Darmstadt 98 hat seit März kein Pflichtspiel mehr gewonnen. Im Pokal bei Regionalligist Jena ist am Sonntag ein Erfolg zwingend nötig, um keine Unruhe früh in der Saison aufkommen zu lassen. Trainer Kohfeldt aber bleibt völlig gelassen.
Lilien-Trainer Florian Kohfeldt.
Bild © IMAGO
Audio
00:39 Min.|Mathies Hohm
Florian Kohfeldt zögerte, zog die Augenbrauen hoch, übte sich auch ansonsten in einer spannenden Gesichtsakrobatik, um vor seiner Antwort noch einmal auszupusten. Denn: Diese saisonübergreifende Sieglos-Serie von mittlerweile elf Spielen beschäftigt das Umfeld vom SV Darmstadt 98. Aber nein, sagte Kohfeldt schließlich, intern sei das jedoch kein Thema.
„Wenn wir mit einer kaum veränderten Mannschaft spielen würden“, so der Coach, „dann vielleicht.“ Aber so, mit mehr als 20 Transferbewegungen auf Zu- und Abgangsseite, so eben nicht. „Das Thema kommt von außen, ganz klar. Die beiden Spielzeiten sind nicht vergleichbar.“ Gleichwohl sei es natürlich wichtig, am Sonntag (15.30 Uhr) im Erstrundenduell des DFB-Pokals bei Regionalligist Carl Zeiss Jena einen Sieg einzufahren. Jeder wisse, dass im Fußball gewisse Dynamiken entstehen könnten, und außerdem: „Der Pokal ist ein absolut geiler Wettbewerb, ich liebe den Wettbewerb.“

Bild © hr
Abläufe sind noch nicht gefestigt
Darmstadt 98 probiert sich also als Dynamik-Brecher. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist recht hoch, ist der südhessische Zweitligist beim Viertligaklub der klare Favorit. Wenngleich das Stadion gut gefüllt sein wird und als stimmungsvoll gilt, wollen die Lilien in Jena ihre Spielweise durchdrücken. Eine Spielweise, die allerdings noch nicht gefestigt ist.
In den ersten beiden Ligaspielen – 2:2 gegen Kiel und 0:1 in Dresden – verteidigten die Darmstädter zwar weitestgehend gut, nach vorne aber haperte es an den Abläufen. Das gab Coach Kohfeldt unumwunden zu. „Das Spiel im letzten Drittel ist noch nicht zwingend genug, da sind die Dinge nicht so sehr abgestimmt“, analysierte der Trainer etwas, das nur allzu logisch ist, haben die Lilien doch nahezu ihre komplette Offensivabteilung ausgetauscht. Das neueste Mitglied, Mittelstürmer Milan Smit, stieß gar erst vergangene Woche zur Mannschaft.
Mehr Methodik, weniger Freiheiten
Kohfeldt, der in der Vorbereitung unter anderem darüber gesprochen hatte, seinen Angreifern möglichst viele Freiheiten für Kreativität schaffen zu wollen und daraus Gefahr entstehen zu lassen, setzt in naher Zukunft daher erstmal auf eine Light-Version des beschriebenen Ansatzes.
„Im ersten Schritt gehen wir gerade mehr in Richtung Methodik“, so der Coach. Soll heißen: mehr klare Abläufe, weniger Impulsentscheidungen der Spieler. Dies ist laut Kohfeldt ein Learning der vergangenen Wochen, um den Adaptionsprozess der Neuzugänge schneller bewerkstelligen zu können. Freilich wolle er das Kreative der Spieler damit auch nicht zu stark beschneiden, „das sind die Fragen, die mich gefühlt täglich umtreiben“. Das richtige Maß soll her.
Antworten soll seine Mannschaft, der die Langzeitverletzten Fabian Nürnberger, Luca Marseiler und Marveille Papela, der an den Adduktoren angeschlagene Fynn Lakenmacher sowie der im Pokal gesperrte Matej Maglica fehlen werden, am Sonntag in Jena liefern. Und mit einem Sieg bestenfalls eine neue Dynamik in Gang setzen. Eine des Erfolgs.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/darmstadt-98/dynamik-brecher-von-darmstadt-98-im-pokal-modus-bei-carl-zeiss-jena-v1,lilien-jena-100.html



