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Asklepios schließt Geburtshilfe in Schwalmstadt: „Nicht der letzte Kreißsaal, der zumacht“

Asklepios schließt Geburtshilfe in Schwalmstadt: „Nicht der letzte Kreißsaal, der zumacht“

Das Krankenhaus in Schwalmstadt hat keine Frauenklinik mehr. Trotz massiver Proteste hat die Klinik die Geburtshilfe geschlossen. Hebammen, eine Bürgerinitiative und ein Oberarzt haben sich bis zum Schluss für einen Erhalt eingesetzt. Wie gehen sie mit der Niederlage um?

Ein Schild weist auf einen Parkplatz für ankommende Babys und ihre Eltern hin. Dahinter ein Krankenwagen und ein Klinikgebäude.


Ankommende Babys und ihre Eltern werden hier künftig nicht mehr parken: Die Geburtshilfe in Schwalmstadt hat geschlossen.
Bild © Isabell Stephan (hr)


Kreißsaal und Untersuchungszimmer leerräumen – das ist ab jetzt Teil der Arbeitsrealität der Hebammen im Asklepios Klinikum im nordhessischen Schwalmstadt. Denn die Klinik ist seit Montagnachmittag dicht. Wegen Personalmangels wurde sie zweieinhalb Monate früher als geplant geschlossen.

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02:54 Min.
||hr


Endgültiges Aus für Geburtshilfe in Schwalmstadt

Parkschild für werdende Eltern

Bild © hr


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Fast 30 Hebammen waren in der Klinik angestellt. Nachdem die Schließung im Juli bekannt wurde, sollen nach hessenschau-Informationen einzelne Hebammen und Ärzte gekündigt haben. Bereits seit September soll es deshalb Probleme gegeben haben, die Dienste zu besetzen.

Mit dem Aus für die Geburtshilfe in Schwalmstadt schrumpft die Anzahl der Geburtskliniken in Hessen weiter. Im Schwalm-Eder-Kreis gibt es ab sofort nur noch eine Geburtsklinik in Fritzlar. Die hessenschau hat am letzten Tag des Klinikbetriebs mit einer Hebamme, dem leitenden Oberarzt und einem Vertreter der Bürgerinitiative, die sich bis zuletzt für den Erhalt der Geburtshilfe eingesetzt hat, gesprochen.

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00:39 Min.
|Daniela Möllenkamp

Bild © hessenschau.de|
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„Die Arbeit, die wir gerne machen, gibt es nicht mehr“

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Hebamme Lea Rohde, zweite Vorsitzende des Hebammenverbands Hessen

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„Die Stimmung bei uns im Team ist schlecht. Das nimmt uns alles sehr mit. Es bedeutet eine Veränderung für unsere persönliche Situation, aber vor allem betrifft es die Schwangeren, die Frauen und Familien hier in der Region. Sie verlieren ihren Geburtsort. In den letzten Wochen haben viele Schwangere besorgt angerufen. Sie wollten wissen: Können wir noch zu euch kommen? Wir haben allen Schwangeren, die bei uns angemeldet waren, Bescheid gesagt, dass wir vorzeitig schließen. Die meisten wussten das schon. Sie waren betroffen und traurig.

Eine Frau steht vor einem Klinikgebäude.


Hebamme Lea Rohde
Bild © Isabell Stephan (hr)


Wir Hebammen sind noch bis zum Ende des Jahres angestellt. Wir kommen zur Arbeit, aber die Arbeit, die wir gerne machen, gibt es so nicht mehr. Das hat uns hart getroffen und ist ein Verlust. Es ist vor allem für die Kolleginnen existenzbedrohend, die hier in der Region stark verwurzelt sind. Die hier wohnen, Kinder haben und nicht flexibel sind. Die verlieren ein Einkommen, auf das sie sich verlassen haben: Sie müssen nun weite Arbeitswege im Schichtdienst auf sich nehmen. Sie fahren zum Teil 40 bis 50 Minuten zum nächsten Kreißsaal und wieder zurück. Nach einem Nachtdienst ist das gefährlich.

Dazu werden die Stellen für angestellte Hebammen im Kreißsaal knapper – auch weil Kreißsäle schließen. Wir sind nicht der erste Kreißsaal in Hessen, der zumacht – und wir werden wahrscheinlich nicht der letzte sein. Das liegt daran, dass die Geburten zurückgehen. Durch das neue Beitragsstabilisierungsgesetz werden Stellen gekürzt. Außerdem kommen mehr Hebammenstudentinnen auf den Markt. Das heißt, es gibt mehr Hebammen auf weniger Stellen. Deshalb wird die Situation für uns schwierig.“

„Haben uns um die Frauen und ihre ungeborenen Babys gesorgt“

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Mohamed Koheil, Leitender Oberarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

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„Es ist eine vernünftige Entscheidung, die Geburtshilfe bei der personellen Situation zu schließen. Wir konnten so die Geburtshilfe nicht mehr sicherstellen. Ich hoffe, dass alle Frauen in der Region mitbekommen haben, dass wir schließen.

Ein Mann mit Brille steht vor einem langgezogenen Gebäude.


Der leitende Oberarzt Mohammad Koheil
Bild © Isabell Stephan (hr)


Die Situation ist für die Patientinnen schwierig, die sich nirgendwo anders vorgestellt haben. Wir hoffen, dass die anderen Kliniken für diese Patientinnen Kapazitäten haben. Das ist so vom Ministerium angekündigt. Wir hoffen, dass das so läuft. Ich wünsche mir, dass die Region durch die anderen Kliniken gut versorgt bleibt – auch, was die ambulante Versorgung betrifft.

Wir haben protestiert, weil wir uns um die Frauen und ihre ungeborenen Babys in dieser Region gesorgt haben. Ich möchte das Beste für diese Region und für diese Familien. Ich hoffe sehr, dass die Kapazitäten in anderen Kliniken für die Patienten ausreichen. Die Patientinnen werden auch diese Klinik als Geburtsort gut finden. Mein Protest ist jetzt vorbei, ich kann es nicht mehr ändern.“

„Die Kurzfristigkeit der Schließung war ein Schock“

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Adrian Hildebrand, Mitglied der Bürgerinitiative zum Erhalt der Frauenklinik Schwalmstadt

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„Die Nachricht letzte Woche, dass die Geburtshilfe heute schließt, war ein Schock – auch für die werdenden Mütter, die bis zum Jahresende hier ihre Kinder zur Welt bringen wollten.

Ein Mann steht vor blauen Fahnen einer Klinik. Er unterhält sich mit zwei Frauen. Diese sind nur von hinten fotografiert.


Adrian Hildebrandt hat eine Petition für den Erhalt der Geburtshilfe eingereicht.
Bild © Isabell Stephan (hr)


Wir haben gehofft, dass wir durch die Petition noch ein bisschen Zeit gewinnen und Asklepios einlenken muss. Jetzt hat die Geburtsstation sehr kurzfristig geschlossen. Um sie wieder zu öffnen, müsste man das abgewanderte Personal erstmal zurückgewinnen.

Wir haben mit der Petition um die 9.000 Unterschriften gesammelt und verschiedene Argumente für den Erhalt geliefert, beispielsweise die Erreichbarkeit im ländlichen Raum. Es gibt Ortschaften, die nur mit dem Auto erreichbar sind. Der Winter kommt und es gibt längerfristige Baustellen. Dann dauert eine Fahrt zum Kreißsaal eben nicht nur 40 Minuten, sondern eine Stunde. Das lässt Asklepios außen vor.“

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Was sagt die Klinikleitung?

Die Klinikleitung wollte sich nicht vor dem Mikrofon äußern und verwies auf eine Pressemitteilung vom 5. Oktober. Darin heißt es, für die verbliebenen Monate konnte „keine Besetzung gefunden werden, die ein mögliches Risiko für Mutter und Neugeborenes ausschließt“. Diese Entscheidung sei „nicht leichtgefallen“. Als Grund für die Schließung hatte das Unternehmen auf die Krankenhausreform verwiesen.

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Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/asklepios-schliesst-geburtshilfe-in-schwalmstadt-nicht-der-letzte-kreisssaal-der-zumacht-v1,aus-geburtshilfe-schwalmstadt-100.html

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