Statt einer teuren Neuanschaffung sollte in Buseck ein gebrauchter Lkw zum Gerätewagen für die Feuerwehr umgebaut werden. Neun Jahre später sind die Kosten explodiert – aber der Wagen steht immer noch unfertig in der Werkstatt.
Second-Hand-Kauf und Upcycling liegen im Trend, auch die Gemeinde Buseck (Kreis Gießen) wollte vor knapp zehn Jahren nachhaltig und kostengünstig vorangehen: Die Feuerwehr benötigte damals einen neuen Gerätewagen.
Neufahrzeuge dieser Art sind allerdings teuer. Also entschied sich die kleine Kommune für die Sparvariante: den Umbau eines gebrauchten Lastwagens.
Kosten nähern sich Neuanschaffungskosten
Doch nun ist klar: Dieser Plan ging nicht auf wie gedacht. Ganze neun Jahre nach der Anschaffung ist das Fahrzeug immer noch nicht fertiggestellt.
Die Kosten für den Umbau nähern sich inzwischen der Summe, die eine Neuanschaffung gekostet hätte.
Dazu kommt: Selbst wenn der gebrauchte Lkw irgendwann fertig sein sollte, wird er bereits so alt sein, dass seine verbleibende Nutzungszeit wohl überschaubar ist. Zuerst hatte die Gießener Allgemeine Zeitung über den Fall (oder besser: Fail) berichtet.
50.000 Euro für das Gebauchtfahrzeug
Für den 10,5-Tonner von Mercedes, Baujahr 2008, zahlte die Gemeinde 2017 rund 50.000 Euro. Wie hoch damals die geplanten Umbaukosten kalkuliert wurden, lässt sich heute nicht mehr genau sagen – man habe den Umbau schrittweise vorangetrieben, heißt es aus der Gemeinde.
Der Lkw sollte unter anderem feuerwehrrot lackiert sowie mit Blaulicht, Rollladenöffnungen und einer verlängerten Ladefläche ausgestattet werden. Er sollte zukünftig als Logistik-Lkw dienen, um Feuerwehr-Ausrüstung und Katastrophenschutz-Materialien wie Sandsäcke zu transportieren. Außerdem sollten bis zu sechs Einsatzkräfte darin Platz finden.
Umbaukosten steigen auf 170.000 Euro
Insgesamt investierte die Gemeinde nach Angaben von Bürgermeister Michael Ranft (CDU) inzwischen rund 170.000 Euro in das Projekt. Das sei aus seiner Sicht vertretbar angesichts höherer Kosten für eine Neuanschaffung, für die je nach Modell heute mehrere hunderttausend Euro fällig werden könnten.
Zum Vergleich: Die nordrhein-westfälische Gemeinde Versmold schaffte im vergangenen Jahr einen neuen Gerätewagen Logistik für 285.500 Euro an. Auch dort dient das Fahrzeug zum Transport von Ausrüstungsgegenständen und Geräten.
Jahrelange Verzögerungen beim Ausbau
In den verschiedenen Ausbauphasen stand das Busecker Fahrzeug bei wechselnden Firmen in der Region. Der Lastwagen wurde unter anderem verlängert und dafür in der Mitte zerteilt.
Beim Umbau habe es dann verschiedene unerwartete Herausforderungen gegeben, berichtet der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Michael Sames – besonders im Bereich der Elektronik. Auch die speziellen Anforderungen an Feuerwehrautos hätten schlicht zeitlich viel Aufwand bedeutet.
Zwischendurch stand das Fahrzeug jedoch auch mehrere Jahre unfertig im Freien. Dadurch entstandener Rost und Lackschäden müssten nun wieder ausgebessert werden, so Sames.
Projekt über mehrere Amtszeiten hinweg
Mittlerweile haben sich in Buseck drei Gemeindebrandinspektoren, drei Bürgermeister und zwei Gemeindeparlamente mit dem Projekt befasst. Die heutigen Verantwortlichen erbten das Projekt quasi von ihren Vor-Vorgängern.
„Man hat damals gedacht, das wäre technisch einfacher zu bewerkstelligen“, sagt Bürgermeister Ranft heute. Auch die Entscheidungsfindung über den konkreten Ausbau sei immer wieder herausfordernd gewesen.
Ranft berichtet, es habe zwischenzeitlich auch Überlegungen gegeben, den komplizierten Umbau abzubrechen und das Fahrzeug wieder zu verkaufen. Man habe sich aber schließlich dazu entschlossen, das Projekt zu Ende zu führen.
„Natürlich wäre es billiger gewesen, wenn man es damals direkt beauftragt hätte, aber es ist leider nicht so gekommen“, sagt Ranft. Die Feuerwehr brauche das Fahrzeug jedoch nach wie vor.
Hoffnung auf baldige Fertigstellung
Auch Feuerwehrmann Sames ist überzeugt, dass das Fahrzeug nach Abschluss des Umbaus die vorgesehenen Aufgaben gut erfüllen wird. Die Feuerwehr im Ortsteil Beuern, wo der Gerätewagen stehen soll, warte weiterhin sehnsüchtig darauf. Derzeit nutze man dort ein über 30 Jahre altes Fahrzeug.
„Jetzt haben wir so lange daran gearbeitet und es ist viel Geld hineingeflossen – ich glaube, es ist gut, wenn es fertiggestellt wird“, meint Sames.
Bald fertig – aber schon alt
Da weiterhin einige Arbeitsschritte ausstehen, arbeitet aktuell eine weitere Firma am Fahrzeug – hoffentlich die letzte, heißt es aus Buseck. Bürgermeister Ranft zeigt sich optimistisch, dass der Gerätewagen bis Ende dieses Jahres fertig wird.
Der neue alte Busecker Gerätewagen hätte dann allerdings bereits 18 Jahre auf dem Buckel. Nach rund 20 Jahren Nutzungsdauer denken viele Feuerwehren über eine Neuanschaffung nach.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/feuerwehrauto-neun-jahre-nach-bestellung-immer-noch-in-der-mache-v1,buseck-feuerwehrauto-100.html


