Seit 2011 suchte die Polizei einen Mann, der eine Anhalterin in der Nähe von Wetzlar vergewaltigt haben soll. Eine DNA-Spur brachte die Ermittler schließlich auf die Spur eines 61-Jährigen. Am Dienstag war Prozessauftakt.
Der Angeklagte im Vergewaltigungsprozess (M.) mit einem Dolmetscher (re.) und seinem Verteidiger.
Bild © Benjamin Müller (hr)
Der Fall liegt 15 Jahre zurück und drohte, zu einem ungelösten Cold Case zu werden. Doch seit Dienstag beschäftigt eine mutmaßliche Vergewaltigung nach einem Volksfest in Wetzlar im Jahr 2011 das Limburger Landgericht.
Wie die Staatsanwaltschaft zur Eröffnung der Hauptverhandlung ausführte, war eine heute 37 Jahre alte Frau damals auf dem Heimweg vom Wetzlarer Ochsenfest: zunächst zu Fuß, dann per Anhalter im Auto des Angeklagten, einem heute 61 Jahre alten Mann aus Wetzlar-Aßlar. Auf der Strecke nach Hüttenberg-Weidenhausen (Lahn-Dill) habe dieser sie dann vergewaltigt.
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00:40 Min. |Benjamin Müller
Opfer hat kaum Erinnerungen an die Tat
Sie erinnere sich kaum noch an die Tat selbst, sagte die Frau als Zeugin vor Gericht. Der Mann habe zuvor in einer Parkbucht gehalten, woraufhin sie aus dem Wagen fliehen konnte. Er sei ihr hinterher gerannt, habe sie in einem Feld eingeholt und sich an ihr vergangen.
In den Jahren danach habe sie unter Alpträumen und Beeinträchtigungen gelitten, berichtete sie weiter. Lange sei sie nicht ausgegangen, auf dem Ochsenfest sei sie seitdem nie wieder gewesen. Männliche Stimmen mit Akzent hätten ihr über Jahre Angst gemacht.
Angeklagter entschuldigt sich
Der Angeklagte äußerte sich am Dienstag nicht selbst, „aus Scham“, wie sein Anwalt begründete. Die Tat räume er „wie verlesen“ ein. Sie tue seinem Mandanten leid, er würde sie gerne ungeschehen machen, sagte der Anwalt.
Weitere Angaben wolle er nicht machen, sagte der Verteidiger, nur so viel: Sein Mandant sei bislang nicht straffällig geworden.
DNA-Proben abgeglichen
Der 61-Jährige sitzt seit März in Untersuchungshaft, nachdem eine DNA-Probe die Ermittler auf seine Spur gebracht hat. Diese war dem Mann im Rahmen eines von der Vergewaltigung unabhängigen Strafverfahrens wegen Körperverletzung entnommen worden, hieß es damals.
Die Ermittler hätten sie mit vorliegenden Spuren anderer Strafverfahren abgeglichen und mit der Vergewaltigung nach dem Ochsenfest 2011 in Verbindung bringen können.
Die weiteren Ermittlungen hätten einen dringenden Tatverdacht gegen den 61-Jährigen ergeben. Der Mann sei schließlich in einer Gemeinde des Lahn-Dill-Kreises festgenommen worden. Das Verfahren wegen Körperverletzung läuft noch.
Urteil am Donnerstag erwartet
Ob das Geständnis ihr helfen werde, mit dem Geschehenen abzuschließen, wisse sie noch nicht, sagte die 37-Jährige, das Opfer von damals. Womöglich erhält sie eine Schmerzensgeldzahlung von 30.000 Euro, zu der die Verteidigung eine „grundsätzliche Bereitschaft“ signalisierte.
Das Urteil soll am Donnerstag fallen.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/cold-case-um-vergewaltigung-in-wetzlar-angeklagter-entschuldigt-sich-vor-gericht-v1,prozess-vergewaltigung-112.html



