Ein Vierteljahrhundert lang war Michael Boddenberg einer der wichtigsten Männer in der hessischen Politik. Nicht nur als Finanzminister in der Corona-Krise verließ sich die CDU auf ihn. Nun beendet er seine Laufbahn.
Anfang des Jahrtausends war er Generalsekretär einer bis ins Mark erschütterten Hessen-CDU, später Chef der Landtagsfraktion beim Start des Pilotprojekts Schwarz-Grün. Und vor allem war er Finanzminister in der Corona-Krise: Rund ein Vierteljahrhundert lang gehörte Michael Boddenberg zu den maßgeblichen Männer in der hessischen Politik. Nun endet diese lange politische Karriere.
Vor den Mitgliedern der Unionsfraktion gab der 66-Jährige am Dienstag in Darmstadt bekannt: Ende Juni mit Beginn der Sommerpause wird er sein Landtagsmandat niederlegen. Dem Parlament gehört Boddenberg seit 27 Jahren ununterbrochen an.
Er wolle seinen Platz frei machen für die nächste Generation, sagte Boddenberg in der Fraktionssitzung laut einer Mitteilung der CDU. Nicht nur die Dauer seines Engagements machen den Frankfurter zu einem außergewöhnlichen Akteur im politischen Betrieb in Wiesbaden.
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Gelernter Metzger
Boddenberg war als gelernter Metzgermeister Geschäftsführer eines familieneigenen Betriebs, bevor er Berufspolitiker wurde. 1999 zog er erstmals in den Landtag ein. Seit damals hatte er ein Abo auf die Wiederwahl per Direktmandat in seinem Wahlkreis im Süden Frankfurts.
Es sei ihm eine große Ehre gewesen, dazu beigetragen zu haben, Hessen „auch in herausfordernden Zeiten auf Kurs zu halten“ – so wird Boddenberg in einer Mitteilung der Fraktion zitiert.
Mehr als einmal machte ihn die Hessen-CDU zum Mann für heikle Aufgaben und verschärftes Krisenmanagement.
Schweres Erbe als Generalsekretär
Als er 2001 zum Generalsekretär der Landespartei wurde, lief die Aufarbeitung der Parteispendenaffäre. Millionenbeträge, als „jüdische Vermächtnisse“ getarnt, waren in schwarze Kassen geflossen.
Das kostete den damaligen CDU-Landeschef und Ministerpräsidenten Roland Koch fast das Amt und brachte Ex-Landeschef und Bundesinnenminister Manfred Kanther vor Gericht. Die Union blieb auch dank Boddenberg trotzdem an der Macht – bis heute.
Ein Macher im Versuchslabor
2009 wurde der Frankfurter von Koch in ein CDU/FDP-Kabinett berufen. Fünf Jahre lang – zwischenzeitlich löste Volker Bouffier als Ministerpräsident Koch ab – vertrat er als Minister für Bundesangelegenheiten das Land in Berlin.
Danach war Boddenberg als Vorsitzender der Landtagsfraktion einer der wichtigsten Player in einem überraschenden Experiment: der ersten schwarz-grünen Landesregierung Deutschlands. Zehn Jahre arbeite das „Versuchslabor Hessen“, von dem Anfang 2014 die Rede war, geräuschlos.
Als Fraktionschef habe ihn unter anderem strategische Klarheit ausgezeichnet, lobte die aktuelle CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus ihren Amtsvorgänger. Boddenberg würdigte sie außerdem als „prägenden Christdemokraten“.
Härtejob in der Pandemie
Die wohl härteste Aufgabe kam im Frühjahr 2020 unter bitteren Umständen. Da nahm CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier Boddenberg in höchster Not in die Pflicht. Er machte ihn nach dem plötzlichen Tod seines Finanzministers Thomas Schäfer zu dessen Nachfolger. Das Land stand mitten im Kampf gegen die kurz zuvor ausgebrochene Corona-Pandemie und deren Folgen.
Die Kosten für das Gesundheitssystem, die Hilfen für die Wirtschaft: Boddenberg und sein Haus gehörten zu denen, die im Zentrum des Sturms standen. Äußerlich schien er die Ruhe nie zu verlieren.
„In einer Krise gilt es nicht zu warten, es gilt zu handeln“ – mit diesen Worten verteidigte der hartnäckige Verteidiger der Schuldenbremse damals auch ein historisch einmaliges Finanzpaket. Bis zu zwölf Milliarden Euro Schulden wollte Schwarz-Grün machen, um die Corona-Folgen zu bekämpfen.
Es endete in einer herben Niederlage für die Koalition und den Minister. Der Staatsgerichtshof kassierte das sogenannte Corona-Sondervermögen ein, weil das Parlament zu Unrecht übergangen worden sei.
Abschied in der letzten Reihe
Mit dem Ende von Schwarz-Grün nach der Landtagswahl im Herbst 2023 endete auch die Bedeutung Boddenbergs in Wiesbaden. Sein Landtagsmandat holte er wie gewohnt. Doch im neuen schwarz-roten Kabinett von CDU-Ministerpräsident Boris Rhein war für ihn kein Platz.
So ist seit Anfang 2024 aus der Stütze von Rheins Vorgänger Bouffier ein Abgeordneter geworden, der seine neue Hinterbänkler-Rolle zwar klaglos und diszipliniert angenommen hat – aber lediglich bis zur Hälfte der laufenden Wahlperiode, wie sich nun zeigt.
Bei Rhein bedankte sich Boddenberg am Dienstag „für das entgegengebrachte Vertrauen sowie die stets enge, vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit“.
Zeit für Familie und Camper
Im Parlament tritt Boddenberg kaum mehr in Erscheinung. Sein Sitznachbar in der letzten Reihe des Plenarsaals hält es ähnlich. Es ist der gleichaltrige Ex-Staatskanzleichef Axel Wintermeyer, für den Regierungschef Rhein ebenfalls keine besondere Verwendung mehr hatte.
Eine Führungsaufgabe behielt Boddenberg bis zuletzt: als Chef im Aufsichtsrat der Fraport AG, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens. Dieses Amt, das ihm als Finanzminister zukam, hat er Mitte Mai niedergelegt.
2020, vor der Ernennung in höchster Not zum Finanzminister, hatte Boddenberg nach eigenen Angaben „ursprünglich andere Pläne für meinen Lebensweg“. Das hätte ihm vermutlich schon früher mehr Zeit für die Familie, für das E-Gitarre-Spielen und Camper-Urlaube in Nordamerika gelassen.
Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/landtag/cdu-politiker-michael-boddenberg-hoert-auf-er-war-der-mann-fuer-die-schweren-jobs-v1,boddenberg-abschied-landtag-100.html


