Mehr als ein Jahr wurde in Fulda gestritten, ob der frühere Bischof Johannes Dyba noch als Namenspatron einer Allee taugt. Hintergrund sind Vorwürfe zu seinem Umgang mit Missbrauchsfällen. Nun ist die politische Entscheidung gefallen. Gesprochen wird auch über eine Art Mahnmal.
Die Johannes-Dyba-Allee in Fulda behält ihren Namen. Eine Mehrheit der Stadtverordneten lehnte die Umbenennung in Kastanienallee ab.
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03:47 Min.|Paul Mosbacher
Die Entscheidung, dass die Johannes-Dyba-Allee den Namen des umstrittenen Bischofs behält, ist in Fulda auf ein geteiltes Echo gestoßen. Zustimmung kam unter anderem vom Bistum Fulda. Kritik äußerten dagegen ein Vertreter des Betroffenen-Beirats und die SPD, die sich mit ihrer Initiative zur Umbenennung nicht durchsetzen konnte.
Nach einer insgesamt etwas mehr als einjährigen Debatte mit diversen Sitzung und Gesprächen lehnte die Stadtverordnetenversammlung in ihrer abschließenden Sitzung am Montagabend eine Umbenennung der Straße mit deutlicher Mehrheit ab: 33 Stadtverordnete stimmten dagegen, 23 dafür.
Enttäuschung bei SPD als Antragsstellerin
Die SPD hatte vorgeschlagen, die Straße wieder in Kastanienallee umzubenennen – so wie sie bis zum Jahr 2000 hieß. Hintergrund sind Vorwürfe gegen den früheren Fuldaer Bischof Dyba (1929-2000): Ihm wird vorgeworfen, während seiner Amtszeit Hinweisen auf sexuelle Gewalt und Missbrauch durch Priester nicht ausreichend nachgegangen zu sein. Dyba leitete das Bistum von 1983 bis zu seinem Tod im Juli 2000.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jonathan Wulff zeigte sich „enttäuscht“: Er habe gehofft, dass der Antrag durchgehe. Vor allem nachdem man aufgezeigt habe, dass Dyba als Bischof Kenntnis vom Missbrauch gehabt haben müsse.
CDU: Dyba trägt keine Schuld
Für die CDU als mit Abstand stärkster Kraft in der Stadtverordnetenversammlung stellte sich die Lage anders dar. Die Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann sagte : „Aus dem Missbrauchsbericht ist klar zu erkennen, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass sich Bischof Dyba schuldig gemacht hat, dass er an der Versetzung von den Tätern beteiligt war.“
Laut der Juristin Fehrmann sei keine „persönlich vorwerfbare Schuld“ zu erkennen gewesen. Eine Umbenennung der Straße „wäre für uns eine Entehrung gewesen, die nicht gerechtfertigt ist“.
Mahnmal im Gespräch
Die CDU will das Thema aber nicht zu den Akten legen. Es gebe mit dem Bistum Fulda und dem Betroffenen-Beirat Gespräche über ein Mahnmal für die Betroffenen von Missbrauch.
Das Bistum erklärte in einer Stellungnahme nach der Abstimmung im Stadtparlament: Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe entwickele derzeit Vorschläge für einen würdigen Erinnerungsort. In dieser Arbeitsgruppe sei auch die Stadt Fulda vertreten. Man wolle sich zugleich mit der „Frage eines differenzierten Umgangs mit den Bischofsgräbern“ auseinandersetzen.
Das Bistum betonte, dass es weiter seiner Verantwortung nachkomme bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals – unter anderem mit Schulungen für Mitarbeitende. Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung zur Beibehaltung des Straßennamens trage man uneingeschränkt mit.
Betroffener: „Echtes Ärgernis“
Einem Vertreter des Betroffenen-Beirats stieß die Entscheidung des von der CDU geführten Stadtparlaments dagegen bitter auf. Stephan Auth – selbst Missbrauchsopfer in jungen Jahren – sagte: „Für mich ist es ein echtes Ärgernis, dass diese Straße so heißt. Es ist eine sehr repräsentative und prominente Straße.“ Sie ist etwa 150 Meter lang und hat keine Wohnanschriften.
Er glaube nicht, dass Dyba sein Amt gut ausgefüllt habe und seiner Verantwortung gerecht geworden sei, sagte Auth. Auch bei einer persönlichen Begegnung vor vielen Jahren habe er den Eindruck gehabt, dass Dyba mit Missbrauchsvorwürfen gegen das Bistum „kalt, zurückweisend und und sehr unempathisch“ umgegangen sei.
SPD: Keine Eignung als Namenspatron
SPD-Fraktionsvorsitzende Wulff hatte den Antrag zur Umbenennung der Straße mit den Worten begründet: „Bischof Dyba eignet sich nicht als Namenspatron, weil Straßennamen Menschen ehren sollten, deren Wirken in unserer Gesellschaft unstrittig positiv erinnert werden kann. Das ist hier definitiv nicht der Fall.“
Im Sommer 2025 präsentierte eine unabhängige Kommission in Fulda ihren Abschlussbericht zum Ausmaß von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch im Bistum. Demnach habe es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 230 Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum gegeben. Die Kommission geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Auch während Dybas Amtszeit gab es Missbrauchsfälle
Grüne: „Kein Aushängeschild für Fulda“
Unterstützung erhielt der Antrag von den Grünen. Der mittlerweile nicht mehr amtierende Fraktionschef Ernst Sporer erklärte im vergangenen Jahr, dass Dyba zur Vertuschung von sexuellem Missbrauch beigetragen habe. Er kritisierte Dyba auch wegen dessen ablehnender Haltung zu Homosexualität und Schwangerschaftsabbrüchen: „Er war kein Aushängeschild für Fulda.“
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00:40 Min.||Thomas Kurella
Dyba, der auch Militärbischof war, polarisierte immer wieder mit provokanten Aussagen. Er wetterte gegen Homosexuelle. Abtreibung nannte er „Kinderholocaust“. Bei konservativen Katholiken genoss Dyba zugleich große Anerkennung.
Bischof Gerber: Geschichte nicht schönfärben und nicht umschreiben
Das Bistum Fulda hatte bereits vor der Abstimmung angekündigt, den Prozess der Meinungsbildung konstruktiv zu begleiten. Der amtierende Fuldaer Bischof Michael Gerber hatte Ende Mai unterstrichen, dass sich das Bistum seiner Verantwortung stelle und einen offenen und differenzierten Umgang mit der eigenen Geschichte als wesentlichen Auftrag verstehe.
Gerber sagte laut Mitteilung: „Wir wollen unsere Geschichte nicht schönfärben, wir wollen sie auch nicht umschreiben, denn Bischof Dyba ist und bleibt Teil der Kirchen- und der Stadtgeschichte.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/geteiltes-echo-zur-entscheidung-in-fulda-johannes-dyba-allee-behaelt-namen-von-umstrittenem-bischof-v2,dyba-allee-fulda-100.html





