Kultur

Marodes Stadttheater in Rüsselsheim: Private Spendenaktion soll Zeichen setzen

Marodes Stadttheater in Rüsselsheim: Private Spendenaktion soll Zeichen setzen

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Das Stadttheater in Rüsselsheim ist marode und das Stadtsäckel leer. Eine private Initiative hat nun eine Spendenaktion gestartet, die ein Zeichen setzen soll: Kulturinteressierte sind aufgerufen, je 1.000 Euro zu spenden.

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||Stefanie Hofmann

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Seine kiemenartigen Seitenschlitze und sein rundlicher Dachaufbau haben dem Rüsselsheimer Stadttheater den Beinamen Haifischmaul eingebracht. Seit 2024 steht die in den späten 1960er Jahren erbaute Kulturstätte unter Denkmalschutz. Doch die Zukunft des Hauses steht auf der Kippe.

Die Infrastruktur des Gebäudes ist marode, eine Sanierung würde nach jüngsten Angaben von Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) rund 47 Millionen Euro kosten. Geld, das die Stadt eigentlich nicht hat und das deshalb woanders herkommen muss. Aus staatlichen Fördertöpfen etwa – oder aus privater Hand.

Schon mehr als 40.000 Euro eingesammelt

Eine Initiative hat jetzt eine Geldsammelaktion auf den Weg gebracht. „TheJA!ter“ nennt sie sich. Die Schreibweise und das auf Flyern in Rot gehaltene „JA!“ sollen klar zeigen: „Wir wollen diese Spielstätte für professionelles Schauspiel, Ballett, Konzert und andere Veranstaltungen erhalten!“

Menschen aus Rüsselsheim und Umgebung sind aufgerufen, die Sanierung des Hauses mit jeweils 1.000 Euro zu unterstützen. Nach Auskunft der Initiative gab es bis Montag (9.2.) – noch vor dem eigentlichen Start – bereits 41 Erstzeichner. Das wären schon mal 41.000 Euro.

„Wollen ein deutliches Zeichen setzen“

„Wir wollen ein deutliches und unübersehbares politisches Zeichen setzen“, sagt Thomas Frickel. Er ist preisgekrönter Dokumentarfilmer und Mitinitiator der Aktion. Mit der Sammlung unterstreiche man die Wichtigkeit des Theaters für die Stadtgesellschaft, betont er.

Dass 1.000 Euro kein Pappenstiel sind, weiß Frickel. „Trotzdem sind viele Leute bereit, zu sagen: ‚ja, wir machen da mit‘. Denen ist es das wert.“ Frickel hofft auf einen Schneeballeffekt, der weitere Menschen und Institutionen zum Spenden animiert.

Hinter „TheJA!ter“ stehen Kulturschaffende und -interessierte aus Rüsselheim und Umgebung – nach eigenen Angaben auch Kulturpreisträger. „Wir haben alle einen Großteil, wenn nicht sogar das ganze Leben von diesem wundervollen Ort profitiert“, heißt es auf der Internetseite ja-zum-theater.de. Dort kann man auch das Spendenformular herunterladen.

Massiver Wasserschaden

Das Rüsselsheimer Stadttheater wurde 1969 eröffnet, drei Jahre nach Baubeginn. Seinerzeit war das „Haifischmaul“ ein Hingucker. Doch sechs Jahrzehnte sind an dem Haus nicht spurlos vorbeigegangen: Geplatzte Rohre, drückendes Grundwasser – 2020 wurde ein enormer Wasserschaden im Bereich der Hinterbühne festgestellt.

Laut Stadt sind die Schäden so massiv, dass sie nicht ohne Eingriffe in andere Bereiche des Gebäudes und ohne Behebung sicherheitsrelevanter Mängel „nachhaltig beseitigt werden können“. Fachplaner empfehlen eine Gesamtsanierung mit einer längeren Bauphase – inklusive einer energetischen Sanierung zur Reduzierung der Betriebskosten.

Stadtverordnete stimmen nächster Planungsphase zu

Während eine Mehrheit der Stadtverordneten sich noch im Sommer 2025 dafür aussprach, angesichts knapper Kassen von einer Sanierung abzusehen, ist der politische Wille inzwischen vorhanden, die Möglichkeiten eines Erhalts des Hauses wenigstens zu prüfen.

Im Herbst 2025 stimmte die Stadtverordnetenversammlung dann der sogenannten Leistungsphase 3 im Sanierungsplan zu. „Das ist die konkrete Umsetzungsplanung des gesamten Projekts“, erläutert Oberbürgermeister Burghardt. Er ist auch Kulturdezernent der Stadt und ein glühender Verfechter des Theatererhalts.

Sanierungsbedarf auch anderswo

Was bislang eine Kostenschätzung war, soll dann konkret kalkuliert werden. Damit ließe sich die Akquise der Fördermittel angehen, das Gesamtpaket würde dann den Stadtverordneten zur Entscheidung auf den Tisch gelegt werden.

Im vergangenen Jahr hatte es eine Bürgerversammlung gegeben, auf der noch einmal informiert und diskutiert wurde. Dabei wurden auch kritische Stimmen laut. Denn Sanierungsbedarf besteht auch andernorts in der Stadt, etwa bei Straßen oder Schultoiletten.

Beitrag zur kulturellen Bildung

„Ich bin kein Freund von dieser Entweder-Oder-Diskussion“, sagt Burghardt. „Wir haben als aktuell politisch Verantwortliche auch die Verantwortung für die nächsten Generationen.“ Denn rund 40 Prozent der Theaterbesucher seien Kinder und Jugendliche. „Wir leisten also auch einen ganz großen Beitrag für die Bildungsinfrastruktur, in diesem Fall die kulturelle Bildung.“

Die Quellen, die Burghardt bei der Finanzierung anzapfen will, sind unter anderem Fördertöpfe des Bundes und des Landes. „Wir haben auch die Wirtschaftsinvestitionsbank, eine Tochterfirma der Helaba, vor Ort gehabt“, berichtet er. „Wir reden auch mit Stiftungen, die so etwas unterstützen.“

OB begrüßt Initiative

Die Initiative „TheJA!ter“ findet der Oberbürgermeister „super“, wie er sagt. „Wir begrüßen es grundsätzlich immer, wenn versucht wird, Mittel zu akquirieren. Das läuft wohl auch relativ erfolgreich an.“

Burghardt konstatiert, dass der Beitrag, der auf diese Weise zusammenkommen könnte, vor allem eine hohe Symbolkraft hat. „Ich sag mal, 1.000 Euro für ein solches Projekt zu spenden, ist schon ein Zeichen, das darf man nicht geringschätzen.“ Am Ende könne das dazu beitragen, überregionale Unterstützung zu fördern.

„Wir wollen viele überzeugen“

Auch die Initiatoren von „TheJA!ter“ wissen, dass man mit dem eingesammelten Geld allein das Theater nicht sanieren kann. „Wir wollen möglichst viele Leute davon überzeugen, dass man auf die Sanierung nicht verzichten kann“, sagt Thomas Frickel.

Die Spenden bleiben vorerst auf einem Treuhandkonto. An die Stadt sollen sie erst ausgezahlt werden, wenn es einen rechtsgültigen Beschluss zur Sanierung gibt.

Neueröffnung frühestens 2030

Die Spielzeit 2026/2027 soll laut Burghardt auf jeden Fall noch im Stadttheater über die Bühne gehen. Im Idealfall könne man danach mit der Sanierung beginnen, die etwa dreieinhalb Jahre dauern soll. „Im Best-Case-Szenario sind wir dann 2030 wieder in der Eröffnung.“

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Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/marodes-stadttheater-in-ruesselsheim-private-spendenaktion-soll-zeichen-setzen-v1,stadttheater-ruesselsheim-102.html

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