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Zehn Jahre Bischof: Wie Georg Bätzing das Bistum Limburg verändert hat

Zehn Jahre Bischof: Wie Georg Bätzing das Bistum Limburg verändert hat

Vor zehn Jahren übernahm Georg Bätzing ein Bistum in der Krise: Der Finanzskandal seines Vorgängers Franz-Peter Tebartz-van Elst hatte das Vertrauen der Katholiken über Limburg hinaus erschüttert. Bätzing gewann es zurück, doch die Herausforderungen bleiben.

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|Benjamin Müller

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Bescheiden, aber selbstbewusst, bodenständig, aber auch weltoffen, meist leise im Ton, aber bestimmt in der Sache, dabei sympathisch, fröhlich und humorvoll: Wenn in den vergangenen zehn Jahren über Georg Bätzing berichtet wurde, dann oft in Form von Lobeshymnen.

Am 18. September 2016 wurde der heute 65-Jährige Bischof des katholischen Bistums Limburg. Seine ersten Worte an die Menschen im Bistum waren Bätzing-typisch: „Da bin ich, jetzt habt ihr mich.“

Bewusst nicht in Bischofsgemächer gezogen

Die Aufgabe des ehemaligen Trierer Generalvikars war immens: 2014 war Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zurückgetreten, weil er die Öffentlichkeit über die Kosten von am Ende 31 Millionen Euro für den Umbau seiner Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg getäuscht hatte.

Institutionell war die Krise in Limburg bei Bätzings Amtsantritt zwar schon weitgehend aufgearbeitet, doch der Bischof wusste, dass das Vertrauen erst wieder aufgebaut werden musste.

„Vertrauen über gemeinsame Erfahrungen neu aufbauen“

Der promovierte Theologe Bätzing zog bewusst nicht in die Bischofsgemächer, nur sein Büro liegt nebenan. Er lebt in einem Haus am Fuß des Schafsbergs, radelt gerne zum Amtssitz auf den Domberg und kauft nach wie vor auch selbst in der Stadt ein.

„Man kann Vertrauen, das verloren ist, nicht zurückgewinnen, man kann es nur zusammen in gemeinsamen Erfahrungen neu aufbauen“, betont er. Eine Herausforderung, der sich der Sohn eines Eisenbahners stellte. Sie sollte aber nicht die einzige bleiben.

Studie zu sexuellem Missbrauch erschüttert Kirche

2018 erschien eine Studie zu sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche in Deutschland, die belegte, dass zwischen 1946 und 2014 in allen Bistümern mindestens 3.677 Minderjährige betroffen waren. Die Autoren gingen dabei von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

„Das hat hier viele Menschen im Haupt- und Ehrenamt zutiefst erschüttert“, weiß Bätzing. „Und es war klar, hier müssen wir etwas Grundlegendes tun.“

Mit dem Projekt „Betroffene Hören, Missbrauch verhindern“ wollte das Bistum – auch mit Hilfe von außen – seine Vergangenheit aufarbeiten. Zudem entwickelte es 60 Maßnahmen, die den institutionellen Missbrauch in Zukunft verhindern sollen. So gibt es nun zum Beispiel eine Meldestelle, die mit Menschen besetzt ist, die nicht für die Kirche arbeiten.

Bätzings Ziel: Bedeutung der Kirche erhalten

Ein weiterer Schwerpunkt von Bätzings Zeit im Bistum war und ist der Synodale Weg, also der Reformprozess der Katholischen Kirche in Deutschland. Diesen versuchte er auch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz voranzutreiben. Das Amt übernahm er 2020 für sechs Jahre als Nachfolger von Münchens Erzbischof Kardinal Reinhard Marx.

Auch hier trat er meist moderat und moderierend auf, immer mit dem Ziel, die Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft zu erhalten.

Im Gedächtnis blieben aber auch seine immer wieder formulierte Kritik am mangelnden Reformwillen der Katholischen Kirche, was die Rolle der Frau oder das Zölibat angeht, oder sein Protest gegen das päpstliche Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare. In Rom fand Bätzing damit allerdings wenig Gehör.

Kirche verzeichnet dramatischen Mitgliederverlust

In Deutschland blieb das Vertrauen in die Katholische Kirche derweil erschüttert – neben dem demografischen Wandel eine der Ursachen für den dramatischen Mitgliederverlust allein im Bistum Limburg: Vor zehn Jahren lebten nach Angaben des Bistums dort noch 630.000 Katholiken. Diese Zahl ist bis 2025 auf 486.000 geschrumpft.

Dabei litt Bätzings eigene Glaubwürdigkeit zwischenzeitlich ebenfalls: Im Jahr 2020 ernannte er einen Priester trotz bekannter Vorwürfe wegen sexueller Belästigung zum Bezirksdekan. Dies wurde im Mai 2022 durch eine Recherche der Wochenzeitung Die Zeit öffentlich (Link mit Bezahlschranke).

Bätzing und das Bistum Limburg verteidigten die Beförderung zunächst: Der Mann habe „Einsicht und Reue“ gezeigt, sich entschuldigt und eine kirchenrechtliche Sanktion verbüßt. Später räumte Bätzing ein, falsch gehandelt zu haben. Der Priester trat zurück.

Schwer getroffen zeigte sich Bätzing vom Suizid des Leiters des Limburger Priesterseminars im selben Jahr. Einen Tag zuvor hatte Bätzing ihn angehört und von allen Aufgaben freigestellt, da ihm unter anderem übergriffiges Verhalten vorgeworfen wurde.

Kirche muss sparen – Herausforderungen bleiben

Die Herausforderungen bleiben: Jährlich muss das Bistum rund ein Drittel des Haushalts einsparen, das entspricht rund 101 Millionen Euro im Jahr. Kirchen und Gemeindehäuser werden zusammengelegt oder geschlossen und es muss auch inhaltlich priorisiert werden, was die Katholische Kirche noch leisten kann und was nicht.

„Deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht und in den letzten zwei Jahren bewusst ein Leitbild formuliert, wer wir sein wollen“, erklärt Bätzing. Die Prioritäten lägen dabei auf Vielfalt und gemeinsamem Glauben.

Keine „Kirche im Rückzug“

Bätzing will keine „Kirche im Rückzug“ sein, wie er sagt. Die Kirche befinde sich in einem schmerzhaften Umbruch. Sie dürfe aber nicht ängstlich sein und fragen, was aus ihr werde. Sie müsse sich stattdessen fragen, wie sie den Menschen am besten nütze.

Und so schaut der Bischof, trotz aller Probleme, nach eigenen Worten positiv auf die nächsten Jahre im Bistum Limburg.

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/zehn-jahre-bischof-wie-georg-baetzing-das-bistum-limburg-veraendert-hat-v1,baetzing-jubilaeum-100.html

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