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Nach dem ernüchternden 1:4 gegen den FC Augsburg sagte Markus Krösche Markus-Krösche-Sachen. Der Sportvorstand des hessischen Fußball-Bundesligisten erklärte zwar, dass die Leistung in der zweiten Hälfte schwach gewesen sei, auch, dass er mehr erwarte von der Mannschaft. In seinen Ausführungen aber fielen Begriffe, die außerhalb des inneren Eintracht-Zirkels wohl kaum jemand mehr hören mag: Geduld sei demnach gefragt, Vertrauen in den Prozess eines jungen Teams nötig.
Tatsächlich weist die Eintracht einerseits mit durchschnittlich 23,5 Jahren den jüngsten Bundesliga-Kader auf. Andererseits schickte Trainer Adi Hütter im Premieren-Heimspiel seiner zweiten Amtszeit eine Startelf von durchschnittlich 25 Jahren aufs Feld – und war damit nur unwesentlich jünger als der FCA (25,3) unterwegs. Ja, was denn nun, liebe Eintracht? Die fehlende Routine ist sicher ein Aspekt, den die Frankfurter in durchwachsenen Zeiten als Entlastungsargument anführen können. Es dabei zu belassen, wäre jedoch deutlich zu kurz gegriffen.
Mit Theate und Kristensen sind zwei Leader weg
Rückblick: Am Ende der vergangenen Saison führten die Frankfurter Verantwortlichen aus, dass es in der Team-Chemie und -Hierarchie nicht gepasst habe. Die Anführer führten nicht richtig, die Jungen fanden keinen Halt. Ein Ziel war es daher für den Sommer, an diesem leistungshemmenden Gebilde etwas Entscheidendes zu verändern. So weit, so logisch.
Arthur Theate war schnell als einer der Schuldigen ausgemacht, über Monate wurde hinter vorgehaltener Hand schlecht über den Verteidiger gesprochen. Zur Erinnerung: Ein Jahr vorher galt er noch als Mentalitätsmonster, wurde so auch vom Klub abgefeiert. Selbst im Falle von Rasmus Kristensen, ein ausgewiesener und beliebter Leader, war hier und da zu vernehmen, dass sein Abgang für die Entwicklung einer neuen Hierarchie doch zuträglich sein könnte.

Bild © hr
Neuzugänge müssen erst ihre Rollen finden
Einzig: Die Transfers spiegeln die eigentlich als sinnvoll anmutenden Schlüsse kaum wider. Von Malik Pimpong, Otavio oder Noel Aseko ist kaum oder keine Führung zu erwarten. Auch die beiden Halb-Neuzugänge, jene von der Tribüne in die Startelf beorderten Außenverteidiger Elias Baum und Keita Kosugi, sind erst 20 Jahre alt und daher hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt.
Bleiben von den Neuen der Torwart Noah Atubolu, der gewiss mehr Anführer-Potenzial mitbringt als seine Vorgänger Michael Zetterer und Kaua Santos, sowie Lilian Brassier und Raphael Onyedika. Immerhin, sagen die einen. Zu wenig nach den Abgängen von Theate und Kristensen, die anderen. Sicher ist, dass Brassier und Onyedika noch Zeit brauchen werden. Sie sprechen kein Deutsch, kennen die Liga nicht, sind teils (Brassier) erst eine Woche da.
Koch als Sinnbild des mentalen Problems
In Frankfurt sind also die alten Anführer auch die aktuellen: Abwehrchef Robin Koch, Weltmeister Mario Götze, Stürmer Jonathan Burkardt. Erfahrene Profis, die sich nicht wegducken wollen, das nicht. Bei denen die nahe Vergangenheit aber deutliche Spuren hinterlassen hat. Gerade Kapitän Koch gilt als Sinnbild für einen Profi, der viel mehr kann, die Last der vielen Fehlschläge aber einfach nicht richtig abzuschütteln vermag. Ob das reichen wird?
Die ersten Eindrücke, und nicht mehr lässt sich zurzeit bewerten, sprechen nicht dafür. Sowohl in Berlin als auch gegen Augsburg brach das gesamte Frankfurter Gebilde nach einem Rückschlag komplett zusammen, wurde nach einem Fehler gleich der nächste gemacht. Da ist jener von Atubolu gegen Augsburg noch am ehesten in die Kategorie „passiert halt“ einzuordnen. Körperliche Härte gab es in kniffligen Phasen kaum mehr auf dem Feld, fußballerisches Vorangehen noch viel weniger.
Bei Gegner Mainz führt Amiri mit den Füßen
Es seien an dieser Stelle auch die Kreativspieler Can Uzun und Ritsu Doan genannt, die zwar keine Lautsprecher sind, sehr wohl aber fußballerisch führen sollten. Denn beide können den Unterschied machen. Beide können besser kicken als das Gros der Liga. Beide aber eint, dass sie mit einer Mannschaft zu oft untergehen. Uzun etwa spielt gut, wenn das Team gut spielt. Dann setzt er seine Dribblings und Pässe. Gegen Augsburg schlich er dagegen in Hälfte zwei fast teilnahmslos übers Feld. Zu wenig. Zu wenig vor allem für einen Mann, der gerne ein ganz Großer werden will. Doch das nur nebenbei, Uzun und Doan sind sicher nicht das Hauptproblem der Eintracht.
Dass die Frankfurter sich im Sommer nach Robert Andrich erkundigten, ergibt grundsätzlich Sinn. Ob der Leverkusener nun alles geändert und nach Frankfurt gepasst hätte, sei mal dahingestellt. Der Typ Andrich aber fehlt dem Team. Oder einer wie beim kommenden Gegner aus Mainz. Dort hält im Mittelfeld ein Mann die Mannschaft zusammen, der weder tritt und schon gar nicht beißt (ohnehin keine gute Idee). Nadiem Amiri geht mit seinen Füßen voran. Klingt simpel wie logisch, wird bei der Eintracht aber in komplizierten Momenten schmerzlich vermisst.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt/wer-fuehrt-eintracht-frankfurt-an-neue-saison-altes-problem-v1,eintracht-anfuehrer-100.html




