Drittligist SV Wehen Wiesbaden und Bundesligist Mainz 05 haben überraschend einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Welche Ziele die Vereine damit verfolgen – und welche Bereiche (noch) ausgespart werden.
Zwei Vereine, acht Männer: Mit diesem Foto gaben der SVWW und Mainz 05 ihre Zusammenarbeit bekannt.
Bild © Mainz 05/Max Drevermann
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01:13 Min.||Carsten Schellhorn
Die Nachricht, die der SV Wehen Wiesbaden und Mainz 05 am Freitag wortgleich verbreiteten, überraschte: Die beiden Vereine, die aktuell zwei Ligen trennen, wollen in Zukunft „ganzheitlich“ zusammenarbeiten und haben einen entsprechenden Kooperationsvertrag unterschrieben. Doch was steckt dahinter?
SVWW-Sportgeschäftsführer Stöver kennt Mainz 05 bestens
Klar ist: Die geografische Konstellation ist ideal. Nur zehn Kilometer Luftlinie (und der Rhein) liegen zwischen den Spielstätten der beiden Teams. Maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die beiden Vereine nun zusammentun, hat SVWW-Sportgeschäftsführer Uwe Stöver. Von 1995 bis 2001 war er in Diensten der Mainzer – zunächst als Spieler, dann als Trainer im Nachwuchs. Das Vertrauen zum linksrheinischen Nachbarn ist entsprechend groß, die Kontakte bestehen zum Teil seit Jahrzehnten.
Stöver erklärt die Zusammenarbeit in der gemeinsamen Pressemeldung so: „Im sportlichen Bereich profitieren wir gegenseitig – in der Kaderplanung, im Scouting und in der Ausbildung unserer Talente. Wir öffnen unsere Strukturen füreinander, lernen voneinander und schaffen für Spieler auf beiden Seiten zusätzliche Perspektiven.“ Ein Farmteam für die Mainzer, so wird im Wiesbadener Vereinsumfeld betont, soll der SVWW dadurch nicht werden. Allerdings bleibt die Frage, welchen nennenswerten Mehrwert sich der deutlich größere Verein aus Rheinland-Pfalz dann von dem Deal verspricht.
Vereine betonen die „Augenhöhe“
Dass es in Zukunft vermehrt Spielerwechsel zwischen den Vereinen im Profi- und im Nachwuchsbereich geben wird und die Mainzer sich vor allem die besten Talente sichern werden, liegt natürlich nahe. „Unsere sportlichen Entscheidungen treffen wir selbst. Die Kooperation erweitert unseren Handlungsspielraum und stärkt unsere Ausbildungsarbeit vom Nachwuchs bis in den Profibereich“, sagte Stöver. Auch von Seiten der Mainzer wird betont, dass es sich um einen „Austausch auf Augenhöhe“ (05-Sportvorstand Christian Heidel) handeln würde. Zwischen den Vereinen „besteht zwischen den Führungsebenen seit einiger Zeit ein sehr guter Austausch. Hieraus ist die Idee entstanden, die sportliche Expertise beider Standorte und die jeweiligen Netzwerke sinnvoll miteinander zu verbinden“, so Heidel.
Im Scouting soll dabei auch das Wissen über die unterschiedlichen Märkte ausgetauscht werden, auf denen die Vereine unterwegs sind. Was auch bedeutet, dass SVWW und Mainz 05 trotz der beschworenen „Augenhöhe“ wohl davon ausgehen, sich sportlich in naher Zukunft eher nicht in die Quere zu kommen. Zwischen 2007 und 2009 waren sie erst- und letztmals gemeinsam in einer Liga – nämlich der zweiten – unterwegs. Mit klarer Bilanz: Mainz gewann alle vier Spiele mit insgesamt 13:1 Toren. Knapper war es im einzigen anderen Pflichtspiel, als Mainz in der ersten Pokalrunde 2024 die Verlängerung brauchte, um sich in Wiesbaden durchzusetzen.
Voneinander lernen möchte man nun auch in Sachen Organisation. Mitarbeiter, beispielsweise in den Presseabteilungen, sollen sich gegenseitig über die Schultern schauen, wenn es beispielsweise um das Erstellen von Videos und anderem Content geht. „Über den Sport hinaus öffnen beide Clubs ihre Fortbildungen füreinander und ermöglichen Hospitationen für Mitarbeitende aus allen Bereichen“, hieß es.
Frauen und Fans sind (erstmal) außen vor
Eher skurril mutet in der Pressemeldung vom Freitag der Hinweis an, die Zusammenarbeit auch „perspektivisch im Frauenfußball“ anzupeilen. Denn hier liegen der SVWW und Mainz 05 besonders weit auseinander. Die Mainzerinnen spielen seit diesem Jahr in der Bundesliga, der Frauenfußball beim SVWW beschränkt sich aktuell auf eine Kooperation mit dem SV Erbenheim. Informationen des hr-sport zufolge gibt es im Bereich des Frauen- und Mädchenfußballs in der Kooperation noch keine konkreten Pläne. Exemplarisch dafür ist auch das Pressefoto, das die (ver-)handelnden Personen beider Vereine zeigt: acht Männer. Und wenn von einem „paritätisch besetzten Lenkungsausschuss“ geschrieben wird, den es geben soll, ist mit „paritätisch“ natürlich nicht das Geschlechterverhältnis gemeint, sondern die Vereinszugehörigkeit.
Und dann gibt es da noch einen Bereich, in dem die Kooperation an ihre Grenzen stößt: die Fans. Hier sind nach hr-Informationen keine gemeinsamen Aktionen geplant. Im Profifußball wäre das auch höchst ungewöhnlich – zumal den Wiesbadenern noch eine misslungene Kampagne in den Knochen sitzt: Im Jahr 2022 rief man die Aktion „der beste Zweitverein Deutschlands“ ins Leben, mit der man unter anderem 05-Fans dazu bewegen wollte, sich auch für den SVWW zu interessieren. In der eigenen Anhängerschaft löste das jedoch monatelange Proteste aus, sodass die Kampagne irgendwann ohne weitere Erklärungen verschwand.
Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/fussball/wehen-wiesbaden/das-steckt-hinter-der-kooperation-zwischen-dem-sv-wehen-wiesbaden-und-mainz-05-v1,svww-mainz-kooperation-100.html



