Kultur

Neues Hallenkonzept, Tschechien als Gastland: Die Frankfurter Buchmesse 2026 stellt ihre Highlights vor

Neues Hallenkonzept, Tschechien als Gastland: Die Frankfurter Buchmesse 2026 stellt ihre Highlights vor

Wie kommt das Buch zur Leserin und zum Leser? Die Frankfurter Buchmesse will die Wege verkürzen und krempelt ihr Hallenkonzept kräftig um. Viel Raum gibt es wieder für politische Debatten – und für einen Abschied.



Zum letzten Mal: Direktor Juergen Boos stellt das Programm der 78. Frankfurter Buchmesse vor.
Bild © picture alliance/dpa | Florian Wiegand


Es ist kein leichter Moment für Juergen Boos. Zum letzten Mal wirft er bei dieser Pressekonferenz den Blick voraus auf eine Frankfurter Buchmesse unter seiner Leitung. „Eine sehr spezielle Situation“, sagt der 65-Jährige mit hörbarem Bedauern. „Ich werde es vermissen.“

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|Lars Hofmann

Bild © hessenschau.de|
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Zwanzig Jahre lang sei er als Direktor der Frankfurter Buchmesse der „alten Frage“ nachgegangen: „Wie finden Geschichten ihre Leserinnen und Leser?“ Die Antwort beginne mit „Begegnungen“, sagt Boos. Um dem Lesepublikum die Begegnung mit Autorinnen und Autoren leichter zu machen, krempelt die Buchmesse in diesem Jahr vieles um.

Populäre Publikumsverlage werden im Erdgeschoss der Hallen rund um die so genannte „Agora“, den zentralen Platz des Messegeländes, angesiedelt. Spezialverlage und Rechtehandel werden in die oberen Etagen verlegt. Fans von Romance, Fantasy und New Adult finden ihre Idole jetzt verteilt auf Festhalle, Agora und die Hallen 3 bis 5. Eine eigene „Crime World“ lockt in die Halle 5, Angebote für Kinder sind in Halle 4 und im Congress Centre zu finden.

„Wir waren überbucht“

Neben der Zugänglichkeit spielen bei dem neuen Hallenkonzept auch Sicherheitsaspekte eine Rolle, erklärt Juergen Boos: „Wir waren zuletzt überbucht.“ Jetzt gelte es, „große Publikumsmagneten“ im Erdgeschoss anzusiedeln.

Dazu gehört auch eine Vielzahl von Bühnen mit weit über 1.000 Autorinnen und Autoren, die dort auftreten. Auch die gemeinsame Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat bietet an allen Messetagen volles Programm.

Tschechien ist Ehrengast 2026

Gastland der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Tschechien mit dem rätselhaften Motto „Ein Land an der Küste“. Dahinter verbirgt sich William Shakespeares „Wintermärchen“, in dem Böhmen ans Meer verlegt wird.

Als „Küste der Fantasie“ präsentiert sich das Gastland in seinem Pavillon – mit aufblasbaren Kieselsteinen, Bojen und einem Leuchtturm, der literarische Zitate auf die Umgebung projiziert.

Mehrere Personen bewegen sich in einem futuristisch gestalteten Raum mit großen, organisch geformten und teilweise von innen beleuchteten Strukturen in Form von Kieselsteinen; am oberen Bildrand ist mittig eine rote Lichtkugel zu sehen.


Der Gastland-Pavillon verlegt Tschechien ans Meer.
Bild © JinJan studio


Aus Tschechien kommen 75 Autorinnen und Autoren nach Frankfurt, rund 150 Neuerscheinungen in deutscher Übersetzung werden präsentiert. Parallel zur Buchmesse gibt es in Frankfurter Museen zehn Ausstellungen zum Gastland Tschechien – von Kunst bis Architektur, von Archäologie bis Buchdruck.

Kulturkampf zur Eröffnung?

Für Kontroversen dürfte der Auftritt des tschechischen Kulturministers Oto Klempíř sorgen, der zusammen mit dem Bundesbeauftragten für Kultur, Wolfram Weimer (parteilos), zur Eröffnung der Buchmesse sprechen soll. Klempíř gehört der rechtspopulistischen „Motoristen“-Partei an und war in Tschechien zuletzt wegen seines Vorgehens gegen die öffentlich-rechtlichen Medien des Landes scharf kritisiert worden.

„Ich glaube, Tschechien ist nur ein Spiegel dessen, was in ganz Mitteleuropa und Westeuropa im Moment passiert“, so kommentiert Buchmesse-Direktor Juergen Boos auf hessenschau-Nachfrage die politische Entwicklung im Gastland Tschechien. „Die Auseinandersetzung damit werden die Autoren mitbringen“, sagt Boos.

So soll bei der Eröffnungsveranstaltung auch die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková sprechen, die sich in ihren Romanen immer wieder mit den dunklen Seiten der europäischen Geschichte auseinandersetzt.

Eine Frau in dunkler Lederjacke vor grauem Hintergrund


Spricht zur Eröffnung der Buchmesse: Die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková
Bild © Connor Jandourek Photostudio


„Frankfurt Calling“

Für kulturpolitische Debatten steht auch das Forum „Frankfurt Calling“, in dem internationale Gäste über Demokratie, Menschenrechte, weltweite Konflikte und die Folgen technologischer Entwicklungen debattieren. Erwartet werden hier unter anderem Ex-Vizekanzler Robert Habeck, der Friedenspreisträger Philippe Sands, die Historikerin Jill Lepore sowie Gisèle Pelicot und Wolf Biermann.

Das Privatpublikum kommt Freitag, Samstag und Sonntag

Mit Zahlen zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse hält man sich noch zurück. „Es werden noch Flächen verkauft“, sagt Buchmesse-Sprecher Tosten Casimir. Die Zahl der Aussteller bewege sich aber „auf Vorjahresniveau“. Im vergangenen Jahr waren es 4.350.

Fest steht aber, dass die 78. Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr vom 7. bis 11. Oktober ihre Tore öffnet, ab dem 9. Oktober auch für das allgemeine Publikum. Außerhalb des Messegeländes lädt zudem das traditionelle städtische Lesefest „Open Books“ ein, bei dem unter anderem der Gewinner oder die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2026 liest.

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/neues-hallenkonzept-tschechien-als-gastland-die-frankfurter-buchmesse-2026-stellt-ihre-highlights-vor-v1,buchmesse-erste-pk-inhalte-100.html

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