Wirtschaft

Biontech in Marburg: Standort schließt – 540 Arbeitsplätze betroffen

Biontech in Marburg: Standort schließt – 540 Arbeitsplätze betroffen

Die Hoffnungen auf einen Verkauf des Marburger Biontech-Standorts haben sich zerschlagen. Das Pharmaunternehmen hat keinen Investor gefunden und schließt sein Werk endgültig. Betroffen sind 540 Arbeitsplätze.

Bürogebäude mit Aufschrift Biontech


Biontech baute in Marburg während der Pandemie ein Werk auf
Bild © Anna Spieß


Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech wird seinen Standort in Marburg Anfang 2028 endgültig schließen. Wie Biontech am Montag mitteilte, hat es keinen Käufer für seine deutschen Produktionsstandorte gefunden. Dazu gehören neben Marburg auch Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) und Tübingen (Baden-Württemberg). Damit bestätigte das Unternehmen entsprechende Informationen der hessenschau.

Von der Schließung betroffen sind rund 540 Beschäftigte in Marburg. Ein Sprecher teilte mit, man habe mit dem Betriebsrat „sozialverträgliche Lösungen“ vereinbart, „die die besonderen Herausforderungen einer Standortschließung anerkennen und die Mitarbeitenden in dieser Situation bestmöglich unterstützen sollen.“

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|Fabian Schmidt

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Biontech hatte schon im Mai angekündigt, mehrere Produktionsstandorte zu schließen und weltweit bis zu 1.860 Stellen abzubauen. Ende August hieß es noch von Biontech, man wolle nach möglichen Käufern für den Standort Marburg suchen.

Betriebsrat: „Massiv Vertrauen verloren“

Der Betriebsrat hatte einen Verkauf des Standorts gefordert. Er setzt sich dafür ein, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Dem hr sagte ein Betriebsratsmitglied am Montag, der Prozess wirke undurchsichtig: Man habe den Eindruck, Biontech wolle den Standort Marburg gar nicht verkaufen. Die Belegschaft habe „massiv Vertrauen verloren“.

Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) hatte Biontech zuletzt mangelnde Transparenz vorgeworfen und mehr Klarheit über laufende Gespräche verlangt. „Bevor Arbeitsplätze abgebaut werden und ein leistungsfähiger Standort aufgegeben wird, muss Biontech zeigen, dass wirklich alles für eine Weiterführung getan wird“, sagte Sabine Süpke, Leiterin des IG-BCE-Landesbezirks Hessen-Thüringen, Anfang August.

Oberbürgermeister: „Ganz schwere Situation“

Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) sprach am Montag in hr1 von einer „ganz schweren Situation“ für die Beschäftigten bei Biontech. Nicht nur sie hätten mit dem Jobverlust zu kämpfen, sondern auch ihre Familien. „Die Kinder sind in der Schule oder im Kindergarten integriert, Lebenspartner haben hier ihren Arbeitsplatz.“

Die Biontech-Beschäftigten seien hochqualifiziert, ergänzte Spies. „Da bestehen große Chancen, dass sie anderweitig Arbeit finden – aber vermutlich nicht in Marburg.“ Früher sei es in einer solchen Situation einfacher gewesen, in anderen Unternehmen am Pharmastandort Marburg einen neuen Job zu finden. „Das ist in der gegenwärtigen Situation sehr viel schwieriger, weil auch andere Arbeitsplätze abgebaut haben“, erklärte Spies. Mehrere Marburger Pharmaunternehmen hatten zuletzt Stellen gestrichen. Man versuche deshalb, neue Unternehmen in die Stadt zu holen und Gründungen zu fördern, sagte Spies.

Eine der größten mRNA-Produktionsstätten Europas

Spies betonte mit Blick auf mögliche Pandemien, es sei ein Problem für ganz Deutschland und Europa, wenn ein so großer Standort für die Impfstoffherstellung wegfalle. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man ernsthaft davon abhängig sein will, ob Donald Trump einem bei der nächsten Pandemie Impfstoffe abgibt.“ Ein solcher Standort müsse in Europa erhalten werden, forderte Spies.

Das Marburger Biontech-Werk gehört zu den größten mRNA-Produktionsstätten Europas. Biontech hatte den Standort 2020 während der Corona-Pandemie vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und umfassend modernisiert. Mittlerweile ist die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoff stark rückläufig.

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Quelle: https://www.hessenschau.de/wirtschaft/biontech-in-marburg-standort-schliesst—540-arbeitsplaetze-betroffen-v4,biontech-marburg-122.html

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