Dafür, dass die Saison noch jung ist, ist die Lage schon ziemlich schlecht bei Darmstadt 98. Um eine sportlich-atmosphärische Wende einzuleiten, wendet sich der Trainer nun direkt an die Fans. Die waren von Anfang an Teil eines großen Plans.
Darmstadt-98-Trainer Florian Kohfeldt.
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02:11 Min.||Robin Niehaus
Schon am Freitagabend ab 18.30 Uhr entscheidet sich, was es für ein Wochenende für Darmstadt 98 wird. Ein Sieg gegen Arminia Bielefeld wäre nichts weniger als ein Befreiungsschlag. Alle anderen Szenarien wollen die Lilien nach Möglichkeit gar nicht erst durchspielen. Dieser frühe Stresstest stellt das Umfeld und sogar den großen Umbauplan der Lilien auf die Probe.
Immerhin: Viel schlechter kann die Lage erst einmal nicht werden. Schon nach drei Spieltagen hatten die Lilien ihre Expedition zum Südpol der Tabelle vorerst abgeschlossen und auf dem 18. Platz ihr Basecamp aufgeschlagen. Die 0:3-Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Samstag war nicht dazu geeignet, irgendetwas an der Situation zu verbessern.

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Kohfeldt lässt keinen Raum für Zweifel
„Es ist mit Sicherheit nicht die schönste Phase, die ich in über zwei Jahren Darmstadt erlebe“, gibt Florian Kohfeldt zu. Wer einen hadernden Trainer erwartet, einen Verunsicherten, einen Zweifler, der ist am Böllenfalltor jedoch an der falschen Adresse. „Ich habe keine Zweifel“, sagt Kohfeldt. Vielmehr „unfassbar große Motivation“, seine Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen.
Der Lilien-Coach spielt die Galionsfigur glaubhaft. Gute Trainer müssen den Fels in der Brandung schließlich im Repertoire haben. Wer vor der Saison genau hingehört hat, den dürfte es aber gar nicht so groß überraschen, dass Kohfeldt nun nach vier Spieltagen dort sitzt und die Gefühlswelt eines Tabellenletzten erklären muss. Mit Sicherheit werden sie gehofft haben, dass der Umbruch etwas geräuschloser vonstatten geht, aber dass beim Saisonstart Turbulenzen zu erwarten sein würden, gab die Crew schon vorab durch.
Lilien wollen keine „Wundertüte“ sein
Es war kein einfacher Sommer für Kaderplaner Paul Fernie. Darum erklärte er ihn auch ausführlich. Die schmerzhaften Abgänge wurden hinreichend beklagt. Zweitliga-Spitzenpersonal vornehmlich gegen Spieler einzutauschen, die sich in dieser Klasse noch nicht bewiesen haben, ist mindestens risikofreudig.
Ein Experiment sei das jedoch nicht, betonte Fernie. Von einer „Wundertüte“ wollte er schon gar nichts hören. Vielmehr erkannte er die Chance, die Darmstadt 98 als Klub bietet. Die unbedingt nötige Ruhe und Geduld für solch einen Neuaufbau, „die bietet unser Umfeld zum Glück an“, sagte Fernie vor gut einem Monat noch voller Zuversicht.
Fanproteste in Kaiserslautern
Wer die Bilder nach dem Schlusspfiff in Kaiserslautern sah, mag da gewisse Zweifel anmelden. Der Lilien-Anhang verfügt eigentlich über ein gutes Augenmaß. Die verpasste Aufstiegschance im Frühjahr nahmen die meisten ohne Murren und mit einer gesunden Selbsteinschätzung hin. Im Tabellenkeller ist die Luft nun aber doch ein wenig muffiger und nach Lilien-Maßstäben war das schon ein Affront am Samstag: Als sich die Spieler nach der deutlichen Niederlage und einer besorgniserregenden zweiten Hälfte auf den Weg in die Kurve machten, wurden sie vom eigenen Anhang unverrichteter Dinge wieder zurückgeschickt.
„Es waren nicht alle, das haben wir auch wahrgenommen. Aber wir wollten die Situation nicht weiter eskalieren lassen und sind dann weggegangen“, berichtet Kohfeldt. Schon nach vier Spielen scheint der Kredit, den die Lilien sich nehmen wollten, um die Mannschaft grundsätzlich umzukrempeln, weitgehend verbraucht. Vor dem ersten Flutlichtspiel der Saison am Freitagabend ist für ihn aber ohnehin klar: „Wir müssen jetzt anfangen zu punkten – und zwar auch stabil zu punkten.“
Aussprache mit Team und Führungsspielern
Darum habe er gleich nach dem Kaiserslautern-Spiel „Tacheles“ geredet. Erst im Mannschaftskreis, dann im Einzelgespräch mit den Führungsspielern. „Ich will nichts schönreden: Wir haben in Kaiserslautern, insbesondere in der zweiten Halbzeit, wirklich schlecht gespielt“, sagt Kohfeldt. Die Gespräche hätten ihn in seiner Überzeugung aber nur bestärkt, dass es „keinen Zweifel gibt, von keiner Seite“.
Nun, ausgenommen die Ränge vielleicht. Die Spieler wegzuschicken, sei „für uns als Akteure da unten mit das Schlimmste, was man machen kann nach einem Spiel“, berichtet Kohfeldt. „Es tut uns nichts mehr weh, als wenn das so passiert wie am Samstag. Grundsätzlich ist aber immer die Mannschaft in der Bringschuld und das Trainerteam, um Stimmung anzuheizen.“ Ein „fußballerisches Feuerwerk“ erwartet der Coach gegen Bielefeld gleichwohl nicht von seinem Team. Daher müssen die Fans vielleicht diesmal selbst das Feuerzeug an die Lunte halten.
Kohfeldts Appell an alle Darmstadt-Fans
Kohfeld formulierte daher noch einmal einen eindringlichen Appell an den eigenen Anhang: „Wir brauchen die Fans am Freitagabend. Und zwar die auf der Süd, aber auch die auf der Gegengerade, die auf der Haupttribüne, die auf der Nord sitzen, wir brauchen alle, weil wir haben keine einfach Situation. Das wissen wir. Aber wir haben Glaube. Und mit jedem, der schreit, wird der Glaube größer. Deshalb: schreit am Freitag!“
Mit dieser Unterstützung im Rücken soll dann auch Fernies Langzeitplan aufgehen. Mit der Verpflichtung von Marco Richter gelang am Donnerstag noch ein Eigentlich-schon-nach-Last-Minute-Transfer. Kümmerliche zwei Tore in den ersten vier Spielen sind auch so ein Problem, an dem der Rückkehrer mitarbeiten soll. Vielleicht ja ein sinnvoller Schritt zurück in die Zukunft.
So könnten die Lilien spielen

So könnten die Lilien starten
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Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/darmstadt-98/sv-darmstadt-98-florian-kohfeldts-schrei-nach-liebe-v1,lilien-vor-bielefeld-108.html





