließt das auch aus. In den Stöcken sei ausreichend Futter gewesen und es habe auch noch reichlich geblüht Anfang Juli.
Weitere Untersuchungen laufen
Womöglich löst das Hessische Bieneninstitut in Kirchhain bei Marburg das Rätsel um das massenhafte Bienensterben in Nordhessen. Der Bienensachverständige Scheele hat sich schon dorthin gewandt. Auch das Julius-Kühn-Institut verweist auf das Landesinstitut für weitere Untersuchungen.
Untersucht werden soll auch der Honig, den die fleißigen Bienchen vor ihrem jähen Ableben gesammelt haben. Insgesamt fast eine Tonne des flüssigen Goldes schleuderten die betroffenen 17 Imker, so berichtet es Wolfgang Scheele. Das wollen sie natürlich verkaufen. Dafür müssen sie aber sichergehen, dass der Honig bedenkenlos geschleckt werden kann. In welches Labor sie ihren Honig schicken, wollen die Imker am Wochenende beschließen.
Dass offenbar keine Vergiftung der Bienen vorliegt, dürfte die Absatzchancen für den Honig steigern. Immerhin.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/raetselhaftes-bienensterben-in-hofgeismar-und-grebenstein-v1,tote-bienen-104.html


