Das Jahr fing verheißungsvoll an. Gleich im ersten Wettkampf nach ihrer Babypause qualifizierte sich Daniela Bleymehl im April für die Ironman-WM auf Hawaii. Nun beendet die Darmstädterin ihre Karriere – ohne einen weiteren Triathlon.
Daniela Bleymehl bei ihrem Sieg beim Ironman Frankfurt 2022
Bild © Imago / Patrick Scheiber
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00:39 Min.||Mathias Merget
Eigentlich sollte es noch zwei, drei Jahre weitergehen, dieses Leben als Profi-Triathletin. Mit diesen Arbeitstagen bestehend aus Schwimmen, Radfahren, Laufen, Krafttraining, Gymnastik, Büro – und Familie. 16 Jahre lang hatte Daniela Bleymehl diesen Spagat aus Leistungssport und Mutterdasein gemanagt. Jetzt ist Schluss damit. Früher als gedacht.
Organisatorisch nicht mehr leistbar
Im Juli, nach dem Langdistanz-Triathlon in Roth, bei dem sie nach langem Kampf mit vielen Pausen im Rennen körperlich und mental völlig erschöpft das Ziel erreicht hatte, verkündete sie, dass nach dieser Saison Schluss sein wird. Nach einem letzten großen Auftritt, nach der Ironman-WM auf Hawaii. Für diese hatte sie sich im April beim Ironman Südafrika als Dritte qualifiziert. Doch auf diesen letzten Trip wird sie nun verzichten. Einen Profi-Triathlon mit Daniela Bleymehl wird es nicht mehr geben.
Eine Entscheidung, die nur im Ergebnis aus sportlichen Gründen gefallen ist. „Es wäre organisatorisch nicht mehr gegangen“, erklärt die 38-jährige Darmstädterin im Gespräch mit dem hr-sport. „Wenn die WM in Europa gewesen wäre, hätte ich es wohl gemacht. Aber als fünfköpfige Familie bekommen wir das nicht mehr organisiert.“ Erst im Juli 2025 hatte Bleymehl ihr drittes Kind zur Welt gebracht.
Kein Start als Teilzeit-Profi
Solides und zielorientiertes Training mit drei Kindern sei logistisch immer eine riesige Herausforderung gewesen. „Wir hatten ein ausgeklügeltes Babysitter-System“, so Bleymehl. Für eine WM hätten es aber noch ein paar Trainingsstunden mehr sein müssen, um nicht nur dabei zu sein. Die Vorbereitung auf das Rennen in Roth habe ihr dann schon die Grenzen aufgezeigt. In den 10:41:26 Stunden Wettkampf habe sie zwar auch „ein paar tolle Momente erlebt“, aber die Erkenntnis, dass es nicht mehr für die Leistungen reicht, die sie selbst erreichen wolle, sei da schon in ihr gereift.
Halbgas kann Bleymehl nicht. „Ich kann mir nicht vorstellen, als Teilzeit-Profi Rennen zu bestreiten, nur um nochmal teilzunehmen“, sagt die sechsfache Langdistanz-Siegerin. „Ich habe zwar gebraucht, das zu realisieren und auch zu formulieren, aber ich muss mich auch nicht rechtfertigen.“ Im Gegenteil. Als dreifache Mutter einen derart zeitaufwändigen Profisport zu betreiben, war für viele Frauen vorbildhaft. Dass Sport und Familie kein Gegensatz sein müssen, hat sie jahrelang vorgelebt.
2018: Deutsche Bestzeit in Roth
2013 bestreitet Bleymehl ihre erste Langdistanz über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und einen Marathon. In Barcelona. „Leider gibt es dieses Profirennen nicht mehr, sonst hätte ich das gerne als Abschluss genommen“, sinniert sie. Fünf Jahre später dann der sportliche Durchbruch. In Roth gewinnt sie nicht nur das Rennen, sondern erzielt in 8:43:42 Stunden die bis dahin schnellste Zeit einer Deutschen überhaupt auf der Langdistanz. Ein Meilenstein für ihre Karriere.
2019 erreicht sie bei der WM auf Hawaii mit Rang neun eine Top-Ten-Platzierung und etabliert sich im internationalen Rennzirkus. Weitere drei Jahre später gewinnt sie ihr Heimrennen in Frankfurt – nur ein Jahr nach der Geburt ihres zweiten Kindes. 2024 steigert sie als Dritte beim Ironman in Hamburg ihre Bestzeit auf 8:28:09 Stunden. Die Laufbahn geht weiter, auch wenn sich die alltäglichen Herausforderungen immer wieder bemerkbar machen.
Alles wieder genauso machen
Dass Bleymehl nun einen Schlussstrich gezogen hat, sorgt für großen Respekt in der Szene. „Ich bekomme sehr viel positive Rückmeldungen“, sagt sie. Leicht gefallen sei ihr dieser Schritt trotzdem nicht. Und als nur ein paar Tage nach ihrem Rücktritt bekannt wurde, dass 2027 in Frankfurt auch wieder ein Profi-Rennen für Frauen ausgetragen wird, habe sie nochmal kurz gezuckt. „Wenn das vor zwei Monaten bekanntgegeben worden wäre, hätte ich es mir vielleicht nochmal überlegt“, sagt sie mit einem Grinsen. „Hätte, wenn und aber“ gibt’s aber nicht bei Daniela Bleymehl.
Auch nicht rückblickend. „Ich würde alles wieder genauso machen, wie ich es gemacht habe“, ist sie sich sicher. Ganz anders ist das beim Blick nach vorne, denn was sie zukünftig macht, ist noch völlig unsicher. „Ich werde jetzt erstmal abtrainieren.“ Das macht sie mit Bergläufen oder neudeutsch: Trail Runs. „Das ist nicht so zeitaufwändig wie Triathlon und macht mir gerade sehr viel Spaß“, gibt Bleymehl zu. Dem Sport bleibt sie auf jeden Fall erhalten, „aber nicht komplett auf der Coaching-Seite“, verrät sie. Mehr aber auch nicht. Es bleibt also spannend, dieses Leben – als nun ehemalige Profi-Triathletin.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/mehr-sport/profi-triathletin-bestreitet-kein-rennen-mehr—daniela-bleymehl-karriere-ende-ohne-abschluss-v1,bleymehl-karriereende-100.html



