Ein Angriff im Cockpit, ein schwer verletzter Pilot und ein Flugzeug im Sturzflug: Der Flydubai-Flug nach Tel Aviv ist am Mittwoch nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ein langjähriger Lufthansa-Pilot aus Frankfurt erklärt, wie Crews auf solche Extremsituationen vorbereitet werden.

Ein anderes Flugzeug von FlyDubai brachte die notgelandeten Passagiere weiter nach Tel Aviv.
Bild © picture alliance/dpa/AP | Ohad Zwigenberg
Am Mittwoch ist es bei einem Angriff im Cockpit einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv beinahe zu einer Katastrophe gekommen. 174 Menschen waren an Bord, als der aus Oman stammende Co-Pilot nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf den indischen Kapitän einstach. Die Maschine verlor daraufhin fast 14.000 Fuß Höhe in weniger als 30 Sekunden.
Dem schwer verletzten Kapitän gelang es noch, die verriegelte Cockpit-Tür zu öffnen. Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten den Co-Piloten überwältigen. Eine zweite Flydubai-Crew, die sich an Bord befand, landete das Flugzeug sicher im saudi-arabischen Tabuk. Motiv und Hintergründe der Tat sind noch unklar. Israelische Regierungsvertreter sprechen von einem versuchten dschihadistischen Terroranschlag.
hessenschau.de hat mit dem langjährigen Lufthansa-Piloten Hans Rahmann über den Vorfall gesprochen. Der Frankfurter war 37 Jahre lang Lufthansa-Pilot. Rahmann erklärt, wie die verriegelte Cockpit-Tür von innen geöffnet werden kann und wie Piloten in ihrer Ausbildung auf Ausnahmesituationen vorbereitet werden.
Die Fragen stellte hr1-Moderator Jürgen Rasper.

Heinz Rahmann war 37 Jahre Lufthansa-Pilot
Bild © privat
Herr Rahmann, der Angreifer konnte von Passagieren überwältigt werden, die in das Cockpit gelangt waren. Wie konnte der schwer verletzte Pilot die Tür von innen öffnen?
Hans Rahmann: Es gibt einen kleinen Schalter am sogenannten Center-Pedestal, also in dem Bereich, der in der Mitte zwischen den Piloten ist. Dort kann man die Tür aufschließen, also entriegeln, und dann ist sie von außen zu öffnen.
Das heißt also, die Öffnung von innen ist in dem Sinne nicht schwer.
Rahmann: Nein.
Werden Piloten auf eine solche Ausnahmesituation wie die, die sich gestern ereignet hat, speziell vorbereitet?
Rahmann: Also, seitdem es Flugzeugentführungen gibt, die über das Cockpit gelaufen sind, werden Piloten selbstverständlich auf diese Situation vorbereitet. Das wird sicherlich bei den einzelnen Fluggesellschaften unterschiedlich gehandhabt, aber grundsätzlich ist diese Vorbereitung da.
Können Sie uns sagen, wie die Vorbereitung darauf aussieht?
Rahmann: Der wesentliche Punkt ist der, dass man innerlich darauf vorbereitet wird, dass so eine Situation passieren kann. Denn ob jemand von hinten das Cockpit stürmt oder etwas anderes passiert, das sind ja alles Einzelheiten. Aber grundsätzlich ist die mentale Vorbereitung sicherlich da. Wenn man sich darauf vorbereitet hat, weiß man auch, wo ein Schalter ist, um bestimmte Dinge zu machen, also zum Beispiel die Tür zu öffnen.
Wer nach Israel fliegt, weiß, dass er bis ins kleinste Detail kontrolliert wird. Wie, fragt man sich, konnte der Angreifer also ein Messer mit in die Kabine nehmen?
Rahmann: Das ist ein Rätsel, das ich nicht beantworten kann. Es wäre schön, wenn man das wüsste. Denn die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem, gerade bei Flügen nach Israel. Wie weit da in Dubai irgendetwas nicht gut gelaufen ist, das muss man abwarten. Das wird sicherlich eine der großen Fragen sein, die jetzt noch beantwortet werden müssen.
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Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/angriff-auf-flydubai-piloten-ex-lufthansa-pilot-erklaert-wie-sich-crews-auf-notfaelle-vorbereiten-v1,interview-pilot-100.html

