In Frankfurt sind in der Nacht Sprengsätze auf der Berger Straße und auf der Zeil detoniert. Die Polizei nahm einen 17-jährigen Tatverdächtigen fest. Die Behörden rechnen die Taten dem „Violence-as-a-Service“-Phänomen zu. Hessens Innenminister sieht im Anstieg der Fälle „eine neue Dimension“.
Auf der unteren Berger Straße sind die Spuren der Explosion deutlich zu erkennen.
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Gegen 4.20 Uhr am Donnerstagmorgen gab es laut Polizei zwei Explosionen in Frankfurt. Nach ersten Erkenntnissen explodierten Sprengsätze vor einem Acai-Café auf der Berger Straße im Stadtteil Nordend zwischen Herderstraße und Baumweg sowie vor einer Shisha-Bar auf der Zeil nahe dem Bürgeramt. Beide Gebäude wurden stark beschädigt, mehrere Scheiben gingen zu Bruch.
„Das war wie im Krieg“
Die Detonation im Café „Rio“ war so mächtig, dass auf der Berger Straße auch eine gegenüberliegende Suppenbar, eine angrenzende Sparkasse und mindestens ein parkendes Auto beschädigt wurden. Zahlreiche Menschen wurden durch den Detonationslärm aus dem Schlaf gerissen.
„Der Knall war extrem laut. Das war wie im Krieg“, berichtete eine Anwohnerin. „Ich habe so was noch nie gehört. Das ging durch den ganzen Körper durch“, fügte sie hinzu. Dabei wohne sie nicht einmal direkt neben dem Tatort, sondern um die Ecke in einer Seitenstraße.
Video
00:31 Min.|hessenschau.de
Überwachungskamera filmt Täter: Hier explodiert die Frankfurter Shisha-Bar

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Eine zweite Anwohnerin sagte, sie habe unmittelbar nach der Explosion mit ihrem Freund einen Mann in einem Hoodie gesehen, der sich in der Hecke eines Hofes versteckt habe. Ihr Freund habe die Polizei angerufen.
Überwachungskamera filmt Moment der Explosion
Der zweite Sprengsatz detonierte kurz nach der ersten Explosion nur wenige hundert Meter entfernt vor der Shisha-Bar „Truth“ im östlichen Bereich der Zeil in der Innenstadt. Verletzt wurde in beiden Fällen niemand.

Explosion am „Truth“-Cafe in Frankfurt
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Ein Video aus einer Überwachungskamera zeigt einen Mann und den Moment der Sprengung. Kurz vor der Detonation sprühte der schwarz gekleidete Mann einen roten Schriftzug mit dem Wort „Drogendieb“ auf den Gehweg.
Tatverdächtiger festgenommen
Im Rahmen der eingeleiteten Fahndung nahm die Polizei einen 17-jährigen niederländischen Tatverdächtigen in der Nähe des Tatortes an der Berger Straße fest. Er soll am Freitag einem Haftrichter vorgeführt werden, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
Die Frankfurter Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, unterstützt wird sie dabei vom Hessischen Landeskriminalamt. Neben den beiden Taten vom Donnerstag beziehen die Ermittler auch drei ähnlich gelagerte Fälle der vergangenen Tage in Frankfurt-Bockenheim, in Frankfurt-Sachsenhausen und in Offenbach ein. Nach der Explosion in Sachsenhausen wurde ein 15 Jahre alter Tatverdächtiger festgenommen, er kam in U-Haft.
Staatsanwaltschaft geht von „Violence as a Service“ aus
„So viel kann schon gesagt werden: Diese Taten können ganz offensichtlich dem Phänomen „Violence as a Service“ zugeordnet werden“, sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Dominik Mies am Donnerstag. „Auch hier wurden wieder niederländische Jugendliche rekrutiert und mit Autos nach Deutschland gefahren um diese Sprengstoffanschläge zu verüben“, so Mies.
Ob zwischen den insgesamt fünf Taten weitere Zusammenhänge bestehen, sei ein Schwerpunkt der Ermittlungen, hieß es. An potenzielle Täter richtete die Staatsanwaltschaft die „klare Ansage, solche Taten besser nicht zu begehen“. Man werde entschlossen eingreifen und mit Hochdruck ermitteln, so Oberstaatsanwalt Mies.
Poseck: „Taten richten sich nicht gegen unbescholtene Bürger“
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sprach in der hessenschau von „einer neuen Dimension innerhalb der organisierten Kriminalität“, die sich in den aktuellen Taten zeige. Der Anstieg der Taten betreffe nicht nur Hessen, sondern auch andere Bundesländer wie etwa Nordrhein-Westfalen.
„Diese Taten richten sich nicht gegen unbescholtene Bürger, in der Regel auch nicht gegen Leib und Leben, sondern sie sollen Furcht und Schrecken innerhalb der organisierten Kriminalität hervorrufen“, so Poseck. Daher sei jedoch eine Schwierigkeit bei den Ermittlungen, „dass die Opfer nicht immer kooperativ sind, weil sie manchmal auch kriminellen Milieus angehören“.
Nun setze man alles daran, „diese Serien zu durchbrechen“ und in Zusammenarbeit mit den niederländischen Behörden die „Hintermänner“ zur Rechenschaft zu ziehen.
Ähnliche Fälle bereits Anfang des Jahres
Vor der aktuellen Serie an Explosionen gab es im Rhein-Main-Gebiet bereits im vergangenen Herbst mehrere ähnliche Fälle. Im März war daraufhin ein 20-jähriger Niederländer festgenommen worden, der an mehreren Explosionen beteiligt gewesen sein soll.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/nach-explosionen-in-frankfurt-polizei-nimmt-17-jaehrigen-fest-v8,explosionen-frankfurt-100.html


