Wirtschaft

Startup aus Frankfurt: „Mietzy“ will zur großen Sharing-Plattform werden

Startup aus Frankfurt: „Mietzy“ will zur großen Sharing-Plattform werden

Ob Bohrmaschine oder Hochdruckreiniger: Viele Werkzeuge und Haushaltsgeräte werden nur selten genutzt und verstauben im Keller. Das Start-up „Mietzy“ bietet eine Plattform für Privatleute an, die solche Gegenstände verleihen oder selbst mieten wollen. Das soll nicht nur Geld sparen, sondern auch Ressourcen schonen.

Jonas Knieling steht vor seiner Garage – hinter ihm jede Menge Geräte und Baumaterial. Der gelernte Maschinenbauer saniert derzeit sein Elternhaus in Groß-Zimmern (Darmstadt-Dieburg). Dafür hat er sich eine Menge Werkzeuge und Maschinen angeschafft, die er aber nicht regelmäßig nutzt.


Jonas Knieling aus Groß-Zimmern beim Renovieren seines Elternhauses
Bild © hr


In seinen Augen ist das Verschwendung: „Man schafft sich viele Geräte an, wenn man selbst viel macht – und vieles geht einfach im Stehen oder im Liegen kaputt.“

Genau das möchte er vermeiden und vermietet seit einer Weile deshalb seine Geräte auf der Plattform Mietzy – vor allem „Werkzeug, das ich nicht unbedingt jeden Tag brauche und dann wieder einlagern würde“. Über einen Bekannten wurde Knieling auf die Plattform aufmerksam.

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03:21 Min.
|Juliane Orth

Bild © Mietzy|
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Zwei Gründer, eine Idee

Das Startup mit der Katze im Logo hat seinen Sitz in Frankfurt. Die beiden Gründer Salim Zeyen und Benedikt Dreismann haben mit Mietzy eine Plattform entwickelt, über die Privatpersonen entweder Geräte, die nicht so oft genutzt werden, vermieten oder mieten können.

Auf die Idee sind die beiden ganz unabhängig voneinander und aus unterschiedlichen Gründen gekommen. Bei Benedikt Dreismann war es ein Hochdruckreiniger, der ihn darauf brachte: „Wenn man an diesen einen Gegenstand denkt, merkt man: Da ist eigentlich noch viel mehr Zeug, das im Haushalt rumliegt.“ Er fragte sich also: Warum nicht vermieten?

Bei Zeyen war das Gegenteil der Fall: „Ich hatte eine kleine Wohnung und keinen Platz, Geräte irgendwo unterzubringen.“ Er habe es auch unnötig gefunden, „so viel Geld für etwas auszugeben, das man zweimal im Jahr braucht.“ Für ihn lautete die Frage also: Warum nicht mieten?

Vom Gartengerät zur Geschäftsidee

Ein gemeinsamer Freund, der von beiden Ideen gehört hatte, brachte die beiden zusammen und so begann im vergangenen Jahr die Geschichte ihres Startups Mietzy. Unterstützung erhielten Dreismann und Zeyen zu Anfang aus mehreren Programmen zur Startup-Förderung in Hessen wie vom Goethe-Unibator, von Hessen Ideen und von der TU Darmstadt. Zudem gab es einen Zuschuss der WIBank.

Die finanzielle Unterstützung war zwar da, so Zeyen, aber nicht genug, „um jetzt drei Jahre das Unternehmen laufen zu lassen.“ Deshalb starteten die Gründer zusätzlich eine Crowdfunding-Kampagne. Mit Erfolg: Inzwischen werden über ihre Website und App nicht nur Werkzeuge vermietet. Das Angebot reicht vom Kinderkarussell bis hin zum Tischkicker. Aus jedem Mieterlös gehen 15 Prozent an das Startup.

Das Bild zeigt die Startseite von Mietzy auf dem Computer. Zu sehen sind Gegenstände wie eine Spielkonsole, ein Kinderhocker oder auch eine Bohrmaschine.


Über Mietzy können Nutzer Werkzeuge, Freizeitartikel oder Veranstaltungsequipment mieten und vermieten
Bild © hr


Ökonom sieht Potential

Dass Menschen vermehrt Dinge nur nutzen wollen, statt zu besitzen, beobachtet auch Ralf Wagner. Er ist Professor für Nachhaltiges Marketing an der Universität Kassel. „Diese Entwicklung kann man zum Beispiel daran beobachten, dass immer mehr Menschen Wohnmobile für einen Urlaubstrip mieten, statt zu kaufen.“ Ein anderes Beispiel ist Carsharing: Laut dem zuständigen Bundesverband nutzten 2024 über 5,5 Millionen Menschen Carsharing-Angebote in Deutschland.

Bei manchen Gütern spiele der Besitz aber weiterhin eine wichtige Rolle. Wie zum Beispiel beim Smartphone, erklärt Wagner: „Es gibt gewisse Dinge, die sind sozusagen Teil des Selbstkonzepts“ – also des Bildes von sich selbst, das ein Mensch seiner Umgebung vermitteln möchte. „Diese Dinge möchten die Konsumentinnen und Konsumenten gerne besitzen.“

Der Wirtschaftswissenschaftler sieht dennoch in der Entwicklung von Sharing-Konzepten nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch ein großes Potential: Sharing sei definitiv nachhaltig. „Die Statistik sagt, dass eine durchschnittliche Bohrmaschine in Deutschland während ihrer ganzen Zeit des Besitzes durchschnittlich nur 8 Minuten benutzt wird.“

Ziel: Weniger Ressourcen verbrauchen

Der Gedanke der Nachhaltigkeit hat auch die Gründer von Mietzy angetrieben, so Salim Zeyen: „Alles, was neu produziert werden muss und dann irgendwo verstaubt, verursacht CO2-Emissionen, verbraucht Ressourcen und eine riesige Menge an Wasser – und ist am Ende in den meisten Fällen Elektroschrott.“

Auch Verbraucherschützer befürworten Sharing-Konzepte, wie das des Startups Mietzy: „Das kann Kosten sparen und zugleich dazu beitragen, dass bereits vorhandene Produkte intensiver genutzt werden“, sagt Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen. „Das ökologische Potenzial ist erheblich, wenn tatsächlich weniger neue Produkte gekauft werden müssen und vorhandene Produkte häufiger genutzt werden.“

Verbraucherschützer: Haftung und Kaution genau prüfen

Beim Nutzen der Plattform sollten Mieter dennoch einige Dinge beachten, empfiehlt Verbraucherschützer Lassek. Man müsse bedenken, dass Vermieter auf der Plattform den Preis und die Kaution selbst festlegen können:

„Verbraucher sollten vor einer Buchung genau prüfen, wer Vermieter ist, in welchem Zustand sich der Gegenstand befindet, welche Nutzung erlaubt ist, welche Kaution verlangt wird und wer im Schadensfall das Risiko trägt“.  

Lassek empfiehlt beiden Parteien, aber insbesondere den Mietern, „den Gegenstand und seinen Zustand möglichst genau zu dokumentieren – idealerweise mit Fotos bei der Übergabe.“ Vermieter sollten zudem beachten, dass eine Kaution keine Versicherung darstellt und klären, was bei einem Schaden passiert, der die Kaution übersteigt.

Vor allem Privatkunden im Visier

Das Vermieten oder Mieten von Gegenständen ist bundesweit prinzipiell keine ganz neue Idee: Die Plattformen fainin, nebenan.de, lokale Nachbarschaftsangebote oder auch Baumärkte sind ebenfalls Anlaufstationen zum Ausleihen von Geräten oder Werkzeugen.

Das Frankfurter Startup Mietzy will sich aber an Privatkunden richten, und sich bei Auswahl und Angebot breiter aufstellen. Hier sieht Gründer Benedikt Dreismann noch mehr Potential: „Richtige Player, die ganz auf Vermieten setzen, gibt es in Deutschland so bisher nicht.“

Aus dem Rhein-Main-Gebiet nach ganz Europa?

Die Idee der Gründer: Ein regionales Netzwerk schaffen und dann, wenn alles gut läuft, weiter expandieren. Bis dato beschränkt sich der Radius noch auf das Rhein-Main-Gebiet, aber Benedikt Dreismann schaut nach vorne: „Ich habe auf jeden Fall die Vision, dass wir das in Deutschland und auch in Europa größer machen können.“

Aktuell hat Mietzy nach Angaben der Gründer rund 6.000 Nutzer, davon knapp 1.000 registrierte. Neue Nutzer gewinne Mietzy über Partnerschaften, Social-Media-Marketing, Offline-Aktionen sowie im gewerblichen Bereich über Direktvertrieb. Die Resonanz sei bis dato gut gewesen, so Salim Zeyen: „Das bisherige Feedback hat gezeigt, dass die Leute Lust darauf haben und dass immer mehr Leute dazukommen.“

Für den Erfolg braucht es genügend Nutzer

Die größte Herausforderung für das junge Unternehmen werde in Zukunft sein, eine große Dichte an Nutzenden zu erreichen, damit sich Angebot und Nachfrage träfen, schätzt Ökonom Ralf Wagner von der Uni Kassel. „Sobald ein Unternehmen viele Nutzer hat, wird es auch für Anbieter attraktiv. Und je mehr Anbieter das Unternehmen hat, desto attraktiver wird es für Nutzer.“ Das sei in Ballungsgebieten wesentlich einfacher als im ländlichen Raum.

Bis dato befindet sich das Startup Mietzy in der Aufbauphase, aber die beiden Gründer sind zuversichtlich. „Wenn ich sagen würde, das wird sowieso nichts, würde ich es nicht machen“, sagt Gründer Zeyen.

Auch Ralf Wagner von der Universität Kassel ist optimistisch: „Das Marktpotential ist da und es wächst. Ich glaube an solche Lösungen.“

Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/startup-aus-frankfurt-mietzy-will-zur-grossen-sharing-plattform-werden-v1,startup-mietzy-100.html

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