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Birkenau bleibt seinem Freibad treu – auch ohne Wasser

Birkenau bleibt seinem Freibad treu – auch ohne Wasser

Das marode Schwimmbecken in Birkenau muss in diesem Sommer leer bleiben. Doch die Menschen im Ort lassen sich ihr Freibad nicht nehmen: Sie malen, spielen Fußball, feiern auf der Liegewiese – und kämpfen dafür, dass im nächsten Jahr wieder geschwommen werden kann.


Statt zu schwimmen, wird im Birkenauer Freibad gemalt
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Um das Schwimmbecken des Freibads in Birkenau (Kreis Bergstraße) steht ein Bauzaun. Drinnen ist kein Wasser, dafür eine Menge Betonreste und Laub. So sieht es im Birkenauer Freibad schon den ganzen Sommer aus. Weil das alte Betonbecken so kaputt und undicht ist, durfte es in diesem Jahr nicht befüllt werden – das hatte die Gemeinde entschieden.

Die Stimmung in dem kleinen Örtchen im Odenwald ist getrübt – das nächste Freibad ist mit dem Auto mehr als 20 Minuten entfernt. Aber: Die Birkenauerinnen und Birkenauer mache das Beste aus der Situation und nutzen das Gelände für zahlreiche Sommeraktivitäten.

Malkurs statt Schwimmkurs

Jeden Montag gibt Silke Schwarzbach einen Malkurs auf der Liegewiese. Im Grünen, für Jedermann. „Ich finde das Gelände hier einfach schön“, schwärmt die Birkenauer Künstlerin. „Man kann im Schatten sitzen, in die Natur schauen und dabei gemeinsam malen.“

Abgesperrtes Becken auf dem Gelände des Freibads in Birkenau


Um das marode Becken des Freibads in Birkenau steht ein Bauzaun
Bild © Stefanie Hofmann


Ein paar Meter entfernt treffen sich fast jeden Mittag Kinder aus dem Ort auf der Wiese zum Fußball spielen. Sie rennen, schießen den Ball, bejubeln lautstark jedes Tor. Auf dem Spielplatz am anderen Ende der großen Liegewiese schaukeln und rutschen kleinere Kinder.

„Wollen ein Statement setzen“

Vor dem Kiosk von Franco Falbo sitzen die „Alten Damen“ des örtlichen Handballvereins. Sie machen auf der Liegewiese regelmäßig eine kleine Trainingseinheit, erzählen sie, davor und danach gibt es einen Frozen Cappuccino oder ein Spritz-Getränk. „Wir könnten auch in den Wald oder in die Halle, aber wir wollen hier das Schwimmbad-Kiosk unterstützen und wollen auch ein Statement setzen“, sagt Christiane Neber. „Denn das Schwimmbad gehört zu Birkenau.“

Sie selbst sei wie viele im Schwimmbad groß geworden. „Am 15. Mai habe ich immer eine Jahreskarte gekauft, am 15. September war dann Schluss. Das war immer so, wir haben unsere ganze Kindheit im Schwimmbad verbracht und so soll es auch wieder werden“, hofft sie.

Für Kioskbetreiber Falbo ist die Arbeit in seiner kleinen Küche eine Herzensangelegenheit. Eigentlich könne er schon lange in Rente sein, aber der Kioskbetrieb halte ihn jung. „Es geht mir nicht um Geld. Bei mir geht es nur darum, Menschen zu gewinnen“, sagt der gebürtige Italiener. „Wenn ich hier unterwegs bin, dann grüßt mich jeder: Kinder, Frauen, Männer. Und das ist für mich besser als alles andere.“

Freibad soll „Herz der Gemeinde“ bleiben

Dieser Zusammenhalt motiviert auch die Mitglieder des Freibad-Fördervereins. Obwohl das Becken leer bleibt, sei die Arbeit in diesem Jahr immens, sagen die beiden Vorstandsmitglieder Stefan Walz und Holger Stiller.

Schwimmbad-Partys, Fußballturnier, Hüpfburgenpark und ein Open-Air-Kino, das alles hat der Förderverein auf die Beine gestellt. Der Vorstand arbeitet jeden Tag daran, das Freibad am Leben zu halten. „Mir ist egal, wenn wir mit den Veranstaltungen am Ende die Kosten nicht ganz decken“, sagt Holger Stiller. „Mir ist wichtig, dass das Freibadgelände hier auch ohne Wasser das Herz der Gemeinde bleibt.“

Das große Ziel des Fördervereins bleibt nach eigener Aussage, dass im kommenden Jahr wieder gebadet werden kann. Der Verein will sich deshalb selbst darum kümmern, das Becken zu flicken und sucht vor allem freiwillige Helferinnen und Helfer, die beim Reparieren der Risse und Löcher helfen. „Die Gemeinde muss natürlich zustimmen, aber wir wollen nächstes Jahr wieder einen Badebetrieb hier haben.“

Das Becken des Birkenauer Freibads ist leer


Das Becken des Birkenauer Freibads ist abgesperrt und ist leer
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Sanierung notwendig

Langfristig ist aber auch klar: Das Freibad aus den 50er-Jahren muss dringend saniert werden. Die kaputten Duschen, das undichte Becken, die marode Technik – alles muss erneuert werden. Der Gemeinderat hat entschieden, eine Sanierung anzugehen. Wie das allerdings finanziert werden soll, ist unklar. Das Loch in der Gemeindekasse ist groß.

Bürgermeister Milan Mapplassary (parteilos) dämpft die Hoffnungen auf eine schnelle Lösung: „Wir müssen jetzt erstmal prüfen, wie groß die Kosten wären, um das Betonbecken für die nächsten Jahre zu flicken.“ Zu hohe Kosten wären nicht vertretbar. Er bevorzuge, gleich ein neues Edelstahlbecken einzubauen – dafür brauche man aber Fördergelder und vor allem mehrere Jahre Bauzeit.

Fest steht: Die Birkenauerinnen und Birkenauer wollen das Gelände weiterhin mit Leben füllen. Mit oder ohne Wasser.

Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/birkenau-bleibt-seinem-freibad-treu–auch-ohne-wasser-v1,freibad-ohne-wasser-birkenau-100.html

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