Handys schrillen, Sirenen heulen, Infotafeln leuchten: Am Donnerstag ist erneut durchgespielt worden, wie im Fall von Katastrophen oder Kriegsfolgen gewarnt wird. Alles Wissenswerte mit Tipps und Links bei Handy-Problemen.
Am Donnerstag sind in ganz Deutschland wieder die Warnsysteme getestet worden. Um 11 Uhr verschickte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Warnmeldungen auf Millionen Smartphones – sollte ihr Handy nicht angeschlagen haben, finden Sie hier Tipps und Links.
Gleichzeitig haben auch auch Radio- und Fernsehsender und andere Kanäle entsprechende Hinweise verbreitet. An vielen Orten heulten die Sirenen. Auch hessenschau.de beteiligte sich an dem Warntag.
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01:16 Min.|Caroline Wornath
Gegen 11:45 Uhr folgte die Entwarnung. Der bundesweite Warntag war ein Probelauf für den Ernstfall und sollte zeigen, wie zuverlässig die verschiedenen Systeme funktionieren – ein Stresstest für die Katastrophenschutz-Systeme in Deutschland.
„Die aktuelle Sicherheitslage führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, dass wir die Bevölkerung im Ernstfall schnell, zuverlässig und verständlich erreichen können“, sagte Innenminister Roman Poseck (CDU) im Vorfeld.
Seit 2020 findet der Warntag jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September statt. Der Start verlief holprig: Warnungen kamen teils erst mit einer halben Stunde Verspätung an. Auch im vergangenen Jahr gab es noch kleinere Pannen, an einigen öffentlichen Stadtwarntafeln wurde wegen einer Störung nichts angezeigt.
Die wichtigsten Fragen und Antworten zum bundesweiten Warntag 2026 in Hessen im Überblick:
Warum gibt es einen bundesweiten Warntag?
Am bundesweiten Warntag wird getestet, wie zuverlässig die Warn-Infrastruktur im Ernstfall funktioniert. Behörden von Bund, Ländern, Kreisen und Städten können ihre Systeme prüfen, mögliche Schwachstellen erkennen und beheben. Gleichzeitig sollen die Menschen in Hessen mit den verschiedenen Warnkanälen und Alarmsignalen vertraut gemacht werden.
Das System soll im Katastrophen- oder Zivilschutzfall – etwa bei Kriegseinwirkungen – die Bevölkerung bundesweit erreichen. In regionalen Notlagen wie Unwettern, Bränden oder Amoksituationen geben die hessischen Behörden selbst Warnungen heraus. Diese enthalten konkrete Handlungsempfehlungen und weiterführende Informationen.
Wie genau wird gewarnt?
Am Warntag wird die Bevölkerung über viele verschiedene Kanäle erreicht:
- Smartphone-Apps: NINA, hessenWARN, KATWARN und BIWAPP.
- Cell Broadcast: Warnnachrichten gehen direkt aufs Handy oder Smartphone – unabhängig von installierten Apps.
- Sirenen: Um 11 Uhr ertönt ein einminütiger Probealarm, um 11:45 Uhr folgt die Entwarnung.
- Radio und Fernsehen: Warnmeldungen laufen als Durchsagen oder Laufbänder. Auch der Hessische Rundfunk beteiligt sich – auf seinen Radiowellen und im hr-fernsehen.
- Weitere Kanäle: Social Media, digitale Anzeigetafeln in Städten, Lautsprecherwagen sowie Durchsagen auf Bahnsteigen und in Zügen der Deutschen Bahn.
- DAB+: Seit 2023 wird auch Digitalradio als Warnmittel für Testmeldungen eingesetzt (Automatic Safety Alert-Funktion, ASA). Wer Testmeldungen in seinem DAB+-Radio (ASA-fähig) aktiviert hat, erhält entsprechende Probewarnungen.
- Auch hessenschau.de macht auf seiner Website und in der App mit: Eine Warnung erscheint auf der Startseite von hessenschau.de – zudem wird eine Eilmeldung über die hessenschau-App verschickt. Sie wollen die App installieren? Hier finden Sie alle wichtigen Informationen.
hessenWARN wird zum Jahresende abgestellt. Was tun?
Laut Innenministerium wird die Warn-App hessenWARN aus inhaltlichen und wirtschaftlichen Gründen nur noch bis Anfang 2027 betrieben. Nach jüngsten Angaben nutzen noch etwa 256.000 Personen Menschen die App, die unter anderem bei Bombenfunden, Bränden, Unwettern oder Anschlägen warnt und weitere Infos liefert. Das Ministerium empfiehlt, Nutzerinnen und Nutzer sollten ihre Warnungen und Gefahreninformationen künftig über die bundesweit etablierte Warn-App NINA beziehen.
Sollte man hessenWARN am bundesweiten Warntag noch nutzen?
Da hessenWARN noch bis zum Jahresende aktiv ist, spricht nichts gegen eine Nutzung der App. Sollten Sie die Warn-App NINA allerdings noch nicht auf ihrem Handy haben, könnte der Probealarm am 10. September auch zu Ihrem persönlichen Test werden. „Bitte installieren Sie sich die Warn‐App NINA, damit wir Sie im Fall einer Gefahr schnell und zuverlässig warnen und informieren können“, empfiehlt etwa die Stadt Kassel mit Blick auf das Auslaufen der hessenWARN-App.
Auch die Feuerwehr Frankfurt verweist auf NINA. „Voraussetzung dafür ist, dass die App entsprechend eingerichtet und alle relevanten Warnmeldungen aktiviert sind“, so ein Sprecher. Man solle etwa ältere Menschen helfen, die App einzurichten.
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01:49 Min.|Stefan Pommerenke
Welcher Sirenen-Ton wird zu hören sein?
Gewarnt werden soll am 10. September nicht nur per Handy. Mancherorts wird um 11 Uhr auch ein auf- und abschwellender Sirenenton zu hören sein. Er bedeutet: Vorsicht, Gefahr! Wer im Katastrophen- oder Angriffsfall den Heulton hört, sollte sein Radio oder den Fernseher einschalten beziehungsweise auf anderen Wegen nach zusätzlichen Informationen suchen.
Laut Innenministerium haben Srienen im Katastrophenfall eine „besondere Bedeutung“. Sie seien ein „zuverlässiges Weckmedium, das rund um die Uhr Aufmerksamkeit herstellen kann“, so CDU-Innenminister Poseck. „Auch dann, wenn das Smartphone gerade nicht zur Hand ist.“
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01:19 Min.|
Werden überall in Hessen Sirenen zu hören sein?
Nein, nicht überall. In Hessen gibt es längst kein flächendeckendes Sirenennetz (mehr). Viele Anlagen wurden nach dem Ende des Kalten Krieges abgebaut oder nicht mehr gewartet. In Frankfurt etwa gibt es – abgesehen von den Industrieparks Höchst und Fechenheim – kein flächendeckendes Sirenennetz. Das soll sich ändern, der Magistrat hat 162 Sirenenstandorte beschlossen. Sie sollen nach und nach installiert werden. Der vollständige Aufbau könnte sich aber bis zu fünf Jahre hinziehen.
Nach aktuellem Stand sind in Hessen 4.074 Sirenen aktiv. Davon sind Laut Ministerium 85 Prozent digital und damit über das sogenannte Tetra BS Netz erreichbar. Mit Digitalfunk könnten großflächige Sirenenalarmierungen innerhalb von ein bis zwei Sekunden ausgelöst werden.
Damit die Sirenen künftig wieder großflächiger heulen, investieren Bund und Land seit 2021 in den Ausbau.

Funktionsfähige Sirenen gibt es nicht mehr überall in Hessen.
Bild © picture alliance / Caro Kadatz | Caro Kadatz
Wird es am 10. September auch eine Entwarnung geben?
Ja, das ist der Plan. Um 11:45 Uhr wird über die meisten Warnmittel eine Entwarnung ausgelöst. Die Sirenen geben dazu einen einminütigen Dauerton ab. Eine Ausnahme bilden ältere Modelle: Sie können nur das Signal „Feueralarm“ senden – einen zweimal unterbrochenen Dauerton. Als technische Neuerung wird über Cell Broadcast nun auch eine Entwarnung verschickt.
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01:08 Min.|
Funktioniert die Warnung auf meinem Handy auch ohne Warn-App?
Ja, grundsätzlich sollte auf allen Handys ein lauter Warnton zu hören sein. Auf älteren Geräten funktioniert das allerdings nicht immer. Welche Modelle unterstützt werden, zeigt diese Liste (kein Anspruch auf Vollständigkeit).
Die Technik dahinter heißt Cell Broadcast: Dabei wird automatisch eine Nachricht an alle eingeschalteten Geräte mit Empfang verschickt.
Damit das funktioniert, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
- Ein aktuelles Betriebssystem ist installiert – Android ab Version 11 oder iOS ab Version 16.1.
- Die Funktion „Notfallwarnungen“ ist in den Einstellungen aktiviert.
So aktivieren Sie Notfallwarnungen:
- iPhone: Einstellungen → Mitteilungen → Cell Broadcast-Warnungen.
- Android: In Einstellungen über die Suchfunktion nach „Drahtlose Notfallwarnungen“ oder „Notfallbenachrichtigungen für Mobilgeräte“ suchen.
Hier finden Sie detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen:
Cell Broadcast wird komplett anonym betrieben. Nutzer müssen sich nirgendwo dafür anmelden oder persönliche Daten angeben, eine Handynummer muss nicht bekannt sein.
Sollten Sie Probleme mit einer Warnapp haben, holen Sie sich beim entsprechenden Anbieter Hilfe – oft müssen die Einstellungen verändert werden.
NINA | hessenWARN | KATWARN | BIWAPP
Muss ich etwas machen, wenn ich am Warntag eine Warnmeldung erhalten habe?
Nein. Sie können sich über die erschienene Warnung freuen, dass Alarm-Nachrichten der Behörden bei Ihnen ankommen. Wenn Sie Feedback loswerden wollen, können Sie dazu die offizielle Plattform des Bundesamts für Bevölkerungsschutz nutzen.
Wie Sie sich in echten Notsituationen verhalten und vorsorgen, können Sie hier beim Bundesamt nachlesen.
Was passiert, wenn ich mein Smartphone zum Warnzeitpunkt ausgeschaltet habe?
Wer sein Handy am Donnerstag um 11 Uhr, also zum Beginn des Probealarms, ausgeschaltet hat, bekommt die Testwarnung per App oder Cell Broadcast nicht. Das gilt auch für Geräte im Flugmodus oder für Geräte, die sich in einem Funkloch befinden. Diese Einschränkung betrifft selbstverständlich nicht nur den Probealarm, sondern auch Warnmeldungen bei echten Gefahrenlagen.
Sollten Sie den Alarm am Donnerstag auf einem Gerät bewusst nicht empfangen wollen, schalten Sie das entsprechende Gerät vor 11 Uhr aus oder in den Flugmodus.
Wie bereite ich Kinder und sensible Menschen auf den Warntag vor?
Laute Warnsignale können bei manchen Menschen Verunsicherung oder belastende Erinnerungen hervorrufen – etwa bei älteren Menschen, Kindern oder Geflüchteten aus Kriegsgebieten. Dazu gehören zum Beispiel Sirenensignale oder Durchsagen über Lautsprecherwagen.
Sinnvoll ist es deshalb, diese Menschen vorab auf den Warntag einzustellen: Suchen Sie rechtzeitig das Gespräch, erklären Sie den Hintergrund gegebenenfalls altersgerecht – und betonen Sie, dass es sich um eine Probewarnung handelt, nicht um eine reale Gefahr.
Auch Tiere reagieren oft empfindlich auf plötzliche, ungewohnte Geräusche – ähnlich wie bei Gewitter, Martinshorn oder Silvesterböllern. Beobachten Sie Ihr Tier und treffen Sie je nach Bedarf vorbeugende Maßnahmen.
Wo finde ich Informationen zum Warntag in anderen Sprachen?
Wie liefen die vergangenen Warntage?
Laut Innenminsterium wurde der Alarm bei den vergangenen Probetagen „sehr zuverlässig und sehr schnell“ ausgelöst. „Frühere Kapazitätsprobleme und Übertragungsengpässe wurde aufgrund der Erfahrungen zudem weitestgehend beseitigt.“ Außerdem sei die Einführung von Cell Broadcast positiv, denn die Handyalarmierung brauche keine vorherige Registrierung und erreiche somit alle Geräte in einem Warnbereich. Das deckt sich größtenteils mit den Rückmeldungen von hessenschau.de-Nutzern bei vergangenen Warntagen.
Wird es in Hessen auch 2027 einen Warntag geben?
Ja, auch im kommenden Jahr soll es wieder einen bundesweiten Warntag geben – und zwar am 9. September 2027. Grundlage dafür ist ein Beschluss der Innenministerkonferenz, der besagt, dass der bundesweite Warntag ab dem Jahr 2020 jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September stattfindet.
Ob es im Frühjahr zudem wieder einen hessenweiten Warntag geben wird, ist offiziell noch nicht bekannt. In diesem Jahr fand er am 12. März statt.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/warntag-2026-alarm-ueber-handys-und-sirenen—das-muessen-sie-wissen-v9,warntag-2026-bund-hessen-100.html




