In einem Naturschutzgebiet in Albanien soll ein Luxusresort gebaut werden, das mit der Familie von US-Präsident Trump in Verbindung steht. Das Projekt hat eine Protestwelle ausgelöst, bei der es mittlerweile um mehr geht als Naturschutz. Auch in Hessen wird demonstriert.

Laura Pohumi ist Mitorganisatorin der „Flamingos-of-Frankfurt“-Proteste. Im Hintergrund die großen Proteste in Tirana.
Bild © IMAGO / JNA Press, IMAGO / Anadolu Agency, Collage: hessenschau.de
Etwa 30 Demonstrierende treffen sich an einem Sonntag im September unter dem Vordach eines Geschäfts an der Konstablerwache in Frankfurt. Sie halten Schilder hoch mit Aufschriften wie „Protect Albania“ oder „Investitionen für die Bürger, nicht für Oligarchen!“
Sie sind Teil der „Flamingos of Frankfurt“, dem hessischen Ableger der großen Flamingo-Proteste in Albanien. Die meisten Teilnehmenden gehören zur albanischen Diaspora. Allein in Hessen leben mehr als 11.000 Albanerinnen und Albaner.
Diese Diaspora-Protestgruppen gibt es überall in Europa. In London, Berlin und Wien protestieren gleichzeitig auch andere Flamingo-Gruppen, die per Videocall auf einem Bildschirm dazugeschaltet sind.
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Von Frankfurt nach Tirana
Seit etwa vier Monaten treffen sich die Flamingos of Frankfurt wöchentlich zum Protest. Außerdem organisieren sie mit anderen Flamingo-Gruppen Fahrten nach Albanien, um dort die großen Proteste zu unterstützen.
Eine davon ist die 25-jährige Laura Pohumi. Sie lebt seit sechs Jahren in Deutschland und ist Mitorganisatorin der Proteste in Frankfurt. „Ich habe viele Freundinnen und Freunde, die jeden Tag im Protest sind und auch nicht stoppen werden. Das macht mich sehr stolz“, erklärt sie bei der Kundgebung. „Wir möchten einfach, dass unsere Stimme als Albaner und Albanerinnen in der ganzen Welt gehört wird.“

Laura Pohumi singt zusammen mit den anderen Protestierenden die albanische Nationalhymne.
Bild © hr
Größte Protestwelle seit Jahrzehnten
Die Herzkammer der Proteste ist weiterhin die albanische Hauptstadt Tirana. Dort gehen die Menschen seit etwa vier Monaten jeden Tag auf die Straße und protestieren gegen ihre Regierung. Zeitweise nehmen Zehntausende an diesen Protesten teil.
Angefangen hat alles im Mai an einem Strandabschnitt in Zvërnec im Südwesten Albaniens. Dort und auf der gegenüberliegenden Insel Sazan sollen Luxusresorts gebaut werden. Die Kosten werden nach Medienberichten auf rund vier Milliarden Euro geschätzt.
Ein Teil der geplanten Resorts liegt inmitten eines Naturschutzgebiets, in dem unter anderem Flamingos heimisch sind. Daher kommt der Name der Bewegung: Flamingo-Proteste. Manche sprechen sogar von einer „Flamingo-Revolution“.

Zeitweise gingen zehntausende Menschen in Albaniens Hauptstadt Tirana auf die Straße.
Bild © IMAGO / JNA Press
„Wem gehört Albanien?“
Ursprünglich als Umweltprotest gestartet, sind die Flamingo-Proteste heute eine der größten regierungskritischen Bewegungen, die es in Albanien jemals gab.
„Es geht längst nicht mehr nur um Flamingos, ein Naturschutzgebiet oder ein Luxusresort“, erklärt Andreas Bachmann, Leiter des ARD-Studios Südosteuropa. „Es geht um die Frage: Wem gehört Albanien – den Bürgerinnen und Bürgern oder Investoren mit guten Kontakten zur politischen Elite?“
Bauprojekt mit prominenter Beteiligung
Dass dieses Projekt eine so enorme politische Sprengkraft hat, liegt wohl auch an einem prominenten Investor, der genau diese Kontakte zur politischen Elite haben dürfte: Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Gemeinsam mit seiner Frau Ivanka Trump, die sich öffentlich für das Vorhaben ausgesprochen hat, steht Kushner im Fokus der Kritik.
Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, hat eine mit ihm verbundene Investmentfirma von albanischen Behörden den Status eines „strategischen Investors“ erhalten. Das bedeutet zum Beispiel schnellere Genehmigungsverfahren für Bauprojekte.

So soll die albanische Adriaküste nach den Plänen der Investoren in Zukunft aussehen. Den Entwurf postete Jared Kushner auf Instagram.
Bild © Instagram / jaredckushner
Albaner befürchten „Ausverkauf“ des Landes
Viele Albanerinnen und Albaner hätten das Gefühl, dass ihre Regierung nicht im Sinne der Bevölkerung handelt und nur an persönlicher Bereicherung interessiert ist, sagt Demonstrantin Laura Pohumi. „Die Leute, die für diese Regierung arbeiten, möchten nicht, dass wir ein Land mit Regeln sind. Sie möchten nur viel Geld verdienen, egal, wo es herkommt.“
Die Kritik an Premierminister Edi Rama und der politischen Führung im Land ist nicht neu. Die Demonstrierenden beklagen gewissermaßen einen Ausverkauf ihres Landes. Deshalb lautet die zentrale Parole der Proteste auch: „Albania is not for sale“ – „Albanien ist nicht zu verkaufen.“
Kein Ende der Proteste in Sicht
Ein Ende der Flamingo-Proteste ist aktuell nicht absehbar. Die albanische Regierung ist laut ARD-Korrespondent Bachmann entschlossen, dieses und perspektivisch auch noch weitere Projekte umzusetzen: „Edi Rama sieht in großen internationalen Investitionen sozusagen sein Modernisierungsprogramm für Albanien.“ Er wolle zeigen, dass Albanien offen für große Investoren ist und nicht jedes Projekt bei Protesten stoppen wird.
Die Demonstrierenden wirken entschlossen. In Frankfurt antwortet Laura Pohumi auf die Frage, wie lange es noch weitergehen könnte: „Wir stoppen erst, wenn Edi Rama als Premierminister zurücktritt.“
Sendung:
hessenschau auf YouTube, Flamingo-Proteste in Frankfurt – wieso Albaner demonstrieren,
Quelle: hessenschau.de
Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/flamingo-revolution-albaner-demonstrieren-auch-in-hessen-gegen-trump-familie-v1,albanien-proteste-100.html

