Es sollte der letzte Tanz auf Hawaii und der große Abschied von der WM-Bühne im Triathlon werden. Doch so bitter wie das frühe Aus für Patrick Lange war, so schön möchte er die Pazifik-Insel in Erinnerung behalten.

Triathlet Patrick Lange hat noch ein großes Rennen in Roth vor sich.
Bild © IMAGO / teamSprint-media
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||Das Interview führte Simone Friedrich.
Wenn deutsche Urlauber nach Hawaii fliegen, dann meistens, um dort Flitterwochen zu verbringen, übers türkisblaue Wasser zu surfen oder darin schnorcheln zu gehen. Wenn Patrick Lange auf die traumhaft schöne Pazifik-Insel fliegt, dann meistens, um sich selbst zu quälen.
Der gebürtige Bad Wildunger konnte die Triathlon-WM dort auf Hawaii schon dreimal gewinnen und wollte am vergangenen Wochenende zwischen weißgelben Sandstränden und dunkelgrauen Lavafeldern dort seinen großen Abschied feiern. Doch es kam anders. „Es ist für mich sicherlich das bitterste Aus in meiner Karriere“, sagte Lange am Montagmorgen im Interview mit hr-iNFO. „Ich hätte es mir sehr gewünscht, hier nochmal ein gutes Rennen zu erleben und mich bei der Insel zu bedanken, für die ganzen tollen Erfolge, die ich hier feiern durfte. Das war einfach nicht möglich und das ist schon sehr, sehr schade.“
Lange muss Rennen wegen Krämpfen abbrechen
Lange hatte das Rennen nach 3,86 Kilometern im Wasser und 96 Kilometern auf dem Rad etwa zur Hälfte wegen Krämpfen abbrechen müssen. „Ich konnte keine Kraft mehr aufs Pedal bringen. Zu dem Zeitpunkt war für mich undenkbar, dass ich noch einen Marathon laufe. Von daher geht dann die Gesundheit vor und ich musste dann schweren Herzens aussteigen“, erklärte er hörbar enttäuscht darüber, dass sein Abschied nicht mit dem Zieleinlauf belohnt wurde.
Von der Rolle des Athleten wechselte der Nordhesse in die Rolle des Volunteers, stand am Streckenrand und versorgte seine eigentlichen Konkurrenten mit Wasser und Eis. „Sich zurückzuziehen wäre das Einfachste gewesen, aber das Hauptziel dieser Reise war, sich von der Insel und von diesem Rennen zu verabschieden“, so Lange. „Deswegen habe ich mich am Kragen gepackt und habe mit dieser Aktion versucht, dem Rennen etwas zurückzugeben und vor allem den Athleten zu helfen, die an diesem Tag Großartiges geleistet und für mich das Ziel gesehen haben – das war schön und hat gut getan.“

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„Ein schlechter Tag wird meine Karriere nicht definieren“
Lange ist sich sicher, dass ein „schlechter Tag“ seine Karriere „nicht definieren“ wird. Im Gegenteil: Er möchte Hawaii in bester Erinnerung behalten, weil er dort höchst-emotionale Momente erlebt hat. „Das eine ist 2018, als ich als erster Mann unter acht Stunden den Wettkampf beendet habe und im Zielbereich meiner jetzigen Frau einen Heiratsantrag machen konnte.“
Sechs Jahre später folgte gegen Ende des Rennens der nächste Höhepunkt. „Als mir noch an Position drei liegend, meine Mutter erschienen ist, die 2020 an Krebs gestorben ist und mir auf dem Sterbebett im Hospiz mitgegeben hat, dass sie sich nichts mehr wünsche, als dass ich dieses Rennen nochmal gewinne.“ Jene Erscheinung auf der abschließenden Marathon-Strecke beflügelte Lange. „Das hat so viel Energie und Emotionen freigesetzt und hat mich dazu befähigt, diesen Wettkampf nochmal zu gewinnen. Das macht mich unfassbar stolz, dass ich ihr diesen letzten Wunsch 2024 erfüllen konnte.“
Der Abschied bei der Challenge Roth
Mit Blick auf den Abschluss seiner Profi-Karriere hat Lange nun selbst noch einen letzten Wunsch: Er möchte sich Anfang Juli 2027 bei der Challenge Roth gebührend verabschieden: „Ich freue mich einfach, dann im Sommer dem heimischen Publikum nochmal Danke zu sagen und dort offiziell meinen Abschied vom Profisport zu feiern.“ Zwar ist Roth nicht Hawaii, aber ein Karriere-Ende auch kein Ausradieren der Sportgeschichte, die Lange im Triathlon definitiv geschrieben hat.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/mehr-sport/patrick-lange-spricht-ueber-das-bitterste-aus-der-karriere-bei-der-ironman-wm-v1,lange-nach-wm-aus-100.html


