Ein 33-Jähriger, der vor einer Gießener Synagoge Altpapiercontainer angezündet hat, muss in ein psychiatrisches Krankenhaus. Auslöser für die Tat ist nach Ansicht des Landgerichts nicht Antisemitismus gewesen.
Der Angeklagte hatte die Altpapiercontainer vor den Eingang der Synagoge in Gießen geschoben und angezündet.
Bild © Jüdische Gemeinde Gießen
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00:40 Min.||Lena Lachnit
Weil er vor einer Synagoge in Gießen mehrere Rollcontainer angezündet haben soll, muss ein 33 Jahre alter Mann auf unbestimmte Zeit in ein psychiatrisches Krankenhaus. Das hat das Landgericht Gießen am Montag entschieden.
Laut Urteilsbegründung leidet der 33-Jährige seit mehreren Jahren unter einer Schizophrenie, die nie richtig behandelt worden sei. Deswegen wäre der Angeklagte immer wieder auffällig geworden und habe Gebäude und Objekte beschädigt.
Eine antisemitische Einstellung konnte dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden. Nach Ansicht eines Gerichtspsychologe sei es Zufall gewesen, dass die Tat vor der Synagoge stattgefunden habe.
Angeklagter bestreitet Verwenden von Hitlergruß
Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann schwere Brandstiftung und die Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen vorgeworfen. Konkret soll er während der Tat in Gießen einen Hitlergruß gezeigt haben.
Der 33-Jährige hatte schon am ersten Prozesstag einen Teil der Vorwürfe eingeräumt. Er gestand unter anderem, am Abend des 13. Januar dieses Jahres drei Rollcontainer mit Altpapier vor das Eingangstor der Beith-Jaakov-Synagoge in Gießen geschoben sowie das Papier angezündet zu haben.
Dass es sich dabei um eine Synagoge gehandelt habe, will er zum Tatzeitpunkt nicht gewusst haben. Er bestritt zudem das Verwenden des Hitlergrußes.
Auch mit anderen Taten aufgefallen
Neben dem Fall aus Gießen waren außerdem mehrere Taten mitangeklagt, die der Mann am 30. Oktober in seiner ehemaligen Heimatstadt Betzdorf (Rheinland-Pfalz) begangen haben soll.
Hier soll er laut Anklageschrift zwei Autoscheiben eingeschlagen, das Gebäude einer Versicherung beschmiert und unter falschem Namen einen Notruf abgesetzt haben, der einen größeren Feuerwehreinsatz auslöste.
30.000 Euro Sachschaden angerichtet
Durch das Feuer an der Synagoge war laut der Staatsanwaltschaft ein Sachschaden in Höhe von rund 30.000 Euro entstanden, verletzt wurde niemand.
Beschädigt wurden in erster Linie das Eingangstor und der Rollladen im ersten Stock, hinter denen sich unter anderem Bibliothek, Küche und Wohnräume für Studierende befinden.
Polizei bewacht Synagoge
In Gießen war nach der Tat von einem Brandanschlag die Rede gewesen, auch eine Solidaritätsdemonstration wurde veranstaltet.
Die jüdische Gemeinde in Gießen hat rund 300 Mitglieder. Seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und den anschließenden Kriegshandlungen berichten diese über eine zunehmende antisemitische Stimmung. Vor der Synagoge steht zu deren Schutz fast täglich ein Polizeiauto.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/nach-brandstiftung-an-synagoge-in-giessen-angeklagter-muss-in-psychiatrie-v1,brandstiftung-synagoge-giessen-100.html



