Mit dem illegalen Handel von Kulturgütern handelt es sich um ein ernsthaftes grenzüberschreitendes Verbrechen, das alle Regionen betrifft. Über 90 nationale und internationale Experten aus 23 Ländern in Europa, dem Nahen Osten und den Vereinigten Staaten trafen sich in Wiesbaden zum European Working Meeting on Art Crime and Illicit trafficking in Stolen Cultural Property. Gastgeber war das Bundeskriminalamt (BKA) in Deutschland. Anwesend waren auch Vertreter des Rates der Europäischen Union, EUROPOL, ICCROM, OSZE, UNESCO, UNITAD, UNODC, WCO und des Monitoring Teams des UN Sicherheitsrates.
Stefan Michel vom BKA hob die Bedeutung der Bekämpfung des anhaltenden Raubs von Kulturgütern in Krisenregionen hervor. Die Teilnehmer diskutierten die Beteiligung terroristischer Gruppen am Raub und Schmuggel von Kulturgütern, insbesondere aus Konfliktzonen, wobei besonderes Augenmerk auf die Umsetzung der UN Sicherheitsratsresolutionen 2199/2015 und 2347/2017 gelegt wurde. Diese fordern Länder auf, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um den Handel mit gestohlenen Kulturgütern zu verhindern, und insbesondere die Nutzung der globalen Polizeifähigkeiten von INTERPOL, wie der Datenbank für gestohlene Kunstwerke.
INTERPOL führt und organisiert bedeutende Strafverfolgungsmaßnahmen zur Bekämpfung von Straftaten im Zusammenhang mit Kulturgütern durch, darunter die Pandora- und die gemeinsamen Polizei-Zoll-Operationen Athena. Zudem stellt INTERPOL die einzige internationale Polizeidatenbank mit Informationen über gestohlene Kunstwerke bereit. Corrado Catesi, Koordinator der Abteilung für Kunstwerke bei INTERPOL, betonte, dass kein Land vor Kulturdiebstahl und illegalem Handel sicher sei und forderte die Einrichtung spezialisierter Polizeieinheiten mit einer operativen Datenbank für gestohlene Kunstwerke als Kernstück einer effektiven nationalen Strategie.
INTERPOL sammelt auch Informationen und analysiert die neuesten Trends bei Kulturgutkriminalität, um seinen Mitgliedsländern zu helfen. Während der Veranstaltung präsentierten INTERPOL-Beamte die neuesten Daten, die ihre Abteilung für Kunstwerke im Jahr 2018 gesammelt hatte. In diesem Jahr wurden weltweit über 8.500 Straftaten gemeldet, bei denen etwa 91.000 Kulturobjekte gestohlen und fast 223.000 Objekte von Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmt wurden. Die Themen Geldwäsche und gefälschte Kulturobjekte sowie die Bedeutung des Schutzes von Kulturgütern nach Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten standen ebenfalls im Mittelpunkt der Tagung.


