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Deutscher Schulpreis: Die beste Schule Deutschlands steht in Mörfelden-Walldorf

Deutscher Schulpreis: Die beste Schule Deutschlands steht in Mörfelden-Walldorf

Die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule aus Mörfelden-Walldorf hat den renommierten Deutschen Schulpreis gewonnen – und damit sehr viel Geld. Sie biete jedem eine Perspektive, lobt die Jury. Auch ein Gymnasium aus Bruchköbel wurde ausgezeichnet.

Emily zeichnet vorsichtig die letzten Solar-Panele auf die Dächer ihrer Stadt aus Karton. Drei Monate lang hat die Achtklässlerin der Bertha-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf (Groß-Gerau) an ihrer Vision der Stadt der Zukunft gearbeitet, mehrmals pro Woche im Projektunterricht. Dieser steht fest im Stundenplan und verschmilzt die Fächer Geschichte, Politik und Geografie. Und: Die Schülerinnen und Schüler dürfen ihn selbst organisiert gestalten.

Emily kommt dieses Arbeiten entgegen, wie sie sagt: „Ich kann mich direkt im Unterricht nicht mehr konzentrieren.“ Im projektorientierten Arbeiten sei das anders, weil sie sich auf sich selbst und ihr Team verlassen müsse.

Lehrerin: Jedes Kind bestmöglich fördern

Trotzdem ist die Lehrerin für die Projektgruppen immer da. Das Aneignen von Wissen soll gemeinsam möglich sein, in sogenannten Lernsprints. In der anschließenden Teamarbeit sind den Mittelstufen-Schülern die Methodik und der inhaltliche Schwerpunkt freigestellt.

Die einen arbeiten wie Emily mit Schere und Papier. Mitschülerinnen von ihr haben ihre Vision mit einem Tablet als Computerspiel programmiert.

Das Ziel ist für Lehrerin Faiza Bouhmara dabei, „dass wir jedes Kind versuchen zu sehen und in seinem Rahmen so zu fördern, dass das Kind die bestmögliche Performance leisten kann“. Für sie ist es genau das, was „die Bertha“ ausmacht, wie jeder hier die Schule nennt, die mit über 2.000 Schülerinnen und Schülern und rund 250 Lehrkräften eine der größten Gesamtschulen Hessens ist.

Videobeitrag

Eine Schülerin schaut in eine Reagenzglas

Bild © hr


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Jury: Niemand bleibt ohne Perspektive

Genau diese Einstellung hat die 50-köpfige Jury des Deutschen Schulpreises von der Bertha-von-Suttner-Schule besonders überzeugt. „Die Schule hilft ihren Schüler:innen, von denen eine Mehrheit in prekären Verhältnissen aufwächst, ihre Potenziale bestmöglich auszuschöpfen“, heißt es in der Begründung für die Vergabe des wichtigsten Schulpreises hierzulande.

Denn der renommierte und mit 100.000 Euro dotierte Hauptpreis des Deutschen Schulpreises geht in diesem Jahr nach Mörfelden-Walldorf, wie die Jury am Dienstagvormittag bekanntgab. Weiter begründet sie ihre Wahl: „Niemand verlässt ‚die Bertha‘ – wie sie von allen genannt wird – ohne Perspektive.“

Weitere Informationen

Deutscher Schulpreis

Der Preis gilt als renommierteste Auszeichnung für Schulen in Deutschland und wird jedes Jahr von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung vergeben. Die Jury hat aus 87 Bewerbungen von Schulen aus ganz Deutschland am Ende die sieben besten Schulen identifiziert.

Entscheidend dabei ist insbesondere die Unterrichtsqualität. Bewertet wird auch, was die Schulen in folgenden Kategorien erreichen: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Verantwortung, Schulleben und Netzwerke sowie Lernende Schule.

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Schüler: Lehrer fördern und kümmern sich

Einer der Schüler, der sich an der Gesamtschule in Mörfelden-Walldorf besonders wohlfühlt, ist der Abiturient Firat. Er ist mit einer Vertretung aus Schulleitung, Lehrerkollegium und Schülern für die Preisübergabe am Dienstag nach Berlin gefahren.

Für Firat ist die Bertha-von Suttner-Schule trotz ihrer Größe ein sehr persönlicher Ort, wie er hessenschau erzählt. Das sei ihm vor allem aufgefallen, nachdem er zunächst eine andere Schule besucht habe. „Dann hab‘ ich gemerkt, dass die Lehrer hier einen viel mehr fördern, sich mehr kümmern“, erzählt er und fügt mit einer kurzen Pause hinzu: „Deswegen bin ich auch da, wo ich heute stehe.“ Nämlich kurz vor dem Abitur.

Schulleiterin: Den Unterschied machen

Um das möglich zu machen, arbeitet die Bertha-von-Suttner-Schule mit flachen Hierarchien, das macht Schulleiterin Ute Zeller deutlich. Sogenannte Hauslehrer sollen zusätzlich zu den Klassenlehrern Schülerinnen und Schüler besonders eng begleiten. Dieses System soll helfen, dass frühzeitig erkannt wird, wenn es Kindern und Jugendlichen nicht gut geht.

„Das Schulsystem in diesem Land ist leider noch darauf ausgelegt, hauptsächlich erst dann einzugreifen, wenn das Kind auf dem Brunnenrand sitzt“, kritisiert Ute Zeller: „Aber unsere Aufgabe als Lehrkräfte ist es doch, den Unterschied zu machen.“ Sie meint damit: Jedem Kind das zu geben, was es braucht.

Schuleigene KI unterstützt individuell

Auch die schuleigene Künstliche Intelligenz hilft dabei, Schülerinnen und Schüler an „der Bertha“ individuell zu fördern. Wie genau, zeigt die 14 Jahre alte Sophia im Chemieunterricht, wo sie gerade einen Versuch durchführt.

Die Aufgabe und alle Anweisungen dazu findet Sophia in ihrem Tablet und verfolgt sie Schritt für Schritt. Hat sie Fragen, kann sie diese der KI stellen. Dort reicht sie am Schluss auch ihre Ergebnisse ein. „Dann kontrolliert die das, und wir bekommen den Code, um weiter zum nächsten Abschnitt zu kommen“, erklärt Sophia.

Die KI helfe dabei, das Lernniveau jedes einzelnen Schülers im Blick zu behalten, sagt Jan Krug aus dem erweiterten Schulleitungsteam: „Wenn die KI rausfindet, dass du zwar multiplizieren, aber nicht bruchrechnen kannst, gibt sie dir automatisch digital noch mal einen Lernweg zum Thema Bruchrechnen mit.“ Die letzte Entscheidung über die Lernziele liege aber immer beim Lehrer.

Bewerbungsprozess hat zu neuer Entwicklung geführt

Das ist eine der Ideen, mit der die Bertha-von-Suttner-Schule im vergangenen Jahr schon den Deutschen KI-Preis bekommen hat und die auch die diesjährige Jury des Deutschen Schulpreises überzeugt hat. Dabei habe die Schule immer wieder gewartet, sich beim Deutschen Schulpreis zu bewerben, sagt Jan Krug, „bis wir irgendwann gemerkt haben: Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt, Schule ist immer im Wandel.“

Krug hat mit seinen Kollegen eine zehnseitige Bewerbung geschrieben, Interviews geführt und schließlich die Schule in Mörfelden-Walldorf zwei Tage lang für Jurymitglieder geöffnet. „Allein durch den Bewerbungsprozess sind wir noch mal einen Riesenschritt in der Schulentwicklung weitergekommen“, findet Krug.

Wofür die Schule die 100.000 Euro Preisgeld verwenden will, stehe noch nicht fest, sagt Schulleiterin Ute Zeller. Klar sei, dass das für die Schulgemeinschaft tatsächlich sehr viel Geld sei.

Oberstufengymnasium aus Bruchköbel: Wertschätzendes Lernen

Besonders lobende Worte findet die Schulpreis-Jury auch für eine andere hessische Schule: das Georg-Christoph-Lichtenberg-Oberstufengymnasium in Bruchköbel (Main-Kinzig). Dort gehen rund 660 Jugendliche zur Schule.

Diese Schule zeige beispielhaft, „wie qualitätsvolles und wertschätzendes Lernen in der gymnasialen Oberstufe gelingen kann“, lobt die Jury. Das Burchköbeler Gymnasium gewinnt einen von sechs mit jeweils 30.000 Euro dotierten Preisen des diesjährigen Deutschen Schulpreises.

„Die Schule richtet ihr Handeln konsequent an den Bedürfnissen der Jugendlichen aus“, findet das Fachgremium des Deutschen Schulpreises. Zwölftklässlerin Ilen kann das bestätigen. „Jeder einzelne Lehrer fragt immer vorher, ob wir Schüler Ideen haben, wie wir den Unterricht gestalten können, wie es uns denn besser gefällt“, erzählt sie. Das habe sie so vorher nicht von einer Schule erwartet.

Lehrerin: Einstellung zu selbstorganisiertem Lernen vermitteln

Lehrerin Lena Possel versucht die Schülerinnen und Schüler zu bestärken, selbstbewusst ans Lernen heranzugehen, etwa mit dem Projekt „Go and Grow“, das eine besondere Einstellung zum selbstorganisierten Lernen vermitteln soll. „Man kann etwas noch nicht“, erklärt Possel – mit Betonung auf noch. „Das wollen wir nicht nur vorleben, sondern den Schülern bewusst machen“, sagt die Lehrerin. Jeder Fehler sei nur ein Hindernis auf dem Weg zu einem neuen Ziel, das überwunden werden könne.

Noch besser werden zu können, das war auch die Motivation der Schulleiterin Angela Kirchhoff für die Bewerbung beim Deutschen Schulpreis. Sie freut sich: „Wir sind jetzt ganz positiv überrascht, dass wir so weit gekommen sind mit dem, wie wir alltäglich arbeiten.“ Was für Kirchhoff normal erscheint, ist für die Jury „ein lebendiges Beispiel dafür, dass Bildung nicht nur über Inhalte, sondern auch über Beziehungen, Vertrauen und gemeinsame Verantwortung gelingt“.

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/deutscher-schulpreis-die-beste-schule-deutschlands-steht-in-moerfelden-walldorf-v1,deutscher-schulpreis-100.html

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