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Nach Fehlstart von Darmstadt 98: Der Ton wird rauer

Nach Fehlstart von Darmstadt 98: Der Ton wird rauer

Nach der Niederlage in Kaiserslautern sprechen auch die Darmstädter Spieler erstmals von einem Fehlstart. Die Reaktionen auf die Pleite fallen entsprechend deutlich aus – beim Trainer, bei den Führungsspielern und bei den eigenen Fans.


Wenig Redebedarf: Die Lilien-Fans schicken ihre Spieler zurück in die Kabine.
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||Marius Müller

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Eine knappe Stunde war auf dem Betzenberg gespielt, da packte Florian Kohfeldt an der Seitenlinie seine Hände an den Nacken. Verzweifelt wirkte er in dieser Szene, auch ratlos. Seine Stirn lag in Falten, er schüttelte den Kopf. Denn der Trainer von Darmstadt 98 probierte viel, wie immer coachte er quasi jede Aktion seiner Elf, feuerte an, kritisierte, motivierte. Doch es half nichts, gar nichts half an diesem Samstag. Seine Mannschaft, die mit dem 0:3 beim 1. FC Kaiserslautern den letzten Tabellenplatz in Liga zwei festigte, spielte schlicht schlecht.

„Es fehlt mir an Ernsthaftigkeit“, tadelte Kohfeldt seine Spieler hinterher am ARD-Mikro. Die Lilien-Profis hätten es zu oft mit der Hacke probiert, oder seien in falschen Situationen auf Tunnler gegangen. Unnötig, aus Sicht des Coaches, vor allem der aktuellen Situation nicht angemessen.

Fans schicken Team in die Kabine

„Man muss Kreativspielern auch Freiheiten geben. Aber wir sind jetzt in einer Phase, in der wir Ernsthaftigkeit brauchen“, wiederholte Kohfeldt beinahe mantraartig. Stattdessen habe es seine Mannschaft mit „komischen Sachen“ probiert. Der Trainer war angefressen.

So passte es ins Bild, dass zum einen Führungsspieler Patric Pfeiffer seinen Kollegen noch auf dem Platz eine deutliche Ansage machte. Zum anderen wurden die Lilien-Profis beim Gang in die Kurve von ihren eigenen Fans nicht willkommen geheißen, sondern direkt wieder retour in Richtung Kabine geschickt. Der Ton in Darmstadt wird rauer.

Schon 13 Zweitligaspiele ohne Sieg

Klar, es gab auch diesmal den einen Hätte-Wenn-und-Aber-Moment, als Lance Duijvestijn nach 29 Minuten einen Elfmeter gegen den Querbalken knallte und damit die Führung vergab. Ansonsten aber war der Auftritt der Südhessen ein ernüchternder. Vorne harmlos, hinten hektisch. „Das war durch die Bank weg ein miserables Spiel“, sagte Lilien-Kapitän Marcel Schuhen und führte aus: „Grundsätzlich bin ich jemand, der schnell positive Worte findet. Die finde ich jetzt gerade nicht, weil es einfach schlecht war. Mir tun die Leute leid, mir tut meine Familie leid, die mit fünf Leuten hierhin gefahren ist.“ Zweifelsohne sei es jetzt ein „Fehlstart“ für die Lilien.

13 Zweitligapartien sind die Darmstädter saisonübergreifend sieglos, was im Grunde egal für die aktuelle Runde wäre, hätten sich nicht auch in dieser Spielzeit bereits vier Partien ohne Erfolg angehäuft. Die Unkenrufe, es könnte eine ganz schwierige Runde für die Überraschungsmannschaft der Vorsaison werden, vielleicht gar eine, die die Lilien langfristig ins untere Tabellendrittel führt, werden lauter. Geduld sei zwar gefragt, sagte der Darmstädter Sportchef Paul Fernie, auch müsse man lösungsorientiert bleiben, aber: „Wir müssen trotzdem mehr investieren, brauchen die Basics.“

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||Marius Müller

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Richter derzeit angeblich „kein Thema“

Dass die Darmstädter Verantwortlichen nach dem XXL-Umbruch des Sommers regelmäßig die eben zitierte Geduld vorholen, ist logisch wie richtig. Einerseits. Andererseits deutet sich an, dass der Kader an der einen oder anderen Stelle über zu viel Masse statt Klasse verfügen könnte. Hinten wie vorne scheinen sich die Lilien nicht verbessert zu haben, im Gegenteil.

Abgänge wie jene von Matej Maglica in der Abwehr und vor allem vom Angriffsquartett um Isac Lidberg, Fraser Hornby, Killian Corredor und dem weiterhin vereinslosen Marco Richter sind eben nur schwer aufzufangen. Eine Verpflichtung von Richter sei laut Boss Fernie dennoch derzeit kein Thema. Sportlich würde der ehemalige Leihspieler das Niveau sicher heben.

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Florian Kohfeldt

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Team wirkt nicht optimal austariert

Denn die Nachfolger mühen sich zwar, Durchschlagskraft entwickeln sie aber zu selten. Drei Ligaspiele blieben die Lilien in Folge ohne eigenen Treffer. Mittelstürmer Milan Smit ist ein Mann mit guten Anlagen, aber viel zu oft allein unterwegs. Noah Weißhaupt setzt über links durchaus Akzente, letztlich jedoch zu wenige. Gerade Spielmacher Duijvestijn, zweifelsohne ein guter Kicker, zieht sich zu oft zu weit zurück ins Mittelfeld. Die Kritik der sinnlosen Zockerei dürfte auch an den Niederländer adressiert gewesen sein. Angriffskante Hojae Lee kam dagegen systembedingt bisher ausnahmslos von der Bank.

Hinten wird Abwehrchef Pfeiffer derweil eine seiner großen Stärken genommen, wenn er wie in Kaiserslautern anstelle des gesperrten Aleksandar Vukotic den linken Part der Innenverteidigung geben muss – der lange Diagonalball mit dem rechten Fuß nach links ist so nicht zu spielen. Alles in allem wirkt das ganze Konstrukt nicht optimal austariert.

Kommenden Freitag (18.30 Uhr) erwarten die Lilien im eigenen Stadion am Böllenfalltor dann Arminia Bielefeld. Noch wäre es zu früh, in Alarmismus zu verfallen. Noch sind 30 Spiele zu gehen und bieten reichlich Raum für eine Leistungssteigerung. Der Saisonstart aber ist verpatzt, die Schwächephase der vergangenen Saison setzt sich auch mit runderneuter Mannschaft fort. Also Aufpassen, liebe Lilien. Den deutlichen Worten sollten alsbald auch Taten folgen.

Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/darmstadt-98/nach-fehlstart-von-darmstadt-98-der-ton-wird-rauer-v1,darmstadt-lautern-rauer-ton-100.html

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