Kultur

Frankfurt: So läuft die Bewerbung an Hessens größter Schauspielschule

Frankfurt: So läuft die Bewerbung an Hessens größter Schauspielschule

Im Foyer tummeln sich junge Leute mit Rollkoffern, Rucksäcken, Sporttaschen und Gitarren-Cases, packen ihre Trinkflaschen aus, schauen auf ihre Handys, unterhalten sich miteinander oder murmeln Textpassagen vor sich hin. Sie haben sich an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) in Frankfurt zur Eignungsprüfung für das neue Wintersemester im Bereich Schauspiel beworben und sind aus ganz Deutschland angereist.

Manche von ihnen werden in den folgenden Tagen über sich selbst hinauswachsen, viele an ihre persönlichen Grenzen stoßen oder scheitern. Die Hürden sind hoch. Nach drei Prüfungsrunden werden nur acht der knapp 400 Bewerberinnen und Bewerber aufgenommen.

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HfMDK

Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) in Frankfurt ist die einzige staatliche Hochschule für Musik, Theater und Tanz in Hessen. Neben Musik-Studiengängen werden Ausbildungen in den Bereichen Musiktheater, Schauspiel und Tanz angeboten. Nach Angaben der HfMDK erhält fast der gesamte Jahrgang schon vor oder direkt nach dem Abschluss feste Verträge an Stadt- und Staatstheatern.

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Zur Vorbereitung sollten die Prüflinge drei Szenen einstudiert haben. „Einen klassischen Monolog, einen modernen und eine Eigenarbeit – etwas Selbstgeschriebenes, ein Lied, ein Musikstück oder eine tänzerische Einlage, da sind keine Grenzen gesetzt“, erzählt Lea Sehlke. Sie studiert im ersten Semester an der HfMDK und gehört zum Betreuungsteam für die Bewerberinnen und Bewerber.

Die 22-jährige Wahlfrankfurterin spielt schon seit Kindertagen Theater. „Das war immer das, was mir unglaublich viel Spaß gemacht hat“, schwärmt sie. „Klar, ich könnte auch was anderes machen, aber nichts erfüllt mich so wie die Schauspielerei.“

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Eignungsprüfung in drei Runden

Eine Online-Bewerbung ist der Einstieg in die erste Runde der Eignungsprüfung. Wer sie besteht, sollte zwei Rollen aus der Bewerbung noch mal und eine weitere Rolle vorbereiten. Diese Prüfung kann probeweises Arbeiten an den Rollen enthalten.
Wird auch dieser Teil bestanden, ist eine Einladung zur Endrunde möglich. Hier werden in verschiedenen Prüfungsmodulen körperliche und stimmliche Fähigkeiten, Improvisation und Partnerspiel geprüft. Außerdem ist aus einer Textauswahl eine neue Rolle zu erarbeiten.

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Nachdem die Bewerberinnen und Bewerbern die Laufzettel ausgefüllt haben, auf denen auch die Wunschstücke zum Vorspielen vermerkt sind, geht es in den Schulhof zum Warm-up. Zu lauter Rockmusik wirbeln Hunderte von Armen und Beinen durcheinander. „Die meisten hier müssen erst mal viel Energie abbauen, weil sie so nervös sind“, ruft Lea tanzend über die Musik hinweg.

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Danach werden die ersten Namen auf der Liste aufgerufen. Auch Franzi gehört dazu. Beim Vornamen solle es bleiben, bittet sie und verrät, dass sie während ihres Studiums der Sozialen Arbeit gemerkt habe, dass eigentlich die Schauspiel ihr großer Traumberuf sei. 

Für die Eignungsprüfung an der HfMDK hat sie Agafja, die weibliche Hauptfigur aus der Komödie „Die Heirat“ von Nikolai Gogol ausgesucht, als modernen Monolog das leichtfertige Dienstmädchen Tonka aus „Jagdszenen aus Niederbayern“ von Martin Sperr und als freies Stück den Song „Du bist neurotisch“ von Georg Kreisler.


Bewerberin Franzi im Interview mit „7 Tage“-Reporterin Lena Leun.
Bild © hr


Kostümteile und Handrequisiten fürs Rollenspiel

Franzi schnappt ihre Sporttasche, in der sich Kostümteile und kleine Requisiten für ihre Rollen befinden, und wird von Lea in einen Flur mit vielen Türen geleitet. Hinter jeder Tür befindet sich eine kleine Umkleidekammer.

Darin werden Minuten gefühlt zu Stunden, bis Franzi von der Auswahlkommission aufgerufen wird. „Da geht man voll crazy. Man weiß ja nicht, wie lange die Prüfung von der vorher aufgerufenen Person geht“, erinnert sich ihre Begleiterin Lea an die eigene Aufnahmeprüfung.

„Ich bin richtig aufgeregt. Aber gerade freu‘ ich mich einfach nur, weil ich voll Bock hab‘ vorzuspielen“, flüstert ihr Franzi zu. Dann verschwindet sie für die nächsten 20 Minuten im Prüfungsraum. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Worauf achtet die Kommission, welche Kriterien gibt es? 

Fünf Frauen udn Männer sitzen in einem halbdunklen Saal an zwei Tischen. Sie schauen zu jemandem außerhalb des Bildausschnitts.


Eine der drei Prüfungskommissionen. Sie bestehen aus Lehrenden und Studierenden.
Bild © hr


Schauspielerische Phantasie ist gefragt

„Auf keinen Fall irgendwelche Fertigkeiten. Das muss ein offener Mensch sein, der muss Lust verspüren auf Expressivität. Gefühle zu zeigen, das ist eigentlich das einzige, was zählt“, verrät Thomas Huber, Schauspieler, Vertretungsprofessor für Rollen- und Szenenstudium an der HfMDK und Prüfungsmitglied.

Darstellerische No-Gos gebe es nicht, ergänzt Huber. „Wir hatten gestern eine Penthesilea hier, die hat mir einen Kaugummi vor die Füße gespuckt. Das fand ich super.“

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Bekannte Absolventen und Lehrer

Thomas Huber, Vertretungsprofessor an der HfMDK, Schauspiel-Ausbildung an der Essener Folkwang-Hochschule. Bekannt aus der „Lindenstraße“, mehrere Rollen in TV-Krimis und -Spielfilmen folgten.
Wolfram Koch, Absolvent der HfMDK, einer der profiliertesten Charakterdarsteller des deutschsprachigen Theaters, wurde im TV als Ermittler Paul Brix im Frankfurter hr-Tatort bekannt.
Aus den jüngsten Jahrgängen starten Talente wie Friedrich Michael Brückner (u.a. Stadttheater Gießen) und Hannah Elisa Lindner (Hessisches Staatstheater Wiesbaden) und Yannik Sturm (Hessisches Landestheater Marburg) in ihre ersten Spielzeiten.

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EIn Mann mit blondem Haar und rotem Hemd sitzt hinter einem Tisch.


Schauspieler, Vertretungsprofessor und Jurymitglied Thomas Huber.
Bild © hr


Disziplin und Ausdauer sind wichtig

Ausdrucksstärke und schauspielerische Phantasie sind wichtig – aber auch Disziplin. Disziplin, um nach einem Unterrichtstag noch spätabends neue Rollen zu lernen und immer vorbereitet zu den Proben zu kommen.

Das Bachelor-Studium an der HfMDK ist ein Vollzeitstudium. Der umfangreiche Lehrplan enthält Fächer von A wie Akrobatik quer durchs Alphabet über Chorsprechen, Dramaturgie, Gesangsunterricht, Physiodrama, Sprechunterricht, Tanz und Theatergeschichte bis hin zu Z wie Zeitgenössisches Szenenstudium.

Der Unterricht beginnt in der Regel um 9 Uhr und dauert bis in den Abend hinein. Im Anschluss stehen oft noch Theaterbesuche auf der Agenda. Da bleibt keine Zeit zum Jobben, Lea Sehlke finanziert ihr Studium über BAföG.

Zwei Schauspieler stehen auf einer Theaterbühne, die in violettes Licht getaucht ist.


Nach einem langen Schultag geht’s noch ins Theater, um Mitschüler zu sehen, etwa im Hessischen Staatstheater Wiesbaden. In Georg Büchners „Leonce und Lena“ spielt Hanna Lindner gleich drei Nebenrollen.
Bild © hr


Bühnenkampf als Unterrichtsfach

Neben Lehrinhalten wie Schauspiel, Stimme und Sprechen sowie Theatertheorie spielt auch die szenische Körperarbeit eine große Rolle. Hier werden die Grundlagen der Körperbeherrschung, Bewegung im Raum und verletzungsfreie Kampftechniken vermittelt.

Atef Vogel, einer der 300 Lehrbeauftragten an der HfMDK, zeigt Erstsemestern wie Lea im Fach Bühnenkampf wichtige Tipps und Tricks. „Täuscht einen Kinnhaken vor, zielt vorbei und gebt dabei mit der Stimme einen lockeren Sound ab“, erklärt der Schauspieler und Kampf-Choreograf.

Ein Mann in einem gelben T-Shirt und ein kleinere Mann in einem grünen T-Shirt stehen in einem halbdunklen Saal. Der kleinere Mann hat die Hände erhoben, der größere schaut ihn an.


Atef Vogel ist Schauspieler, Choreograph und unterrichtet auch gewaltlosen „Bühnenkampf“. Hier weist er einen Studierenden an.
Bild © hr


Demobänder und Workshops

Nach acht Semestern, mit einem Schauspiel-Bachelor der renommierten HfMDK in der Tasche, gibt es nicht automatisch eine Garantie für ein festes Engagement auf der Bühne oder beim Film. Deshalb steht auch das Fach Medienkompetenz auf dem Lehrplan.

Hier produzieren die Studierenden Demobänder und sammeln Spielpraxis in Workshops mit renommierten Schauspielern und Regisseuren. Als Karrieresprungbrett gilt das sogenannte Studiojahr im fünften und sechsten Semester.

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Verdienst als Schauspieler mit Studienabschluss

Die Bundesagentur für Arbeit und andere Plattformen stützen sich auf begrenzte Datenquellen bei der Angabe von Durchschnittsgehältern. Laut Gehaltsrechner starten Einstiegsgehälter bei etwa 3.179 Euro brutto im Monat. Besserverdienende Schauspielerinnen und Schauspieler können bis zu 4.746 Euro brutto monatlich erhalten. Sicherere Jobs finden sich oft in festen Ensembles an Theatern.
Quelle: ard-alpha

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Studiojahr als festes Ensemble-Mitglied

Dann stehen die Studierenden in verschiedenen Neuinszenierungen neben erfahrenen Schauspielerinnen und Schauspielern auf der Bühne. Als Ensemblemitglieder auf Zeit sind sie fest eingebunden, etwa beim Schauspiel Frankfurt, Staatstheater Mainz, Staatstheater Wiesbaden, Hessischen Landestheater Marburg und dem Nationaltheater Mannheim.

Auf ihr Studiojahr freut sich Lea schon jetzt. Für Franzi ist es mit der Aufnahmeprüfung in Frankfurt nicht näher gerückt. Sie hatte zwar „alles gegeben und ein gutes Gefühl“ beim Vorspielen. Doch ihr Name steht nach der ersten Runde nicht mehr auf der Liste.

Sie nimmt’s mit Gelassenheit. An anderen Schauspielschulen habe sie gutes Feedback auf ihr Rollenspiel bekommen. Ihre Reise zum Traumberuf geht weiter. Im Frühjahr 2027 könnte sich Franzi noch mal in Frankfurt bewerben – an der HfMDK gibt es eine zweite Chance.

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Kleines Bewerbungs-FAQ

Wer kann sich bewerben?
Jede(r) bis zum 25. Lebensjahr, mit Fachabitur oder Realschulabschluss. Wer kein Abitur hat, kann das durch eine „hervorragende künstlerische Begabung“ ersetzen. Diese wird in der Eignungsprüfung festgestellt. Alle fristgerecht eingereichten Bewerbungen berechtigen direkt zur Teilnahme an der ersten Präsenzrunde. Dafür fällt eine Bearbeitungsgebühr von 50 Euro an.

Sind Kostüm und Requisiten nötig?
Eigene Kulissen sind nicht notwendig, aber ein Kostüm. Historische Kostüme sind nur sinnvoll, wenn sie den Darstellerinnen und Darstellern auf der Bühne helfen. Nicht empfehlenswert ist es, Figuren in Privatkleidung zu zeigen.

Wie kann man Rollen für das Vorspielen auswählen?
Bei der Rollenwahl helfen Publikationen zum Stichwort „Vorsprechen“ oder „Monologe“. Es wird erwartet, dass man das ganze Stück liest und die gespielte Situation in einen größeren Kontext einordnen kann.

Wann kann man sich an der HfMDK bewerben?
Für das Wintersemester 2027/28 läuft die Bewerbungsfrist voraussichtlich vom 15. Januar bis 1. März 2027. Die Online-Bewerbung wird erst mit Beginn des Bewerbungsfensters (Mitte Januar) freigeschaltet. Hier gibt’s weitere Infos zur Bewerbung.

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Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/frankfurt-so-laeuft-die-bewerbung-an-hessens-groesster-schauspielschule–v1,sieben-tage-schauspiel-100.html

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