Kultur

„Das gewisse Etwas“ ist erster großer Kinofilm für Schauspieler mit Down-Syndrom

„Das gewisse Etwas“ ist erster großer Kinofilm für Schauspieler mit Down-Syndrom

Für Jan Bobke ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Der Schauspieler mit Down-Syndrom spielt in seinem ersten großen Kinofilm mit. „Das gewisse Etwas“ ist eine Komödie über Inklusion mit Witz und Charme – aber auch mit einigen Schwächen.


In „Das gewisse Etwas“ spielt Jan Bobke (links im Bild) die Figur des Louis, der regelmäßig durch eine derbe Wortwahl auffällt.
Bild © Constantin Film


Jan Bobke aus Hofgeismar arbeitet in einer Gärtnerei, seine große Leidenschaft gilt jedoch der Schauspielerei. Aktuell ist der 46-Jährige in dem Kinofilm „Das gewisse Etwas“ zu sehen. Bobke hat Trisomie 21, das sogenannte Down-Syndrom, wie mehrere Schauspieler in den Film.

Eine Hessenkarte in dunkelblauer Farbe, die Region Nordhessen ist hellblau gefärbt. Auf dieser Färbung sind viele weiße Punkte zu sehen, von welchen weiße dünne Linien wegführen. Vor den eingefärbten Flächen ist eine Person platziert, die Kopfhörer trägt, von welchen auch weiße Linien wegführen.

„Das ganze Drumherum, das ganze Team, das hat Spaß gemacht,“ erzählt Bobke von den zehnwöchigen Dreharbeiten im Herbst 2025. Er spielt an der Seite von Max von der Groeben, Mala Emde und Florian Lukas. „Das sind große Schauspieler, von denen ich sehr viel gelernt habe.“

Aber auch von der Groeben schwärmt von Bobke: „Jan ist so ein feiner Kerl und hat so einen großartigen Humor. Den haben wir im Film gebraucht, mit seinem Ideenreichtum und einfach seiner Spielfreude.“

Der Cast eines Kinofilms bei der Premiere: mehrere Menschen stehen vor einem übergroßen Plakat


Jan Bobke (4. v.r., unten) bei der NRW-Premiere des Films „Das gewisse Etwas“ in Köln.
Bild © Maurice Gramatke/Getty Images/ PR for Constantin Film


„Jan muss vor die Kamera“

Jan Bobke hat die Schauspielschule Kassel besucht und ist dort Teil der integrativen Theatergruppe ‚Irrlichter‘. „Der Jan muss vor die Kamera, auf jeden Fall“, war Nina Israng, Regisseurin der Truppe, schon lange überzeugt. Als der Casting-Aufruf kam, habe sie zu ihm gesagt: „Jan, da bewerben wir uns mal schön, ich helfe dir.“

„Ich hoffe ganz stark, dass alle sehen, dass jeder ein Talent hat,“ sagt Jans Mutter Beate Bobke bei der Vorführung in Kassel. „Man muss ihm nur die Chance geben, es zu leben.“ Zusammen waren sie in den vergangenen Tagen auf Kinotour in München und dann in Essen.

Ein Mann wird vor einem Filmplakat interviewt.


Jan Bobke beim Filmstart von „Das gewisse Etwas“ in Kassel.
Bild © hessenschau.de


Juwelendieb spielt Trisomie 21 vor

Mit „Das gewisse Etwas“ setzt Regisseur Marc Rothemund den französischen Film „Was ist schon normal?“ (Originaltitel: Un p’tit truc en plus) von 2024 weitgehend 1:1 um.

In dem Film überfällt ein Vater-und-Sohn-Duo einen Juwelier und flieht vor der Polizei. Durch eine Verwechslung finden sie unverhofft Zuflucht in einer Gruppe von Menschen mit Behinderung und fahren mit ihnen in den Sommerurlaub.

Um nicht aufzufliegen muss Alex (Max von der Groeben) so tun, als habe er Trisomie 21. „Du spielst weiter den Mongo und ich muss mir was überlegen,“ sagt Alex‘ Vater, der sich als sein Betreuer ausgibt, an einer Stelle zu ihm.

Gratwanderung zwischen Klischee und Empowerment

Externer Inhalt

Externen Inhalt von YouTube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von YouTube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Ende des externen Inhalts

Der Film ist eine Gratwanderung zwischen Klischee und Empowerment, die nur teilweise gelingt. Differenziert wird er ab dem Moment, wo Mitglieder der Wohngruppe den Braten riechen.

Es sind nämlich die Menschen mit Behinderung, bei denen Alex auffliegt. Sie werden zu Mitwissern, Komplizen und Vertrauten; geben ihm sogar Unterricht, wie er reden und sich verhalten soll, um als behindert durchzugehen. In solchen Szenen verschwimmen tatsächlich die Grenzen und hier versprüht der Film viel Charme und Witz.

Viel Schwarz-Weiß-Malerei

Schwer zu ertragen ist dagegen die durchschaubare Geschichte der engagierten Betreuerin (Mala Emde), die ihrem unsympathischen Partner nach Kanada folgen will und dafür die Leitung der Gruppe aufgeben müsste. Natürlich entscheidet sie sich am Ende gegen den Freund und für ihre Schützlinge, die in dem exakten Moment zufällig alle hinter ihr stehen und sie trösten.

Daneben gibt es auch noch den gierigen und uneinsichtigen Vermieter des Ferienhauses, der den Mietpreis erhöhen möchte. Dies würde das Aus der jährlichen Sommerfreizeiten für die Gruppe bedeuten. Natürlich gibt es auch hier ein Happy End.

Thema Inklusion zugänglich gemacht

Solche Klischees sind zu viel schwarz-weiß in einem Film, der ja gerade Grenzen verwischen möchte. „Das gewisse Etwas“ ist deshalb keine brillante Komödie und meist auch nicht besonders originell.

Dennoch sorgen die vielen Rollentausche dafür, dass sich die Figuren mit und ohne Einschränkungen auf Augenhöhe begegnen. Die teils derbe Sprache wirkt entwaffnend und macht das Thema Inklusion zugänglich – ein Verdienst dieses Films.

Weitere Informationen

„Das gewisse Etwas“

Kinostart: 3. September 2026
Verleih: Constantin Film
Cast: Max von der Groeben, Mala Emde, Florian Lukas, Jan Bobke
Regie: Marc Rothemund
Drehbuch: Murmel Clausen
Laufzeit: 105 Minuten
FSK: ab 6 Jahren frei

Ende der weiteren Informationen

Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/das-gewisse-etwas-ist-erster-grosser-kinofilm-fuer-schauspieler-mit-down-syndrom-v1,filmstart-das-gewisse-etwas-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert