Kultur

Computerspiel erweckt Hanauer Judengasse zum Leben

Computerspiel erweckt Hanauer Judengasse zum Leben

Judengasse und Synagoge: Ein neues Computerspiel soll jüdisches Leben um 1900 nahbar und erlebbar machen – und das direkt aus Sicht von Jugendlichen. Bei der Entwicklung von „Echoes of Hanau“ packen Hanauer Schülerinnen und Schüler selbst mit an.


„Echoes of Hanau“ – Hauptcharakter Karl in der Judengasse
Bild © © Echoes of Hanau / MAKERS e.V.


Eine alte Straße, die längst aus dem Stadtbild verschwunden ist, erwacht zu neuem Leben. Im Computerspiel „Echoes of Hanau“ tauchen Spielerinnen und Spieler in die Hanauer Judengasse um das Jahr 1900 ein. Sie erkunden historische Gebäude, sprechen mit Anwohnern und lösen Rätsel.

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03:52 Min.
||Natascha Pflaumbaum

Bild © hessenschau.de|
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Wie ein Sherlock-Holmes-Adventure

Im Mittelpunkt des Spiels steht der 15-jährige Karl, der um 1900 neu nach Hanau kommt. Durch seine Augen entdecken die Spieler die Judengasse Haus für Haus. Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau, hatte die Idee zu diesem Projekt. Er vergleicht das Spiel mit einer Art Sherlock-Holmes-Adventure, bei dem man Karl beim Lösen der Quests über die Schulter schaut. Die Geschichte ist fiktiv, basiert aber auf realen historischen Vorlagen, auf Archivfunden und echten Biografien.

Das Bild zeigt Karl, den Hauptcharakter des Computerspiels "Echoes of Hanau". Es zeigt ihn als historisch gekleideten Jugendlichen, mit Schiebermütze, Weste und hochgeschlossenem Hemd. Die dramatische Beleuchtung und der große Schatten hinter ihm geben der Figur etwas Filmisches und leicht Unheimliches.


Karl – Hauptcharakter des Computerspiels „Echoes of Hanau“
Bild © © Echoes of Hanau / MAKERS e.V.


Für Oliver Dainow ist klar, dass es neue Wege braucht, um Wissen über jüdisches Leben zu vermitteln. Gaming sei dafür der ideale Zugang. „Spieler können sich nicht nur mit dem Thema beschäftigen, sondern selbst spielen, programmieren und sich mit Game Design auseinandersetzen.“

Jüdisches Leben vor der Katastrophe zeigen

Finanziell gefördert wird das Projekt vom Antisemitismusbeauftragten der Hessischen Landesregierung, Uwe Becker. Hessen stellt dafür 18.000 Euro zur Verfügung. Für Becker liegt die Stärke des Spiels darin, dass man direkt in die Vergangenheit eintauchen kann. „Plötzlich ist man vor Ort vor der Synagoge, spricht mit Menschen, tauscht sich aus.“

Wichtig ist ihm dabei, dass jüdische Geschichte nicht erst bei der Verfolgung und Vernichtung beginnt. Das Spiel zeigt, „wie aktiv, wie engagiert, wie toll, wie wild jüdisches Leben war“ – lange bevor die Nationalsozialisten es zerstörten.

Zu sehen ist eine Szene aus dem Computerspiel „Echoes of Hanau“. Die Handlung führt durch die historische Hanauer Judengasse um 1900; im Mittelpunkt steht der 15-jährige Karl. Karl, die Hauptfigur des Spiels, steht auf einer historischen Kopfsteinpflasterstraße in Hanau. Er trägt eine dunkle Schiebermütze, eine Weste und ein helles, hochgeschlossenes Hemd. Vor ihm steht ein bärtiger Mann mit dem Rücken zur Kamera. Eine eingeblendete Dialogzeile nennt ihn „Herr Wagner“. Im Hintergrund stehen historische Häuser und einige Menschen. Tief stehendes Sonnenlicht taucht die Straße in warmes, goldenes Licht.


„Echoes of Hanau“ – Hauptcharakter Karl mit Wagner im Dialog
Bild © © Echoes of Hanau / MAKERS e.V.


Schüler forschen im Stadtarchiv

Echoes of Hanau ist ein Spiel mit einem besonderen Ansatz: Jugendliche ab zwölf Jahren können nicht nur spielen, sondern das Spiel selbst mit dem Spiele-Entwickler Nils Hachmeister von Makers e.V. mitgestalten.

Makers ist ein Verein zur Jugendförderung in Hanau. Schülerinnen und Schüler der Hanauer Eugen-Kaiser-Schule sowie der Karl-Rehbein-Schule tüfteln bereits an der Ausgestaltung des ersten Spiellevels. Erste Korrekturen am Spiel musste Hachmeister schon aufnehmen: Der Charakter Karl soll Locken bekommen.

Die Schülerinnen und Schüler recherchieren im Hanauer Stadtarchiv und arbeiten mit lokalen Historikern zusammen. Sie gestalten Inhalte und unterstützen beim Game Design. Für die Entwicklung der nächsten Level ist die Zusammenarbeit mit weiteren Hanauer Schulen schon angefragt. Für den Medien-Designer Nils Hachmeister ist genau das entscheidend. Je enger die Entwickler an der Lebenswelt der Jugendlichen dran sind, desto authentischer wirkt das Spiel am Ende.

Zu sehen ist ein bärtiger Mann in historischer Kleidung. Es ist der Wagenmacher, der Wagner, aus dem Computerspiel "Echoes of Hanau". Er trägt ein helles Hemd, eine dunkle Weste und darüber eine helle blaue Schürze. Der Man trägt einen markanten, langen Bart und einen gezwirbelten Schnurrbart. Er steht in einer historischen, eng bebauten Gasse mit Kopfsteinpflaster neben der alten Synagoge in Hanau. Neben einem Hauseingang sitzt ein kleiner brauner Schäferhund. Im Hintergrund sind ein Holzrad, ein Stuhl und weitere historische Gebäude zu sehen. Die tief stehende Sonne beleuchtet das Gesicht und die Hausfassaden warm und golden.


Computerspiel „Echoes of Hanau“ – Nebencharakter Wagner vor der alten Synagoge
Bild © © Echoes of Hanau / MAKERS e.V.


Leben von 1603 bis zur Pogromnacht 1938 abbilden

Für die Rekonstruktion der Fassaden, Höfe und der damaligen Synagoge haben die Macher des Spiels historische Karten und alte Fotografien ausgewertet. Der erste Spiellevel startet mit einer Geschichte um das Jahr 1900. Sollten die Entwickler genug Fördergeld zusammenbekommen, möchten sie weitere Spiellevel hinzufügen. Ziel ist es, das jüdische Leben in Hanau von 1603 bis 1938 abzubilden.

Das erste Spiellevel von Echoes of Hanau wird im November 2026 auf dem Portal Steam erscheinen. Die Spieldauer beträgt etwa eine Stunde. Weitere Level mit zwei bis drei Stunden Spielzeit sollen folgen. Denn für Spiele-Entwickler Nils Hachmeister ist Echoes of Hanau ein „Herzensprojekt“.

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/computerspiel-erweckt-hanauer-judengasse-zum-leben-v1,hanau-computerspiel-100.html

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