Trockene Hitzesommer und großer Besucherandrang setzen den Bäumen am Felsenmeer im Odenwald zu. Deshalb soll der Wald künftig nur noch auf gekennzeichneten Wegen betreten werden. Klettern und Wandern bleiben aber erlaubt.

Das Felsenmeer im Odenwald zieht jedes Jahr rund 200 000 Besucherinnen und Besucher an.
Bild © Anna Vogel, hr
Sobald das Wetter schön ist, ist es voll am Felsenmeer in Lautertal (Bergstraße). Rund 200.000 Menschen zieht es jedes Jahr zu den vielen großen, grauen Granitsteinen, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt sind.
Teenager Ben beschreibt den Anblick vor sich spontan als „atemberaubend“. Er ist mit seiner Familie extra aus Rheinland-Pfalz in den Odenwald gekommen. Ihn beeindruckt vor allem die Natürlichkeit des Felsenmeers, das auch Naturschutzgebiet ist und zum europäischen Schutzgebiet Natura 2000 zählt.
Audio
00:40 Min.|Anna Vogel
Doch die steigenden Besucherzahlen bringen den Wald um das beliebte Ausflugsziel an seine Grenzen. „Je näher wir dem Felsenmeer kommen, desto weniger Laub liegt am Boden“, beobachtet Kai Elsässer, der sich für den Landesbetrieb HessenForst um den Wald in Lautertal kümmert.
Kaum mehr Laub im Felsenmeer
Der Revierförster zeigt im oberen Teil des Felsenmeers auf eine Stelle, an der sich viele der Besucher links und rechts der mit Holzstämmen befestigten Treppe ihre Wege suchen. „Das führt dazu, dass das ganze Laub weggetreten und der Oberboden festgetrampelt wird.“
Die vielen Besucherfüße würden zudem die Wurzeln der Bäume freilegen. Junge nachwachsende Bäume hätten keine Chance.
Zaun soll Jungbäume schützen
Kai Elsässer hat deshalb einen Zaun um einige Granitblöcke gezogen. Besonders an einer Stelle, an der die Steine vereinzelter vorkommen. Das hat zur Folge, dass die Besucher eher über den empfindlichen Waldboden laufen. Anders als im unteren Bereich des Felsenmeers, wo die Granitblöcke dicht an dicht liegen.

Ein Maschendrahtzaun soll den empfindlichen Waldboden schützen, damit neue Bäume nachwachsen können.
Bild © Anna Vogel, hr
Der Zaun ist nicht der erste seiner Art. Elsässer zeigt auf den Bereich innerhalb des bereits vor drei Jahren errichteten Zauns: „Man sieht, da kommt überall Verjüngung hoch.“ Zarte, grüne Buchen wachsen in die Höhe. Innerhalb des frisch eingezäunten Bereichs dagegen ist von Grün keine Spur.
Alte Buchen durch Trockenheit unter Stress
Der fehlende Nachwuchs macht dem Revierförster besonders Sorgen, da die alten Bäume zunehmend unter der Hitze und Trockenheit der vergangenen Jahre leiden. Vor allem die Buchen seien unter Druck, immer mehr Bäume würden absterben.
Für Kai Elsässer ist deshalb klar, dass sich dringend etwas ändern muss. „Wenn wir keinen Nachwuchs haben, werden wir hier oben irgendwann gar keine Buchen mehr haben“, sorgt er sich.
Klettern soll erlaubt bleiben
Gegensteuern soll ein Lenkungskonzept, dessen Entwurf das Regierungspräsidium Darmstadt erstellt hat. Im vergangenen Jahr seien dafür bereits Wege, Trampelpfade und Erosionsflächen detailliert kartiert worden. Nun müsse das Konzept mit Beteiligten aus Naturschutz, Forst, Tourismus, Kommunen, Verbänden und Privatpersonen abgestimmt werden.
„Wir wollen das Klettern und Bewegen auf dem Blockmeer wie bisher ermöglichen“, so Henriette Wache. Sie ist verantwortlich für Schutzgebiete und biologische Vielfalt. „Aber bei so vielen Besucherinnen und Besuchern braucht es eine gute Infrastruktur und eine klare Orientierung.“
Bessere Markierungen geplant
Erlaubte Wege sollen deshalb in Zukunft durch entsprechende Markierungen deutlich besser erkennbar sein, offizielle Stufenwege sollen saniert und Trampelpfade gesperrt werden. All das sind Pläne, die nicht nur die Natur schützen, sondern vor allem auch Unfällen z.B. durch herabfallende Äste vorbeugen sollen.
Möglich sei auch, dass Ranger der Gemeinde Lautertal Besucherinnen und Besucher direkt im Felsenmeer für ein rücksichtsvolles Verhalten sensibilisieren, dass zusätzliche Informationstafeln aufgestellt und Erlebnisstationen eingerichtet werden.
Besucher reagieren verständnisvoll
Der neue Zaun ist den ersten Besucherinnen und Besuchern im Felsenmeer bereits aufgefallen. Darauf angesprochen, nicken die meisten zustimmend. „Für das Stückchen hier völlig okay, da gibt es noch genug Felsenmeer zum Klettern“, findet Stefan, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern bereits den größten Teil des Aufstiegs geschafft hat.
„Es geht ein bisschen die Ursprünglichkeit verloren“, bedauert Andreas Julius aus Rödermark. Mit Blick auf die vielen Besucher vor ihm fügt er hinzu: „Aber klar, wenn das hier irgendwann nur noch im Offenen liegt, ist das auch nicht mehr so schön wie jetzt.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/sperrungen-im-felsenmeer-gegen-das-waldsterben–v1,lenkungskonzept-felsenmeer-wald-100.html

