Sport

Die Roller Riots Darmstadt vor dem Bundesliga-Debüt: Empowerment auf Rollschuhen

Die Roller Riots Darmstadt vor dem Bundesliga-Debüt: Empowerment auf Rollschuhen

Einst entstanden in den USA als Showkampf mit schrillen Kostümen, hat sich Roller Derby längst auch in Hessen etabliert. Mittlerweile gibt es fünf hessische Vereine. Doch ausgerechnet am einzigen Bundesliga-Standort könnten bald keine Heimspiele mehr stattfinden.

Videobeitrag


Bild © hr


Ende des Videobeitrags

Mia Schulz ist platt. Zwei Stunden lang ist sie durch die Rollsporthalle in Darmstadt gewirbelt, hat geblockt und geschoben, ist über das Parkett gesprintet, Dutzende Male gefallen und wieder aufgestanden. Alles auf Rollen. Training bei den Riots Roller vom RSC Darmstadt. Es herrscht Vorfreude auf die anstehende Saison in der Roller-Derby-Bundesliga. Mia ist seit einem Jahr dabei. Der Rundenstart im September gegen Köln ist ihre Punktspiel-Premiere.

Kein normaler Sport

„Ein bisschen nervös bin ich schon“, gesteht die 24-Jährige. Nach dem Aufstieg 2025 hat das Team erfahrene Spielerinnen verloren. Das Saisonziel für Mia deshalb: „Erfahrungen sammeln und eine gute Zeit haben.“ Der Klassenerhalt wäre eine Überraschung.

Roller Derby ist kein gewöhnlicher Sport. Er ist Empowerment auf Rollen für Frauen und Queers. Während andere Verbände und Sportarten darauf achten, das Sportliche vom Politischen zu trennen, sind die Markenzeichen von Roller Derby eine feministische Haltung und seine queerfreundliche Community.

Das Team der Roller Riots beim Gruppenfoto


Bereit für den Bundesliga-Start: die Roller Riots in Darmstadt
Bild © Levi Pfeuffer-Rooschüz


Empowerment auf Rollen

Der Sport will Safe Space sein, auch für Menschen, denen die Freude am Sport früh abhanden gekommen ist. So wie Mias Mitspielerin Maike Karner: „Es ist das erste Mal, dass mir Sport Spaß macht“, sagt sie. Früher im Schulsportunterricht habe sie vermittelt bekommen, nicht so gut oder stark zu sein wie die Jungs. Erst beim Roller Derby habe sie gelernt, dass Sport auch anders gehe.

Hier nähmen Frauen und queere Menschen Raum ein, der ihnen sonst oft nicht zugestanden würde. „Als Frau habe ich nicht gelernt, nicht aus dem Weg zu gehen. Ich mache eher Platz, ich nehme mich eher zurück.“ Beim Roller Derby aber wäre das fatal: „Weil ich meinen Platz auf dem Track verteidigen möchte.“

Rollerderby-Spielerin im Interview mit Helm


„Es ist das erste Mal, dass mir Sport Spaß macht“, sagt Maike Karner.
Bild © hr


Körperbetont und taktisch

Der Track ist die ovale Spiefläche beim Roller Derby. Auf ihr starten zwei Teams, die in derselben Richtung im Kreis fahren. Eine Person pro Team versucht, die gegnerische Formation zu überrunden: die Jammerin. Ihr stellen sich die Blockerinnen in den Weg. Sie versuchen, die Überrundung durch geschicktes Verschieben zu verhindern. Jede Überholung bringt einen Punkt.

Ob klein und wendig oder groß und stabil: Die perfekte Körperform gibt es hier nicht. „Es gibt wirklich für jeden Körper eine passende Position“, sagt Mia.

Spielerinnen der Riot Rollers aus Darmstadt auf dem Track


Kampf um Zentimeter: Block gegen Jammerin
Bild © Levi Pfeuffer-Rooschüz


Kampfnamen wie beim Wrestling

Wenn Mia ihre schwarzen Rollschuhe schnürt, die Schoner mit der Regenbogenflagge, den lila Helm und ihren türkisfarbenen Mundschutz anlegt, wird aus Mia Schulz „Mia reicht’s“. Ihr „Derbyname“, quasi ein Spitzname, prangt auf Mias schwarzem Trikot.

Auch die meisten ihrer Mitspielerinnen tragen selbstbewusst-kreative Namen auf dem Rücken – angelehnt ans Wrestling: Beim Training blocken „Sarahkiri“ und „Checkpoint Charlie“ im Verbund gegen „Magic Maike“ oder „Sändra Supperstar“.

Glitzer und Netzstrumpfhosen

Tatsächlich entstand der Rollschuhsport in den 1930er Jahren in den USA als Showsport mit Kostümen, Glitzer und Netzstrumpfhosen – eine Mischung aus Performance und Wettkampf. Die Zeiten sind vorbei, längst steht der Sport im Vordergrund.

Vor rund 20 Jahren kam Roller Derby dann nach Deutschland. Mittlerweile gibt es eine Bundesliga, 2. und 3. Liga sowie eine Fun-Liga – hier spielen auch Männer mit. In Hessen gibt es mittlerweile fünf Vereine: außer in Darmstadt auch in Kassel, Marburg und gleich zwei in Frankfurt. Darmstadt spielt aktuell als einziges Team erstklassig.

Sorgen um Heimspielstätte

Doch ausgerechnet jetzt bangen die Riots Roller um ihre Trainings- und Spielstätte: Die Rollsporthalle aus den 1970ern ist marode, der Magistrat der Stadt Darmstadt hatte 2025 einen Neubau beschlossen.

Die geplante, doppelstöckige Halle soll die angespannte Hallen-Situation in Darmstadt entlasten. Der Abriss soll im Januar beginnen, der Verein rechnet mit einer zweijährigen Bauzeit. „Das wird auf jeden Fall ein Problem werden“, sagt Maike Karner.

Eine Halle von oben


Muss Platz machen für Neues: die Rollsporthalle am Bürgerpark
Bild © hr


Eine Ausweichhalle gibt es aktuell nicht

Zwar trainieren die Riots Roller noch in einer anderen Halle, die ist aber für Spiele zu klein, kurzum: „Wir verlieren nicht nur 50 Prozent unserer Trainingszeiten, sondern auch unsere Spielstätte für Bundesligaspiele.“

Eine Ausweichhalle, die den Anforderungen an Roller Derby genügt, gibt es bislang nicht. Laut RSC-Vorstand Felix Bender ein Problem, das nicht nur seinen Verein betrifft: „Für die vielen Sportarten und Vereine gibt es letztlich zu wenige Hallen in Darmstadt.“ Die Hallenzeiten in Darmstadt könnten nicht für alle reichen.

Ersatzhalle gesucht

Mia Schulz jedenfalls reicht es nach zweieinhalb Stunden Training: „Heftig und super anstrengend“ sei das Training gewesen. Doch die Blockerin ist stolz: „Normalerweise stehe ich immer ein bisschen zur falschen Zeit an der falschen Stelle.“ Das habe heute beim Training besser geklappt. Der Saisonauftakt gegen Köln kann also kommen.

Bis dahin hoffen Mia und die Riot Rollers, noch einen Verein mit passender Halle zu finden, der ihnen auch nächstes Jahr Unterschlupf bietet. Damit Mias erstes Bundesliga-Spiel nicht gleich das vorerst letzte in Darmstadt gewesen sein wird.  

Weitere Informationen

hessenschau.de als bevorzugte Quelle bei Google

Smartphone mit hessenschau-App vor Bildschirm mit Google-Schriftzug

Bild © hessenschau.de


Mit einer neuen Funktion zeigt Ihnen Google mehr hessenschau.de-Artikel an. Legen Sie jetzt hessenschau.de als „bevorzugte Quelle“ fest.

Ende der weiteren Informationen

Quelle: https://www.hessenschau.de/sport/die-roller-riots-darmstadt-vor-dem-bundesliga-debuet-empowerment-auf-rollschuhen-v1,rollerderby_darmstadt-100.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert