Kultur

Preis für Designstudentin aus Hanau: Wie intime Worte zu Buchkunst werden

Preis für Designstudentin aus Hanau: Wie intime Worte zu Buchkunst werden

„Läsch“, „Knuddelkit“ oder „Liebhabkondensat“: Worte, bei denen andere nur Bahnhof verstehen, sind für Freunde oder Familien ein verbindendes Element. Die Hanauerin Lena Ludwig hat daraus ein ungewöhnliches Buch gestaltet und wird dafür jetzt ausgezeichnet.

Manchmal reicht ein einziges Wort, um zu merken, dass man selbst und das Gegenüber offenbar doch nicht dieselbe Sprache sprechen. „Läsch“, „ausgebufft“ oder „Knuddelkit“ sind für die Designstudentin Lena Ludwig ganz selbstverständlich – für andere Menschen dagegen erst einmal rätselhafte Begriffe.

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04:14 Min.
|Cara Platte

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In ihrem Buch „Liebhabkondensat. Eine Sammlung von 100 familiären Idiolekten“ sammelt die Hanauerin solche persönlichen Wörter und macht aus ihnen ein Buch zum Rätseln. Dafür wird sie nun mit dem Förderpreis für Junge Buchgestaltung ausgezeichnet. Er wird neben dem Preis für die Schönsten Deutschen Bücher“ von der Stiftung Buchkunst verliehen.

Katalog als Inspiration

Die prämiierten Bücher werden jedes Jahr in einer Publikation zusammengefasst. „Die ‚Schönsten Deutschen Bücher‘ waren schon immer eine große Inspiration für mich“, erzählt Ludwig. Bei der Bewerbung habe sie sich keine allzu großen Hoffnungen gemacht: „Schließlich ist mein Buch eines von vielen wunderschönen und vielfältigen Büchern.“

Genau diese Vielfalt ist jetzt in der Ausstellung „60 Jahre Schöne Bücher“ im Museum für Angewandte Kunst zu sehen. Zum Jubiläum der Stiftung Deutsche Buchkunst versammelt die Sammlung beinahe hundert ausgewählte Bücher und bietet einen Einblick in Jahrzehnte der Stiftungsarbeit.


Ausstellungsdisplay des prämierten Buches „Liebhabkondensat“.
Bild © Hyemi Cho / einBuch.Haus


Deutschlandweit ist sie die einzige Stiftung, die sich mit Buchkunst beschäftigt und die Frage stellt: Was ist eigentlich ein schönes Buch?

„Für mich persönlich ist ein Buch schön, wenn es rund und in sich stimmig ist“, antwortet Geschäftsführerin Birte Kreft. „Wenn es gelingt, den Inhalt über die Gestaltung weiterzudenken, etwa durch Materialien oder Design, nimmt man es gerne in die Hand.“

Birte Kreft und JJonas Deuter stehen lächelnd in einem hellen Ausstellungsraum voller Ausstellungsstücke und unterhalten sich, während sie ein Buch in den Händen halten.


Birte Kreft und Jonas Deuter in der Ausstellung.
Bild © Cara Platte / hr


Mit Kreuzworträtseln auf Wörtersuche

Das sehe man auch an dem Buch „Liebhabkondensat“ von Lena Ludwig, das für den Förderpreis Junge Buchgestaltung ausgewählt wurde: Als Ludwig vor vier Jahren für ihr Studium nach Aachen zog, fiel ihr das erste Mal auf, wie stark Sprache an die Menschen gebunden ist, die sie sprechen. Und wie verwirrend es sein kann, wenn man an neuen Orten auch auf neue Wörter trifft.

 Zwei Hände halten das geöffnete Buch, das minimalistische typografische Gestaltungen, Rastermuster und ein Daumenregister auf hellen Seiten zeigt.


Blick ins Buch „Liebhabkondensat“.
Bild © Hyemi Cho / einBuch.Haus


Das Rätseln, was ein unbekanntes Wort bedeuten könnte, ist dabei nicht nur Inhalt ihres Buches – es wird auch Teil der Gestaltung. „Visuell ist ‚Liebhabkondensat‘ an Kreuzworträtseln orientiert“, erklärt sie und zeigt auf das typische Muster schwarzer Kästchen auf den Seiten ihres Buches.

„Man kann durch Bilder, Hinweise und Leerstellen erraten, was ein Wort bedeutet. Es ist also genauso, wie wenn man ein unbekanntes Wort enträtseln will.“ Im hinteren Teil des Buches gibt es auch die Möglichkeit, eigene Wörter aufzuschreiben.

Der Titel „Liebhabkondensat“ gehe dabei auf ein Wort zurück, das ihre Eltern verwendeten. Es setze sich aus „liebhaben“ und „Kondensat“ zusammen, also etwas, in dem sich liebenswerte Eigenschaften verdichten.

Eine Frau mit hochgesteckten Haaren beugt sich über einen Arbeitstisch und bearbeitet konzentriert gelbe Papierbögen und Drucklayouts.


Einblick in den Entstehungsprozess der Buchgestaltung
Bild © Lena Ludwig


„Das Buch als Endprodukt ist definitiv mein Liebhabkondensat“, erzählt Ludwig schmunzelnd. „Ich habe es selbst entworfen, gebunden, den Umschlag gestaltet, gestanzt… In den Prozess ist so viel Liebe, Kreativität und Energie geflossen. Das Buch ‚kondensiert‘ also alle liebenswerten Eigenschaften.“

Ein Blick für Design und Details

Bei schönen Büchern geht es eben nicht nur darum, möglichst experimentell oder auffallend zu sein. Das sieht man auch in der Ausstellung der Stiftung Buchkunst.

Jonas Deuter, der als Teil des Kuratorenteams an der Auswahl der Bücher für die Ausstellung beteiligt war, erklärt: „Viele Menschen, die lesen, aber nicht selbst Gestalter:innen sind, fragen sich manchmal: Warum kann ich dieses Buch besser oder schlechter lesen? Das ist sehr ist sehr oft auf die Gestaltung zurückzuführen.“

Papierklasse, Schriftart, Buchstabengröße, wie sich die Seiten anfühlen oder ob ein Buch zufällt, wenn man es aufschlägt – all das mache Lesen zu einem „sensorischen Erlebnis“.

Ein schwarzes Buch mit dem Titel „Nox“ steht aufrecht in einer Display-Box vor einer großen Fensterfront, durch die im Hintergrund Wolkenkratzer und grünes Gebüsch zu sehen sind.


Im MAK sind ausgezeichnete Bücher der letzten 60 Jahre zu sehen.
Bild © Cara Platte / hr


Leise und Laute Bücher

Buchkunst und Gestaltung würden den lauten Blickfang mit dem leisen Wohlgefühl verbinden. „Auch in der Ausstellung gibt es ‚laute‘ Bücher, die durch knallige Farben oder besondere Textur die Aufmerksamkeit auf sich ziehen“, sagt Birte Kreft, „aber eben auch die ‚leisen‘ Bücher, die sich mit einem angenehmen Einband oder weichen Seiten in die Hand schmiegen.“

Deshalb sei es ihnen wichtig gewesen, dass man die Bücher in der Ausstellung anfassen kann. Sonst gehe etwas von der Buch- und Leseerfahrung verloren. „Gedruckte Bücher haben etwas, das digitale E-Books nie ersetzen können: Man kann sie berühren und spüren“, sagt sie.

Buchdesign gewinne deshalb an Bedeutung, zum Beispiel im Young-Adult-Bereich. In Buchläden würden Farbschnitte, Gravuren und Schmuckausgaben immer häufiger.

Zahlreiche Bücher liegen aufgereiht in schwarzen, treppenförmig angeordneten Kisten mit orangefarbenen Schildern vor einer großen Fensterfront.


Büchertische der Ausstellung „Schöne Bücher“
Bild © Cara Platte / hr


Inspiration für das nächste Buch

Auch für Lena Ludwig ist das gedruckte Buch unersetzbar. Inspiration finde sie zwar auch auf Pinterest oder Instagram – wo sie auch als Künstlerin sichtbar ist –, aber: „Die wichtigste Inspiration ist außerhalb von Social Media.“ Es sei wichtig, immer die Augen offen zu halten, um Ideen in die „imaginäre Schublade“ zu legen, wie es eine ihrer Professorinnen formulierte.

Inspiration sei aber auch die Arbeit anderer und nicht zuletzt die „Schönsten Deutschen Bücher“ der Stiftung Buchkunst. In der Ausstellung zum 60-jährigen Jubiläum wird bald auch Lena Ludwigs Buch „Liebhabkondensat“ zu sehen sein – und vielleicht dient es bald als Inspiration für das nächste neue Buch.

Weitere Informationen

Stiftung Buchkunst: 60 Jahre Schöne Bücher

5. September bis 1. November 2026 im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt.

In diesem Jahr geht der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis an das von Laura Momo Aufderhaar und Verena Hochleitner illustrierte und gestaltete Buch „Was tun, wenn … – Kleine Hilfe bei großen Katastrophen“ vom kunstanstifter verlag, Mannheim.

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Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/preis-fuer-designstudentin-aus-hanau-wie-intime-worte-zu-buchkunst-werden-v1,schoenebuecher-100.html

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