25 Euro pro erlegtem Waschbär – das will die mittelhessische Gemeinde Selters Jägern zahlen. Die Jagd der invasiven Art sei für sie besonders aufwendig. Naturschützer sind skeptisch.

Waschbären im Zwetschgenbaum in Hungen (Gießen). (Archivfoto)
Bild © Christina Marx
Audio
00:41 Min.|Benjamin Müller
Selters (Limburg-Weilburg) will die Ausbreitung von Waschbären eindämmen und unterstützt dabei künftig Jäger finanziell. Für jeden erlegten Waschbären soll eine Prämie von 25 Euro gezahlt werden.
Anspruch darauf haben Jagdpächter der Jagdreviere der Gemeinde. Bekämpft werden soll der Waschbär vor allem dort, wo es bereits Hinweise auf Vorkommen der Tiere gibt.
Volle Zustimmung im Gemeindeparlament
Die Prämie hatte die SPD-Fraktion zur Bekämpfung der invasiven Art vorgeschlagen. Die Gemeindevertreter stimmten dem Antrag in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig zu, wie Bürgermeister Benjamin Zabel (unabhängig) dem hr sagte.
Die Gemeinde versteht die Zahlung als Aufwandsentschädigung. Denn die Fang-Jagd sei für die Jäger mit erheblichem zeitlichem und organisatorischem Aufwand verbunden. Dieser Aufwand wird den Angaben nach bislang von den Jagdpächtern unentgeltlich getragen.
Jäger müssen erlegte Waschbären nachweisen
Voraussetzung für die Prämie ist, dass der Waschbär ordnungsgemäß in einer zugelassenen Falle gefangen und danach fachgerecht entsorgt wird. Darüber sollen die Jagdpächter einen Nachweis bringen. Die Verwaltung soll nun ausarbeiten, wie dieser genau aussehen und wie die Abrechnung erfolgen soll.
Dem Landesjagdverband ist nach eigenen Angaben bislang aus anderen hessischen Landkreisen oder Kommunen keine Prämie oder Aufwandsentschädigung für die Erlegung von Waschbären bekannt. Selters ist offenbar die erste Gemeinde mit einem Kopfgeld auf Waschbären.
Waschbären können Gebäude beschädigen
Hintergrund der Maßnahme sind laut Gemeinde die zunehmenden Probleme mit Waschbären. Die Tiere sind eine Gefahr für heimische Tierarten. Besonders Vögel und Amphibien stehen durch die wachsende Population unter Druck.
Außerdem verursachen Waschbären Schäden an Gebäuden, indem sie in Dachböden und Gärten eindringen. Eine konsequente Bejagung liege daher im öffentlichen Interesse, hatte die SPD Selters argumentiert.
Sie rechnete in ihrem Vorschlag vor, dass bei 100 erlegten Tieren im Jahr Kosten von 2.500 Euro entstünden. Das Geld solle im Forst-Haushalt veranschlagt werden.
Naturschützer fordern Prävention statt Jagd
Naturschützer sind bei der intensiven Bejagung von Waschbären skeptisch. Die Bekämpfung der Tiere sei sehr aufwendig und ende nie. „Werden Waschbären weggefangen, wandern in kurzer Zeit neue Tiere nach“, teilte der Nabu Hessen mit. Die Jagd oder der Fang von Waschbären führe daher zu keinem deutlichen Rückgang der Population.
Statt auf den Abschuss zu setzen, fordert der Nabu vor allem präventive Maßnahmen. Dazu gehört, Nahrungsquellen in Siedlungen – wie offene Mülltonnen – unzugänglich zu machen und Einstiege an Gebäuden und Dachböden zu verschließen.
Schonzeit für Waschbären abgeschafft
Zum April dieses Jahres hatte die Landesregierung die Schonzeit unter anderem für Waschbären abgeschafft. Diese galt bis dahin für erwachsene Tiere von März bis Ende Juni.
Nach Angaben des Landesjagdverbands war die Schonzeit kontraproduktiv. „Der gesetzliche Elterntierschutz aus dem Bundesjagdgesetz bleibt bestehen, aber die Populationskontrolle wird erleichtert“, hatte der Verband mitgeteilt.
Neuer Rekord bei erlegten Waschbären
Jägerinnen und Jäger haben dem Verband zufolge im Jagdjahr 2024/25 (1. April bis 31. März des Folgejahres) deutschlandweit 284.220 Waschbären getötet – etwa doppelt so viele wie vor zehn Jahren und zehnmal so viele wie vor 20 Jahren.
Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Allein in Hessen wurden im Jagdjahr 2024/25 41.145 Waschbären erlegt – Tendenz steigend.
Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?
An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Ende des externen Inhalts
Unter der invasiven Art leiden demnach besonders Frösche, Kröten und Molche. Der nordamerikanische Kleinbär trage zum lokalen Aussterben von Lurchen bei, so der Jagdverband. Die Waschbär-Jagd sei deshalb ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.
Sendung:
hr4,
Quelle: hessenschau.de/Benjamin Müller
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/selters-beschliesst-kopfgeld-auf-waschbaeren—jaeger-werden-entlohnt-v1,waschbaeren-kopfgeld-100.html



