Younes Ebnoutalib feiert sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft. Der Eintracht-Angreifer setzt im Spiel in den Niederlanden eine schnelle Duftmarke, nimmt es mit einer Kante auf und zeigt Herz. Viel Herz.

Younes Ebnoutalib behauptet den Ball gegen Virgil van Dijk.
Bild © IMAGO
Es soll nicht wenige Leute im Umfeld und bei Eintracht Frankfurt selbst geben, die ihren Fernseher am Donnerstagabend seinetwegen angeschaltet haben. Nein, nein, nicht wegen Jürgen Klopp, dem Messias…, äh, neuen Bundestrainer. Sondern wegen Younes Ebnoutalib. Eintracht-Profi, gebürtiger Frankfurter, einer aus dem Herzen von 069, Spitzname Nordi (nach der Nordweststadt), und seines Zeichens DFB-Debütant.
Um 21.15 Uhr war es so weit, betrat der Angreifer früher als erwartet und voller Stolz den Rasen der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam. Das Lächeln im Gesicht, es hätte nicht breiter sein können. Selbst Klopp bekam Schwierigkeiten, da mitzuhalten. Ebnoutalib, der für den angeschlagenen Kai Havertz nach einer halben Stunde eingetauscht wurde, brauchte nicht lange, um sich einzuführen in die Nations-League-Partie gegen die Niederlande (1:1). Keine 60 Sekunden waren vorbei, als er den Ball stramm mit links auf des Gegners Kasten schoss. Kein Tor und doch ein Mini-Ausrufezeichen.
Audio
02:13 Min.|
Ein Schuss und viel Herz
Und Ebnoutalib spielte danach, wie er fast immer spielt. Nicht mit der allerbesten Technik, auch nicht mit dem höchsten Verständnis für taktische Wege, aber mit Herz. Mit viel Herz. Der Führende in der Bundesliga-Torschützenliste (vier Treffer) half hinten aus, wenn er einen Ball verlor. Und er eilte vorne am viele Jahre besten Verteidiger der Welt, Virgil van Dijk, vorbei, als würde er im Training – sagen wir – Otavio stehen lassen. Kurzum: Er versteckte sich nicht. „Ein Top-Spiel“ habe Ebnoutalib gemacht, so Chef Klopp.
In seinen 60 Minuten sammelte Ebnoutalib 25 Ballkontakte und in den direkten Duellen mit Liverpool-Ikone van Dijk kaum weniger blaue Flecken. Da trafen schon zwei echte Kanten aufeinander, nicht nur einmal schepperte es. Kurz vor Schluss verfehlte er mit einem Kopfball das Tor noch einmal recht knapp. Das Debüt wird ihm gewiss für immer in Erinnerung bleiben. Es war nicht weniger als der nächste Höhepunkt in einer an Höhepunkten zuletzt nicht gerade armen Karriere.
Eine Cinderella-Story
Im Vorfeld hatten sich die Medien ja bereits bundesweit auf die Cinderella-Story gestürzt, auf das, was nicht nur der hr-sport schon mehrfach als Märchen bezeichnete. Vor nicht mal zwei Jahren noch Viertliga-Kicker in Gießen, ehe über Elversberg und Frankfurt der rasante Aufstieg bis zum vorläufigen Höhepunkt bei der Nationalmannschaft folgte. „Verrückt, ein bisschen wie im Film“, kommentierte Ebnoutalib am ARD-Mikro. Als Klopp den Angreifer das erste Mal wahrnahm, beim 3:3 gegen Dortmund im Januar, als Ebnoutalib erst den Ball mit der Sohle streichelte und dann mit dem Vollspann unter die Latte knallte, fragte er sich hinterher: „Wo haben die den denn her?“
Was immer ein wenig untergeht, ist, dass neben einer Portion Glück und den richtigen Förderern das Allermeiste auf knüppelharter Arbeit beruht. Körperlich kam Ebnoutalib so fit wie nie aus der Sommerpause, mental wirkt er ohnehin gefestigt von seinen vielen Rückschlägen in den vergangenen Jahren. „Er ist ein Riesenvorbild für alle jungen Fußballer“, sagte dieser Tage der ehemalige Eintracht-Profi und Ex-Ebnoutalib-Trainer Daniyel Cimen dem hr-sport: „Insbesondere was Mentalität, Einstellung und Mindset angeht.“ Zu bestaunen unter anderem am Donnerstag in Amsterdam.
Audio
01:26 Min.|
„Seine zweite Heimat war der Sportplatz“
Auch Rudi Gerstenbrand, Ebnoutalibs frührerer Jugendtrainer in Heddernheim, merkte im Gespräch an, dass der heute 23-Jährige schon als kleiner Younes ständig nur gekickt habe. „Er war vor dem Training da, er war nach dem Training da. Seine zweite Heimat war der Sportplatz.“ All diese Mühe zahlt sich jetzt aus.
Der Younes Ebnoutalib von heute ist dennoch immer noch ein Stück weit der Younes Ebnoutalib von damals. „Ein typischer Frankfurter“, wie er selbst sagt, „ein Kämpfer“. Einer, der nicht lange klagt, sondern einfach macht. Der sich in Interviews nicht verstellt, sondern er selbst bleibt. Dessen Strahlen manchmal mehr aussagt als anderer Worte. Wie bei der Einwechslung um 21.15 Uhr am 24. September 2026 – der bisher wohl besonderste Tag im besonderen Leben des Younes Ebnoutalib.

Bild © IMAGO / Jan Huebner
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt/eintracht-profi-younes-ebnoutalib-mit-dfb-debuet-cinderella-story-made-in-069-v1,eintracht-ebnoutalib-dfb-100.html

