Die HSG Wetzlar hat in der Handball-Bundesliga nach sechs Spieltagen erst einen Punkt auf der Habenseite. Damit steht jetzt schon fest, dass es um kaum mehr gehen kann als den Klassenerhalt. Doch selbst dafür braucht es eine klare Leistungssteigerung. Vor allem in einem bestimmten Mannschaftsteil.

Am Boden: Georg Löwen von der HSG Wetzlar beim Auswärtsspiel in Hamburg
Bild © IMAGO / Claus Bergmann
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00:39 Min.|Mathies Hohm
Dass es eine schwierige und nervlich aufreibende Spielzeit für die HSG Wetzlar werden dürfte, war allen Verantwortlichen schon vor der ersten Partie der neuen Handball-Saison klar. Wie schwer es tatsächlich werden dürfte, war dann schon genau nach der Auftakt-Begegnung zu erahnen. Da setzte es eine 33:35-Niederlage gegen Aufsteiger SG BBM Bietigheim. Dass fünf Spiele später noch kein Sieg zu verzeichnen ist und man mit nur einem gewonnen Zähler auf dem vorletzten Rang der Tabelle liegt, ist dann allerdings nichts weniger als der schlechteste Saisonstart seit über eineinhalb Jahrzehnten.
Schlechteste Abwehr der Liga
Noch mehr als diese Zahlen alarmiert allerdings, gegen welche Gegner diese magere Punkteausbeute zustandegekommen ist. Bis auf Meister Magdeburg und den VfL Gummersbach stammten alle Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Die 32:37-Niederlage am Sonntag beim bis dahin punktgleichen Handball-Club aus Hamburg steht auf viele Weisen symbolisch für den sportlichen Zustand bei der HSG. Zwei Fragen drängen sich auf: Gegen wen wollen die Mittelhessen gewinnen, wenn nicht gegen maximal ebenbürtige Mannschaften wie die Hanseaten? Und wie bekommt man das Team stabilisiert, das vor allem in der Abwehr große Probleme aufweist?
Mit 208 Gegentreffern, also über 34 Toren pro Spiel, ist man klares Schlusslicht der Liga. Ein grundsätzliches Problem in der Mannschaftszusammenstellung? „Ich glaube nicht, dass es an der Qualität des Kaders liegt“, widersprach Rückraumspieler Dominik Mappes beim Sender DYN. „Aber man muss sehen, dass wir wieder sechs, sieben neue Spieler haben, die noch nie in der Bundesliga gespielt haben. Das merkst du in den Crunchtime-Phasen.“ Auch hier ist das Spiel in Hamburg symptomatisch, wo die HSG bis zur 53. Minute mit 30:30 auf Augenhöhe war, danach aber völlig einbrach.
Hoffnung auf den Lerneffekt
Im Abstiegskampf braucht es aber Stabilität, speziell in der Abwehr. Hier dürfte in den nächsten Tagen und Wochen das Hauptaugenmerk von Trainer Runar Sigtryggson liegen. Der Isländer wird für seine ruhige Art geschätzt. Ein Charakterzug, der in dieser Phase helfen kann, aber nicht muss. Denn Geduld wird man in Wetzlar brauchen, um das Entwicklungspotenzial in der Mannschaft zu heben. Doch die Zeit kann auch schnell gegen das Team laufen, sollten nicht alsbald die nötigen Punkte aufs Konto kommen. „In der letzten Saison hatten wir nach dem guten Start ja eine ähnliche Situation“, erinnert sich Mappes. „Ich hoffe, wir haben daraus gelernt und können aus dieser Negativ-Serie etwas Positives schöpfen.“
Der erste Lerneffekt muss sein, die eigenen Fehler zu minimieren. Auch hier dient das Hamburg-Spiel als Anschauungsunterricht. „Wir machen im Sieben-gegen-Sechs zwei technische Fehler, einen davon mache ich, und dann bekommen wir zwei Treffer ins leere Tor“, äußert sich Mappes selbstkritisch. „Sowas darf uns nie passieren.“ Stimmt. Derartige Einladungen an den Gegner dürfen zukünftig keine mehr verteilt werden.
Klassenerhalt so früh wie möglich klarmachen
Auch nicht an die Rhein-Neckar-Löwen, die am Freitagabend (19 Uhr) in der Wetzlarer Arena zu Gast sein werden und mit 6:6 Punkten deutlich besser in die Saison gefunden haben als ihre Gastgeber. „Wir werden weiter hart arbeiten“, übt sich Mappes in Durchhalteparolen. „Wir müssen weitermachen. Es bringt ja jetzt nichts aufzuhören.“
Dass die Mannheimer in der Tabelle ein ganzes Stück weiter vorne stehen als die HSG, muss dabei kein Angstmacher sein. Vielmehr könnte die Rolle des Underdogs sogar helfen, eventuell einen Überraschungserfolg zu landen. Die Partie zu einem Schicksalsspiel auszurufen, wäre zu viel. Panik herrscht in Wetzlar noch keine. Aber erhöhte Vorsicht ist auch in dieser frühen Phase der Saison allemal geboten, um nicht wie in der vergangenen Spielzeit erst mit der allerletzten Schlusssirene den Klassenerhalt perfekt zu machen.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/handball/hsg-wetzlar/verpatzter-saisonstart-der-hsg-wetzlar—panik-nein-erhoehte-vorsicht-ja-v1,wetzlars-schlechter-saisonstart-100.html




