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Stillen in der Öffentlichkeit: Diese Frauen wollen sich nicht verstecken

Stillen in der Öffentlichkeit: Diese Frauen wollen sich nicht verstecken

Sie werden angestarrt, unangenehm angesprochen oder sogar bedrängt: Übergriffe beim Stillen in der Öffentlichkeit gehören für viele Mütter zum Alltag. Eine Foto-Aktion soll darauf aufmerksam machen – auch in Hessen.

Drei Mütter stehen in einer Fußgängerzone. Sie halten ihre Babies auf dem Arm, stillen sie und schauen in die Kamera.


Drei Mütter stillen in der Gießener Fußgängerzone.
Bild © Tobias Weiler-Mattes (hr)


Ihr drei Wochen altes Baby hat Hunger. Also setzt sich die 27-jährige Christine Winkler Mitte September auf einen Mauer-Vorsprung in einer Nebengasse am Frankfurter Römerberg, um in Ruhe stillen zu können. Doch daraus wird nichts, wie sie der hessenschau erzählt: „Ein Mann kam sehr nah an mich ran, hat mich angesprochen, und ich habe mich von ihm belästigt gefühlt.“

Winkler schaltet ihre Video-Brille an, fordert den Mann auf, sie in Ruhe zu lassen. Doch er bedrängt sie weiter. Laut Polizei steht er zu dem Zeitpunkt unter Drogeneinfluss. Winkler nimmt ihre Tochter und geht. Später lädt sie das Video bei Social Media hoch. Sie sagt: „Mir war es total wichtig, dass wir öffentlich darüber reden, was Mütter alles durchmachen.“

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Video

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Christine wurde beim Stillen belästigt

Chistine mit ihrem Kind auf dem Arm

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Foto-Aktion „Ich still, wo ich will“

Belästigungen beim Stillen sind der hessischen Polizei aus den vergangenen zwei Jahren nur in Einzelfällen bekannt. Spricht man aber mit stillenden Müttern aus Hessen, wird klar: Verbale Übergriffe gibt es oft.  

Für Schlagzeilen sorgte im Mai ein Vorfall in Saarbrücken: Dort hatte ein Sicherheitsmitarbeiter eine stillende Mutter aus einem Einkaufszentrum verwiesen. Der Fall löste bei vielen Frauen Unverständnis aus – und brachte eine Welle auf Social Media ins Rollen. Unter dem Hashtag „Ich still, wo ich will“ zeigen Frauen in ganz Deutschland Fotos von sich beim Stillen in der Öffentlichkeit. Die Aktion soll „das Stillen aus der Tabuzone“ holen, wie die Initiatorinnen schreiben.

Eine Frau steht auf dem Frankfurter Römerberg. Sie stillt ihr Baby in einer Trage und schaut freundlich in die Kamera.


Christine Winkler mit ihrem Baby auf dem Frankfurter Römerberg.
Bild © Tom Jeffers


Hessische Mütter berichten von Übergriffen

Auch die Gießener Fotografin Marejke Becker trifft sich momentan regelmäßig mit Müttern. Die Frauen stillen ihre Babys bewusst an öffentlichen Orten wie den Skulpturen der „Drei Schwätzer“ oder im Museum für Gießen. Die 31-Jährige macht davon Fotos und veröffentlicht sie bei Instagram.

Ines Petersmeier lässt sich in Gießen fotografieren, ihren sieben Monate alten Sohn Sirius Aron an der Brust. Beim Stillen im Restaurant habe ein Mann sie einmal aufgefordert, dafür auf die Toilette zu gehen, erzählt die 29-Jährige: „Ich habe ihn freundlich gefragt, ob er nicht selbst mit seinem Schnitzel auf die Toilette gehen möchte.“

Negative Erlebnisse beim Stillen in der Öffentlichkeit kennt auch Laura Zutt, die mit Tochter Mira zum Foto-Shooting in der Gießener Innenstadt gekommen ist. Leute hätten sie schon gefragt, ob sie „auch mal ran“ könnten, berichtet die 37-Jährige. Andere hätten sie beim Stillen begafft. 

Eine Frau hat eine Fotokamera in der Hand. Sie hält die Kamera vor ihr Gesicht, schaut durch den Sucher und macht Fotos.


Marejke Becker fotografiert stillende Mütter in der Gießener Innenstadt.
Bild © Tobias Weiler-Mattes


Städte bieten Stillräume an

Schutz vor solchen Übergriffen bieten öffentliche Stillräume, in denen Mütter Ruhe haben. Davon gibt es in Hessens Städten unterschiedlich viele. Die Stadt Kassel etwa hat eine interaktive Karte mit 70 Stillorten erstellt. In Gießen und Marburg gibt es nach Angaben der Städte jeweils rund 20 Stillorte. In Wiesbaden sind es zwölf. In Offenbach, Frankfurt und Darmstadt liegen die Zahlen jeweils im einstelligen Bereich. 

Audiobeitrag


Audio

03:03 Min.
|Tobias Weiler-Mattes

Bild © hessenschau.de|
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Fotografin Marejke Becker, die selbst drei Kinder hat, geht es aber eher darum, dass sie sich fürs Stillen nicht zurückziehen will. Die 31-Jährige möchte immer und überall stillen können. „Weil mein Kind Hunger hat und ich nicht Rücksicht nehmen möchte auf irgendjemanden, der sagt: Nein, das ist für mich unpassend.“ Deshalb beteiligt sie sich an der Aktion „Ich still, wo ich will“.

Christine Winkler, die in Frankfurt belästigt wurde, will in Zukunft sogar nur noch dort stillen, wo sich besonders viele Menschen aufhalten: „Weil ich so keine Angst haben muss, dass irgendjemand heimlich auf mich zukommt und ich wehrlos bin.“ 

Weitere Informationen

Weltstillwoche 2026

Vom 28. September bis 4. Oktober findet die Weltstillwoche 2026 statt. Kliniken, Verbände, Hebammen und Beratungsstellen rufen bundesweit zu Aktionen auf. 
 
In Darmstadt etwa bietet das Familienzentrum einen Online-Stillvorbereitungskurs an. Im Stillcafé können sich Mütter über das Stillen austauschen. Auch in Marburg gibt es unter anderem einen Online-Stillvorbereitungskurs sowie Telefonsprechstunden rund ums Stillen.

Ende der weiteren Informationen

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/stillen-in-der-oeffentlichkeit-diese-frauen-wollen-sich-nicht-verstecken-v2,stillende-muetter-100.html

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