Dank der Zinserhöhungen der EZB erhalten Sparer wieder mehr Geld. Es gibt allerdings ziemlich große Unterschiede unter den Banken und Sparkassen, und wie immer lohnt ein Blick ins Kleingedruckte.
Bild © JPMorgan Chase, RCI Bank and Services, Ikano Bank, Revolut Ltd., Sparkasse, Collage: hessenschau.de
„Jetzt vier Prozent aufs Tagesgeld sichern“, heißt es beispielsweise bei der US-amerikanischen Direktbank Chase, die ihren deutschen Firmensitz in Frankfurt hat. Seit Juni wirbt Chase für dieses vergleichsweise üppige Zinsangebot. In den Spots sagt der ehemalige Nationalspieler Thomas Müller zu ein paar Fußballfans gewohnt locker auf Bayerisch: Vier Prozent aufs Tagesgeld, das sei „super, gell“.
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02:46 Min.||Ursula Mayer
Bei der Direktbank heißt es, das Interesse an dem Zinsangebot sei groß. Langfristig wolle man damit zu einer der führenden digitalen Hausbanken in Deutschland werden.
Ähnlich hohe Zinsen gibt es bei anderen überregionalen Finanzinstituten, etwa beim Fintech Revolut, der Renault Bank und der Ayvens Bank. Natürlich gibt es bei alldem ein Aber.
Tagesgeld: Auf die Details kommt es an
Die hohen Zinsen würden nur neue Kunden bekommen, betont Ralph Wefer, Bankenexperte beim Internetvergleichsportal Verivox: „Grundsätzlich gilt auch, dass die Angebote befristet sind und maximal bis zu sechs Monate gelten.“ Danach fielen dieselben Konditionen wie für Bestandskunden an. Diese seien häufig schlechter.
Als weitere Haken nennt Wefer, dass es für die Geldsumme, die angelegt werden könne, oft ein Limit gebe. Dazu müssten Verbraucher häufig zusätzliche Bedingungen erfüllen, etwa zusätzlich zum Tagesgeldkonto ein Girokonto eröffnen. Reine Zinsjäger sollten sich auf solche Konditionen nicht einlassen, warnt Wefer.
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Insgesamt fallen auch jenseits solcher Lockangebote die Zinsen laut Verivox höher aus als noch vor eineinhalb Jahren. Für Bestandskunden gibt es auf Tagesgeldkonten im Schnitt bundesweit 1,40 Prozent Zinsen. Doch es gibt im Einzelnen große Unterschiede.
„Speziell in Hessen sind es bei den regionalen Genossenschaftsbanken nur 0,55 Prozent“, sagt Verivox-Experte Wefer: „Die hessischen Sparkassen liegen mit 0,33 Prozent sogar noch darunter.“
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Festgeld: Zinsen hoch wie lange nicht
Beim Festgeld mit einer Laufzeit von zwei Jahren winken durchschnittlich bundesweit sogar 2,55 Prozent, so viel wie seit 2024 nicht. Im Vergleich dazu zahlen die regionalen Genossenschaftsbanken aus Hessen im Schnitt 2,32 Prozent, die hessischen Sparkassen 2,22 Prozent.
Dafür hat Verivox die Angebote von über 800 deutschen Banken und Sparkassen ausgewertet. Darunter sind 55 mit Sitz in Hessen. Angenommen wurde eine Anlagesumme von 10.000 Euro.
Dass die hessischen Sparkassen bei dieser Auswertung vergleichsweise schlecht abschneiden, sei eine Momentaufnahme und könne sich schon in ein paar Wochen wieder ändern, sagt Ralf Jasny, Professor für Finanzdienstleistungen an der Frankfurt University of Applied Sciences. Eine regionale Besonderheit erkennt der langjährige Sparkassenexperte in den aktuellen Zinssätzen nicht.
Experte erwartet erst mal keine weitere Steigerung
Wie kommt es zu der Entwicklung? Banken und Sparkassen bekommen selbst wieder höhere Zinsen, wenn sie das Geld ihrer Sparer bei der Europäischen Zentralbank anlegen. Entscheidend ist dafür der sogenannte Einlagenzins, den die EZB am Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht hat. Damit liegt er bei 2,5 Prozent.
Dass es deswegen in absehbarer Zeit mit den Sparzinsen noch einmal deutlich nach oben geht, glaubt Verivox-Experte Wefer nicht. Auf bessere Angebote bräuchten Sparer ohnehin nicht zu warten. Schließlich könnten sie bei einer Tagesgeldanlage jederzeit über ihr Geld verfügen und – sollte es wirklich noch ein lukrativeres Angebot geben – erneut wechseln.
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Wefer rät: Wer sein Geld aktuell noch zu mickrigen Zinsen bei einer Sparkasse oder Volksbank angelegt hat, sollte sich zügig bessere Zinsen sichern und diese Entscheidung nicht in der Hoffnung auf noch höhere Zinsen aufschieben.
Manches Institut verzinst Tagesgeld gar nicht
Schließlich gibt es immer noch manches hessische Geldhaus, das beim Tagesgeld komplett auf Zinsen verzichtet. Dazu zählt die Kreissparkasse Groß-Gerau. Deren Begründung: Tagesgeldkonten seien vor allem dazu da, Geld so anzulegen, dass es kurzfristig verfügbar bleibe. Es diene als Geldpuffer für kurzfristig notwendige Anschaffungen. Für den Vermögensaufbau verweist die Sparkasse etwa auf höher verzinste Sparkassenbriefe.
Letztlich profitierten solche Geldhäuser von der Trägheit ihrer Kunden, findet der Frankfurter Sparkassenexperte Jasny: „Das Problem ist, dass viele Kunden immer noch bereit sind, auf Zinsen zu verzichten.“ Deshalb rät auch Jasny solchen Kunden, sich unter den Banken nach Alternativen umzusehen.
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Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/tages–und-festgeld-wieder-hoehere-zinsen-fuer-sparer-v1,zinsen-hessen-100.html


