Eintracht Frankfurt zeigt bei Union Berlin lange eine gute Leistung, dann tun sich aber wieder alte Probleme auf. Und auch neben dem Platz knirscht es. Die Analyse in fünf Punkten.
Eintracht Frankfurt spielt 3:3-Unentschieden bei Union Berlin. Ein Remis, das sich eher wie eine Niederlage anfühlt, der Ausgleich für Union fällt erst in der Nachspielzeit. Die Analyse in fünf Punkten.
1.) Die Rookie-Viererkette macht es ordentlich
Klar, nach dem Spiel dürfte er enttäuscht gewesen sein, aber insgesamt war der Samstag für Jeremiaha Maluze emotional wahrscheinlich Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen. Morgens verlängerte der 21-Jährige seinen Vertrag bei der Eintracht bis 2031, am Nachmittag stand er zum ersten Mal in der Bundesliga auf dem Platz, und das von Beginn an. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle.
Und das auch an Keita Kosugi und Elias Baum, die ebenfalls ihre Startelfdebüts feierten. Entsprechend bestand die Viererkette der Eintracht aus Kapitän Robin Koch und drei Greenhorns ohne (nennenswerte) Bundesligaerfahrung, das ganze Risiko der Kaderplanung zeigte sich im Abwehrverbund der Hessen. In der Praxis machten es die Neulinge ordentlich, wenngleich Baum und Kosugi offensiv noch zu oft die Präzision fehlte. Maluze indes darf sich als einer der Gewinner des Spiels fühlen. Insbesondere in der Luft war der 1,93-Meter-Mann, letztes Jahr noch in der Hessenliga unterwegs, praktisch nicht zu überwinden, insgesamt gewann er 16 seiner 17 Zweikämpfe. So kann es weitergehen. Wenngleich auch klar sein sollte: Die Transferbemühungen in der Defensive sollten noch nicht abgeschlossen sein.
2.) Atubolu blitzsauber – trotz dreier Gegentore
Auch Keeper Noah Atubolu feierte gegen Union sein Debüt für die Eintracht, nach nur einer Trainingseinheit mit den neuen Kollegen durfte der am Freitag vom SC Freiburg gekommene Keeper direkt starten. Sonderlich gut klappte der Start indes nicht: Nach nur drei Minuten holte Atubolu das erste Mal den Ball aus dem Netz, Emmanuel Latte Lath hatte nach einem Eckball unhaltbar per Kopf getroffen.
Dass Atubolu aber ein echtes Upgrade zu Kaua Santos und dem am Samstag zu Leeds United verkauften Michael Zetterer sein wird, war vor allem in der zweiten Halbzeit zu sehen. Zwischen der 70. und 79. Minute hielt Atubolu praktisch minütlich die Bälle, besonders sehenswert: Einen abgefälschten Schuss von Livan Burcu parierte er mit einem sensationellen Reflex, einen Distanzschuss von Josip Juranovic fischte er per Glanzparade aus dem Winkel. Ärgerlich, dass es dann trotzdem noch zweimal klingelte, Atubolu war jeweils machtlos. Dass er trotz blitzsauberer Leistung drei Tore fing, dürfte ihn dabei selbst am meisten ärgern. Vielleicht beschwichtigt das Lob von Trainer Adi Hütter ein wenig: „Es war eine sehr gute Torwartleistung von Noah Atubolu“, sagte dieser nach dem Spiel.
3. Ebnoutalib macht es dreifach
Apropos drei Tore: Chapeau, Younes Ebnoutalib. Der Stürmer hat keine einfache Vorbereitung hinter sich, nach dürftigen Leistungen in den Testspielen schien der gebürtige Frankfurter in der Gunst von Trainer Adi Hütter gesunken. Aber Vorbereitung ist eben Vorbereitung und Pflichtspiel ist Pflichtspiel und am Ende sowieso grau alle Theorie.
Also Auftritt Ebnoutalib: Nach zehn Minuten fiel dem Stürmer im Fünfmeterraum der Ball vor die Füße, 1:1. 51 Sekunden später jagte er dem ungeschickten Leopold Querfeld den Ball ab, 2:1. Das 3:1 in der 67. Minute erzielte er dann per sehenswertem Volley – Wappenküssen vor der Frankfurt-Kurve inklusive. „Es freut mich, dass ich direkt im ersten Spiel drei Tore gemacht habe. Es wäre aber schöner gewesen, wenn wir am Ende noch gewonnen hätten“, sagte Ebnoutalib nach dem Spiel artig. Und ließ zumindest anklingen, dass die Vorbereitung tatsächlich nicht so einfach für ihn war: „Die die drei Tore sind gut für meinen Kopf. Das gibt einem Selbstbewusstsein.“
4.) Alte Probleme tun sich auf
Alles gut also? Mitnichten. Denn die Eintracht zeigte zwar lange ein ziemlich gutes Auswärtsspiel und ließ erkennen, wie der Fußball unter Hütter aussehen soll: Intensiv, gutes Pressing, viele Tiefenläufe. „Wir haben 75 Minuten lang das Spiel unter Kontrolle gehabt“, so Hütter. Es zeigten sich aber auch altbekannte Probleme. Zwei Gegentore nach Eckbällen sind zu viel, auch wenn der Gegner Union Berlin heißt und seit Bundesligaaufstieg 2019 eigentlich nicht viel mehr macht als das. Eine Anfälligkeit, die die Hessen schon durch die vergangene Saison begleitete.
Ähnlich wie die mangelnde Resilienz. Auch wenn es nach einem Spiel freilich viel zu früh wäre, dieser Mannschaft, die ja ohnehin auch noch nicht final zusammengestellt ist, fehlende Widerstandskraft zu attestieren, ist ein 3:3 nach 3:1 extrem unnötig. „Wir müssen unser Spiel durchziehen, das haben wir nicht ganz geschafft, das ist ärgerlich. Wir haben zu wenig Entlastung nach vorne gehabt“, sagte Hütter nach dem Spiel. Möglicherweise auch eine Frage der Erfahrung, die sich bis zum Deadline Day noch beantworten ließe.
5.) Zwietracht Zankfurt abseits des Platzes?
Und so steht am Ende ein sehr, sehr wackeliger Saisonstart für die Eintracht. Nicht jedoch wegen der Leistung auf dem Platz. Sondern wegen der argen Nebenschauplätze, die sich gerade auftun. So berichteten Medien im Vorlauf des Spiels über atmosphärische Störungen in der Führungsetage der Hessen, die Bild sprach gar davon, dass es bald gar zum Ende der Zusammenarbeit zwischen der Eintracht und Sportvorstand Markus Krösche kommen könnte. Vom „Bosse-Beben“ war die Rede, und einem wenig harmonischem Verhaltnis zwischen Krösche und Hütter. Willkommen zurück, Zwietracht Zankfurt?
„Es besteht kein Anlass, über die Zukunft von Markus Krösche zu spekulieren“, versuchte Präsident Mathias Beck schon vor dem Spiel, die Wogen zu glätten. Krösche wollte sich nach Spielende nicht äußern, Hütter sagte in der Mixed Zone: „Ich habe ein sehr ordentliches Verhältnis zu Markus. Wir sind fleißig dran, dass wir auf dem Transfermarkt noch etwas tun können. Das ist das, was für mich wichtig ist. Von allem anderen weiß ich nichts.“ Die nächsten Tage und Wochen dürften also spannend werden. Klar ist nur: Langweilig wird es mit Eintracht Frankfurt nicht.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/eintracht-frankfurt/analyse-zum-eintracht-remis-in-berlin-gute-ansaetze-alte-probleme-neuer-aerger-v1,sge-fcu-analyse-102.html



