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Begräbniskirche in Frankfurt: Das ist Hessens erster „Friedhof mit Dach“

Begräbniskirche in Frankfurt: Das ist Hessens erster „Friedhof mit Dach“

Immer weniger Menschen gehen in die Kirche, zugleich verändert sich die Trauerkultur. In Frankfurt hat ein Kirchenhaus deshalb eine neue Bestimmung bekommen: als überdachter Friedhof für Urnen – auch für Nicht-Christen.

Begräbniskirche in Frankfurt: Das ist Hessens erster „Friedhof mit Dach“


Die Begräbniskirche in Frankfurt mit Urnen-Plätzen.
Bild © picture-alliance/dpa Peter Juelich (Jülich)


Wo früher regelmäßig Gottesdienste gefeiert wurden, steht jetzt Hessens erste Begräbniskirche für Urnen: Die ehemalige katholische Gemeindekirche „Sankt Michael“ in Frankfurt ist zu einem besonderen Friedhof umgebaut worden. Hier finden 2.510 Urnen Platz, elf Bestattungen haben bereits stattgefunden.

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00:54 Min.
|Marcel Sommer

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Das umgestaltete Kirchenhaus ist eine Antwort auf eine veränderte Trauerkultur, wie Susanne Gorges-Braunwarth vom Bistum Limburg am Dienstag bei der Vorstellung der Urnenkirche berichtete. „Das hängt damit zusammen, dass immer mehr Menschen alleine leben oder Angehörige oft weit weg sind.“

Viele Familien wünschten sich pflegearme Bestattungen, sagte Gorges-Braunwarth der hessenschau. „Es ist ein pflegearmer, aber ästhetisch sehr würdiger Ort, der mitten in der Stadt den Tod ins Leben zurückholt.“

Mehr als 80 Prozent Feuerbestattungen

Laut des Bundesverbands Deutscher Bestatter werden hierzulande inzwischen mehr als 80 Prozent der Verstorbenen feuerbestattet. Lange Zeit war die Erdbestattung der Regelfall in Deutschland. Trauerfeiern fanden meist in Kirchen oder Friedhofskapellen statt, anschließend wurde der Sarg auf dem Friedhof beigesetzt.

Blick auf den Backsteinturm der Begräbniskirche St. Michael, eingerahmt von alten Bäumen.


Die Kirche „St. Michael“ im Frankfurter Nordend.
Bild © Anne-Katrin Hochstrat (hr)


„Dieses Bild hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten spürbar verändert“, heißt es im Bestattungsreport 2026. Kirchliche Bindungen hätten an Bedeutung verloren, zugleich seien die Wünsche vielfältiger geworden und „alternative Formen der Trauer und des Gedenkens“ hätten sich etabliert.

Die Kirche im Frankfurter Nordend gilt offiziell als Friedhof mit einer entsprechenden Friedhofsverordnung – eine Gebührenordnung gibt es natürlich auch: Ein Urnenplatz für 15 Jahre kostet 2.900 Euro. Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es 400 Plätze für 1.800 Euro. Wer sich bereits zu Lebzeiten einen Urnenplatz sichern möchte, zahlt für die Reservierung pro Jahr 195 Euro.

„Offener Ort“ unabhängig von Religion und Konfession

Beisetzung, Abschied und Erinnerung: Das Bistum Limburg versteht die Begräbniskirche als geschützten Raum für Trauernde und Angehörige. Obwohl der Trauerort ein katholisches Gotteshaus bleibt, soll hier jeder willkommen sein.

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Die Begräbniskirche ist zugleich ein sogenanntes Kolumbarium: In ihren Wänden befinden sich Kammern für die Beisetzung von Urnen.

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Bestattet werden können nicht nur Katholiken – die Begräbniskirche steht Menschen aller Glaubensrichtungen offen. „Unabhängig von Religion und Konfession ist das ein offener Ort für Menschen, die sich hier beisetzen lassen möchten“, betonte Gorges-Braunwarth vom Bistum Limburg.

Für eine Bestattung gibt es jedoch die Vorgabe, dass sie nicht anonym stattfindet – Urnen ohne Namen gibt es hier also nicht. Gorges-Braunwarth erläuterte: „Für uns Christen und Christinnen ist es wichtig zu wissen: Wir sind einmalig – und das drückt sich in unserem Namen aus.“

Umbaukosten von 3,5 Millionen Euro

Das Gotteshaus wurde in der Nachkriegszeit als Gemeindekirche errichtet, 2007 zog dort das „Zentrum für Trauerseelsorge“ ein. In den vergangenen zwei Jahren hat das Bistum Limburg das denkmalgeschützte Gebäude für 3,5 Millionen Euro zur Begräbniskirche umgebaut. Das Bistum spricht von einer „neuen Bestimmung“.

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Die offizielle Eröffnung als Urnenbegräbniskirche verzögerte sich, in der kommenden Woche (Mittwoch, 30. September) soll es aber soweit sein: zum Programm.

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Die sogenannten Urnenwände bilden das Herzstück des barrierefrei gestalteten Gebäudes: Da, wo einst die Kirchenbänke standen, ist nun Platz für die Urnen samt Namensplatten.

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Die Grabplätze sind hinter geriffeltem Glas in Pastellfarben angeleuchtet. Wer möchte, kann die Ruhestätte mit einer Blume schmücken. Insgesamt gibt es zwölf halbkreisförmige Wände mit Urnenplätzen, die Bereiche tragen Namen wie „Liebe“, „Vertrauen“ und „Weisheit“.

Präsenz für trauernde Menschen

Nach Angaben des Bistums gibt es deutschlandweit bereits rund 50 Urnenkirchen – eine davon steht jetzt in Frankfurt. Der „Friedhof mit einem Dach“ sei ein geschützter Raum, sagte die Frankfurter Trauerseelsorgerin Verena Maria Kitz im hr-Gespräch über das Konzept. „Es sind Menschen hier, die zuhören und tröstlich für Trauernde präsent sind.

Person im Innenraum der Begräbniskirche St. Michael.


Trauerseelsorgerin vor Ort: Verena Maria Kitz
Bild © picture-alliance/dpa Peter Juelich (Jülich)


Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/begraebniskirche-in-frankfurt-das-ist-hessens-erster-friedhof-mit-dach-v1,urnenkirche-frankfurt-100.html

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