Wirtschaft

Rheinmetall-Deal in Kassel: Rüstung alleine hilft der Wirtschaft nicht. Ein Kommentar

Rheinmetall-Deal in Kassel: Rüstung alleine hilft der Wirtschaft nicht. Ein Kommentar

Hunderte Millionen fließen in den nächsten Jahren in die Rüstungsindustrie in Nordhessen. Für den Wirtschaftsstandort ist das ein Deal mit bitterem Beigeschmack. Er profitiert indirekt vom Ukraine-Krieg. Richtig sind die Investitionen dennoch.


Ein Geschützturm während der Fertigung in einer Produktionshalle des Rheinmetall-Werks in Kassel.
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03:12 Min.
|Jens Wellhöner

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Eine Region profitiert vom Ukraine-Krieg und dem Rüstungswettlauf mit Russland. Rheinmetall investiert über 260 Millionen Euro in Nordhessen, das Land Hessen gibt noch einmal einen 25 Millionen Euro dazu. Solche Wirtschaftsmeldungen haben derzeit Seltenheitswert und sie sind zweifellos eine gute Nachricht.

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Portrait von Marcel Ruge. Daneben steht "Meinung".

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Marcel Ruge
Regionalreporter im Studio Kassel

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Mehr als 1.000 gut bezahlte Industriejobs sollen entstehen. Schließlich fallen die gerade bei der auch in Nordhessen wichtigen Autobranche massenhaft weg.

Und doch bleibt der bittere Beigeschmack, den niemand ignorieren kann. Hier werden eben keine Autos gebaut oder Brötchen gebacken. Hier werden Waffen produziert, die abschrecken, also im Ernstfall auch töten sollen.

Ohne Krieg wohl keine Millionen-Investitionen

Jeden Tag sterben in der Ukraine Zivilisten und Soldaten an der Front auf beiden Seiten, jeden Tag machen Drohnen Jagd auf Menschen und jeden Tag legen Gleitbomben eine Ortschaft nach der anderen in Schutt und Asche.

Ohne all diese sinnlose Grausamkeit würden wir keine Debatte um Aufrüstung führen. Und würde es wohl keine Millionen-Investitionen in Nordhessen geben. Bei all der Freude über die Investitionen sollte man sich das klar machen.

Klar machen muss man sich auch: Die Bundeswehr war nach dem Ende des Kalten Kriegs jahrelang unterfinanziert. Militärexperten haben das auch schon vor dem Ukrainekrieg immer wieder betont.

Doch politisch waren damals große Investitionen ins Militär kaum zu vermitteln. Kostet viel Geld und wird nicht mehr gebraucht, so die Einschätzung, die damals viele teilten. Denn politische Entscheidungen über die Vergabe von Geldern werden immer im hier und jetzt mit Blick auf die aktuelle Lage und die nächste Wahl getroffen.

Rüstungs-Boom könnte auch wieder enden

Heißt: Der Boom von Rheinmetall durch die Aufträge seiner staatlichen Kunden jetzt muss nicht ewig Bestand haben. Auch der Ukraine-Krieg wird irgendwann zu Ende sein. In Russland könnten sich die Machtverhältnisse ändern. Und dann könnte es auch wieder Debatten geben über den Sinn von Rüstung, über die Verwendung der Gelder für andere dann womöglich wichtigere Projekte wie Klimaanpassung, Pflege oder Rentensystem.  

Damit sind die Investitionen in Nordhessen wirtschaftlich nicht falsch. Sie sind mit Blick auf die aktuelle Bedrohungslage sogar sinnvoll. Falsch wäre es aber, die Rüstung als alleinigen Ersatz für die schrumpfende Autoindustrie zu sehen.

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Vier Männer stehen vor einem Hubschrauber auf einem Flugfeld.

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Die deutsche Wirtschaft und die Regionen in Hessen müssen sich jetzt breit aufstellen. Sie müssen auf Rüstung ebenso setzen wie auf Künstliche Intelligenz, grüne Technologien, aber auch auf Start-ups mit neuen Ideen oder eine funktionierende medizinische Versorgung.

Mehreinnahmen sollten in andere Wirtschaftszweige fließen

Nordhessen profitiert indirekt vom Krieg in der Ukraine. Das klingt nicht schön. Aber wenn dies schon so ist, dann sollten die Steuereinnahmen und anderen positiven Effekte auch genutzt werden, um andere Wirtschaftsbereiche zu stärken – etwa durch neue Fördertöpfe.

Ein Bürogebäude in blauer Farbe mit vielen Fenstern. Oben auf dem Dach steht der Schriftzug "Rheinmetall".


Rheinmetall will in Kassel weiter wachsen von aktuell 2.200 auf 3.000 Mitarbeiter.
Bild © Marcel Ruge (hr)


Der Kassel Airport könnte neben einer Rüstungsdrehscheibe auch etwa der Weiterentwicklung elektrischer Flugzeuge dienen. Erste Ansätze dafür gibt es bereits in Calden.

Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) spricht bei der Investition von Rheinmetall von einem Wachstumsbooster für die Region. Wenn die Rüstungsmillionen künftig auch andere, zivile Unternehmen voranbringen, dann wäre es tatsächlich eine nachhaltige Investition – wenn auch mit bitterem Beigeschmack.

Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/rheinmetall-deal-in-kassel-ruestung-alleine-hilft-der-wirtschaft-nicht-ein-kommentar-v1,kommentar-rheinmetall-100.html

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