Der Fotograf Jamel Shabazz arbeitete im berüchtigten New Yorker Gefängnis Rikers Island, erlebte das Elend, das Crack und AIDS brachten. Er feiert aber gerade deshalb in seinen Bildern auch Lebensfreude und kreative Energie. Jetzt sind seine Bilder in Eschborn zu sehen.
Jamel Shabazz bringt New York Vibes nach Eschborn.
Bild © Tanja Küchle/hr
„New York Vibes“ sind in der Deutsche Börse Photography Foundation in Eschborn (Main-Taunus) zu verspüren. Mit über 60 Fotografien bietet die Stiftung erstmals in Deutschland einen umfassenden Einblick in das Werk des amerikanischen Fotografen Jamel Shabazz.
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01:36 Min.|Jamel Shabazz
Shabazz, Jahrgang 1960, hat seit Beginn der 1980er Jahre alltägliche Szenen in der überwiegend afroamerikanisch geprägten Nachbarschaft seiner Heimatstadt New York festgehalten. Damals kam er aus seinem Militärdienst in Deutschland zurück – und erlebte vielfache Krisen, wie er beim Ausstellungsrundgang erzählt.

Jamel Shabazz: Rolling Partners, Downtown, Brooklyn, NYC 1982
Bild © Jamel Shabazz, Courtesy Galerie Bene Taschen, Cologne
Als Justizbeamter im Gefängnis Rikers Island
„Ich kam in eine Stadt mit einer AIDS-Epidemie und einer Crack-Epidemie“, erinnert er sich. „Viele junge Männer starben durch die Hand anderer junger Männer.“ Das habe ihn erschüttert, besonders als er Justizbeamter im Gefängnis Rikers Island wurde, einem der größten und berüchtigsten Gefängnisse der USA.

Jamel Shabazz: Alive with Pleasure, Rikers Island, NYC 1985
Bild © Jamel Shabazz, Courtesy Galerie Bene Taschen, Cologne
Mehr als 20 Jahre arbeitete Shabazz als Vollzugsbeamter in mehreren Gefängnissen, lernte Insassen kennen, die überwiegend mittellos waren und von denen mehr als die Hälfte an psychischen Erkrankungen litten. Einige dieser Porträts und Momentaufnahmen sind in Eschborn erstmals zu sehen.
Vor der Illusion des schnellen Geldes bewahren
Viele junge Männer seien damals den Verlockungen des Drogenhandels erlegen, denn als die Crack-Epidemie ausbrach, sei das leicht verdientes Geld gewesen, sagt Shabazz. „Es gab Leute, die sich schöne Kleidung und schöne Autos kaufen konnten, weil sie Drogen verkauften. Aber es war eine Falle, eine Illusion.“
Er habe das Bedürfnis gehabt, junge Menschen vor dieser Illusion zu bewahren. Dabei sei die Fotografie ein Mittel gewesen, mit den jungen Menschen in Kontakt zu kommen. Schon als 15-Jähriger habe er die Möglichkeiten entdeckt, die ihm die Kamera bot: „Sie öffnete mir mein drittes Auge. Sie schuf mir Möglichkeiten, zu kommunizieren und mit Menschen in Kontakt zu treten.“
„Ich wollte, dass alle gewinnen“

Jamel Shabazz: Soros for Life, Crown Heights, Brooklyn, NYC 1981
Bild © Jamel Shabazz, Courtesy Galerie Bene Taschen, Cologne
Nach den anstrengenden Diensten im Gefängnis machte er sich auf zu Streifzügen durch Manhattan, die Bronx und Brooklyn. Dabei wurde der Bürgersteig zum Fotostudio: Shabazz fotografierte lebenslustige junge Menschen, selbstbewusste Frauen und Männer in stilvollen Outfits.
Er wendete sich aber auch an junge, unsichere Menschen. „Ich hatte ein Sprichwort, das ich immer mit jungen Leuten geteilt habe: Alles, was du heute tust, spiegelt deine Zukunft wider.“ Er habe es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Menschen Ermutigung und Führung zu geben, denn: „Ich wollte das Beste für sie alle. Ich wollte, dass alle gewinnen“.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/jamel-shabazz-zeigt-seine-fotos-in-eschborn-einige-bilder-sind-erstmals-zu-sehen-v1,fotograf-jamel-shabazz-eschborn-100.html


