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HR FRAGT: Wenn der Behördenkontakt zur Geduldsprobe wird

HR FRAGT: Wenn der Behördenkontakt zur Geduldsprobe wird

Formulare, lange Bearbeitungszeiten, schwer erreichbare Ansprechpartner: Viele aus der HR-FRAGT-Community erleben den Kontakt mit Behörden als mühsam. Was die Befragten besonders nervt und was sie sich von den Behörden wünschen.

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03:15 Min.
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HR FRAGT: Wie bürokratisch ist Hessen?

Formulare

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Ein Formular ausfüllen, einen Nachweis besorgen, noch einmal nachfragen – und dann heißt es erst mal warten. Eigentlich soll ein Antrag bei der Behörde dafür sorgen, dass etwas vorangeht. Oft wird daraus aber eine echte Geduldsprobe. Manchmal sogar mehr als das.

Das Urteil der HR-FRAGT-Community fällt deutlich aus: 76 Prozent der 4.507 Teilnehmenden bewerten den bürokratischen Aufwand bei Ämtern und Behörden in Hessen als „hoch“ oder „eher hoch“. Nur 18 Prozent halten ihn für angemessen.

hr-Umfrage: Wie bewerten Sie den Bürokratie-Aufwand in Hessen?


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BAföG-Antrag: „Ich musste aufgeben“

Der Aufwand kostet Zeit und manchmal auch die Energie, eine Sache weiterzuverfolgen. Vier von zehn Befragten sagen, dass sie wegen bürokratischer Hürden schon einmal auf etwas verzichtet oder ein Vorhaben komplett aufgegeben haben.

Eine von ihnen ist Ann-Kathrin aus dem Rhein-Main-Gebiet. Bei ihrem BAföG-Antrag habe die 26-Jährige die geforderten Dokumente nicht alle beschaffen können. „Es brauchte zu viele Informationen, an die ich nicht herankommen konnte, sodass ich aufgeben musste.“

Wenn aus einem Antrag eine Geduldsprobe wird

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03:46 Min.
|Marion Kuchenny

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Ähnliche Erfahrungen finden sich in den Antworten der HR-FRAGT-Community immer wieder. Am häufigsten stören sich die Teilnehmenden an komplizierten oder schwer verständlichen Formularen (43 Prozent).

Häufig beklagen die Befragten außerdem, dass sie dieselben Angaben mehrfach machen müssen, Ansprechpartner schlecht erreichbar sind oder Anträge lange unbearbeitet bleiben.

hr-Umfrage:  Welche Probleme begegnen Ihnen bei Behördengängen oder Anträgen am häufigsten?


hr-Umfrage: Welche Probleme begegnen Ihnen bei Behördengängen oder Anträgen am häufigsten?
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Linn aus Nordhessen kennt das Gefühl, wenn ein wichtiger Antrag einfach nicht vorankommt. „Mein Wohngeldantrag zog sich fast über sechs Monate“, sagt die 27-Jährige. Immer wieder seien neue Nachweise verlangt worden. Teilweise seien die Anforderungen missverständlich gewesen oder Unterlagen bereits eingereicht worden.

Bei Ulrike aus Mittelhessen lag die Schwierigkeit an einer anderen Stelle. Bei der Neuberechnung der Grundsteuer habe die 53-Jährige kaum verstanden, welche Angaben eigentlich von ihr verlangt würden. Fachbegriffe hätten die Sache zusätzlich erschwert. „Dadurch wurde meine Steuer falsch und viel zu hoch ermittelt“, sagt sie.

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Details zur Befragung

An der aktuellen Umfrage haben 4.507 Menschen aus Hessen teilgenommen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht repräsentativ, da die Teilnehmenden nicht zufällig ausgewählt wurden, sondern sich selbst für die Befragung angemeldet haben. Die Zusammensetzung der Befragten entspricht nicht der Gesamtbevölkerung, bestimmte Gruppen sind über- oder unterrepräsentiert.

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Fast jeder Zweite hat schon Hilfe gebraucht

Wer bei Formularen nicht mehr weiterkommt, sucht sich häufig Unterstützung: 45 Prozent der Befragten haben bei Behördenangelegenheiten schon einmal Hilfe in Anspruch genommen.

Am häufigsten halfen Mitarbeitende der Behörden sowie Steuer- oder Rechtsberatungen – jeweils 39 Prozent. Danach folgen Familie (30 Prozent) und der Freundeskreis (26 Prozent). Besonders bei den unter 50-Jährigen spielt inzwischen auch Künstliche Intelligenz eine größere Rolle: 26 Prozent dieser Altersgruppe haben nach eigenen Angaben schon einmal KI bei einem Behördenvorgang genutzt.

Die Antworten zeigen dabei auch: Die Kritik richtet sich nicht automatisch gegen die Menschen, die in den Behörden arbeiten. Einige Teilnehmende berichten ausdrücklich von freundlichen und hilfsbereiten Sachbearbeitern.

Eva aus dem Rhein-Main-Gebiet sagt etwa: „In der Regel sind die Sachbearbeitenden sehr freundlich und unterstützend.“ Das Problem liegt aus Sicht vieler also weniger beim einzelnen Menschen als bei den Abläufen dahinter.

Digital – aber trotzdem noch zur Post?

Eigentlich könnte genau hier die Digitalisierung helfen. Kein Papierkram mehr, kein Gang zum Amt, kein Warten in der Telefonwarteschleife. Die Erfahrungen der Community mit digitalen Behördenangeboten gehen aber deutlich auseinander.

44 Prozent sind mit den digitalen Behördenangeboten unzufrieden oder eher unzufrieden. 36 Prozent zeigen sich zufrieden oder eher zufrieden.15 Prozent haben bisher noch keine digitalen Angebote genutzt.

hr-Umfrage: Wie zufrieden sind Sie mit den digitalen Angeboten der Behörden in Hessen?


hr-Umfrage: Wie zufrieden sind Sie mit den digitalen Angeboten der Behörden in Hessen?
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Als größter Störfaktor gilt der Zugang: 52 Prozent der Unzufriedenen empfinden die Anmeldung oder Identifizierung als zu kompliziert. 47 Prozent stört, dass trotz eines digitalen Angebots weiterhin etwas vor Ort oder per Post erledigt werden muss.

Tanja aus Nordhessen beschreibt noch ein anderes Problem. Die Internetseiten seien häufig mit Informationen überladen und unübersichtlich. „Ansprechpartner sind selten zu finden und wenn doch, erhält man dort andere Informationen“, erklärt die 52-Jährige. Digital heißt also nicht automatisch einfacher.

So erleben die Teilnehmenden Bürokratie:

Zitat

Die Anträge für die Elternzeit und die Beantragung von Elterngeld sind viel zu kompliziert.

Zitat von
Norman (46), Rhein-Main-Gebiet

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Zitat

´Alle Mitarbeiter sind im Gespräch, rufen Sie später wieder an.´ Das passiert so oft, egal wo man anruft.

Zitat von
Erika (63), Südhessen

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Zitat

Die Wohnsitzanmeldung lief äußerst rund. Ich konnte das digital machen. Sie wurde mir zugeschickt. Wunderbar.

Zitat von
Lea (25), Nordhessen

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Zitat

Ich brauchte im letzten Jahr einen neuen Führerschein und war wirklich überrascht, wie viel sich hier in den letzten 1-2 Jahren getan hat, in Sachen Bürokratieabbau.

Zitat von
Claudia (62), Südhessen

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Zitat

Beantragung von Pflegeleistungen für meine Mutter. Standardablehnung trotz mehrfach eingereichter Nachweise – Bewilligung erst nach Widerspruch und angedrohter Klage.

Zitat von
Birgit (62), Südhessen

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Zitat

Nachlassgericht benötigt fast ein Jahr zur Bearbeitung, damit man ein Haus/Grundstück des Verstorbenen verkaufen kann. Man kann nichts tun außer warten und für sämtliche Kosten bis zum Verkauf aufkommen.

Zitat von
Martina (56), Nordhessen

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Zitat

Zum Beispiel Kindergeld oder Elterngeld läuft in anderen Ländern völlig automatisiert. Warum klappt es dort, aber hier offenbar nicht? (…) Ein Blick über den Tellerrand und die Ideen bzw. Innovationen übernehmen würde stark helfen.

Zitat von
Pawel (41), Südhessen

Zitat Ende

Was sich die HR-FRAGT-Community wünscht

Was müsste sich also ändern? In den Antworten tauchen bestimmte Wünsche immer wieder auf: weniger doppelte Arbeit, verständlichere Informationen und besser miteinander vernetzte Behörden.

Andere wünschen sich verständlichere Formulare und Bescheide. Wieder andere hätten gerne Öffnungszeiten, die besser zum Arbeitsalltag passen. Birgit aus Südhessen schlägt einen persönlichen digitalen Account vor, „auf dem für Behörden alle relevanten Daten/Nachweise abrufbar sind.“

Dabei ist die Community nicht grundsätzlich gegen Bürokratie. Stefanie aus dem Rhein-Main-Gebiet erinnert daran, dass Regeln und Verfahren auch Menschen schützen und unterstützen können. Sie wünsche sich deshalb vor allem einen genaueren Blick darauf, welche Bürokratie wirklich nötig sei und welche nicht.

Für drei Viertel ist zu viel Bürokratie ein Problem

Zum Schluss wurde die Frage noch einmal zugespitzt: Gibt es in Deutschland zu viel Bürokratie oder gehört sie nun einmal dazu? Das Ergebnis fällt eindeutig aus: 74 Prozent entscheiden sich für die Aussage „Es gibt in Deutschland zu viel Bürokratie und das ist ein großes Problem“. 24 Prozent sagen dagegen: „Ohne Bürokratie geht es nun mal nicht.“

Die gesamte Auswertung finden Sie hier.

HR FRAGT ist das neue Meinungsbarometer des Hessischen Rundfunks. In der HR-FRAGT-Community werden regelmäßig gesellschaftsrelevante Themen abgefragt. Sie möchten mitmachen? Anmelden können Sie sich hier.

Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/hr-fragt-wenn-der-behoerdenkontakt-zur-geduldsprobe-wird-v1,hr-fragt-buerokratie-100.html

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