Die Bad Hersfelder Festspiele präsentieren im Programm fürs Jahr 2027 bewährte Stoffe in neuem Gewand. Gelacht werden soll unter anderem bei einem Loriot-Klassiker – erstmals als Bühnenfassung. Im Rahmenprogramm werden einige Stars zu sehen sein.
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00:39 Min.||Michael Pörtner
Mit sieben Produktionen und neu interpretierten Bühnenklassikern starten die Bad Hersfelder Festspiele im Sommer 2027 in die 76. Saison. Die Festspiel-Leitung präsentierte am Dienstag, wenige Tage nach dem Ende der diesjährigen Saison, das Programm fürs kommende Jahr. Die Festspiele laufen dann vom 18. Juni bis 15. August.
Neu im Programm sind auf der Bühne in der Stiftsruine die Stücke „Jedermann wird Jedermensch“, „Im weißen Rössl“ und „Was ihr wollt“.
Bewährte Geschichten mit Gegenwartsbezug
Intendantin Elke Hesse, die im nächsten Jahr in die zweite Spielzeit ihrer zweiten Amtszeit geht, sagte: Zwischen den Mauern der Kirchenruine würden Geschichten erzählt, die Jahrhunderte überdauert hätten und doch ganz nah an der Gegenwart seien. Alle verbinde die Frage: „Wer sind wir?“ Es gehe darum, Identitäten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Die Festspiele 2027 seien eine Einladung ans Publikum, sich selbst zu begegnen.
Hesse sagte dem hr: Das Programm sei eine bunte Mischung, sehr abwechslungsreich, mit viel Humor, aber auch mit Tiefgang. Im Vergleich zur diesjährigen Saison stehe ein Stück mehr auf dem Spielplan.
Erneut in den Spielplan genommen werden die zwei Stücke aus der Saison 2026: das Musical „Something Rotten!“ und das Familienstück „Pippi Langstrumpf“ – beiden stießen beim Publikum auf gute Resonanz und werden daher noch mal gezeigt.
Erstmals Loriots „Ödipussi“ als Bühnenfassung
Auf der Nebenbühne in Schloss Eichhof werden zwei Produktionen präsentiert. Nachdem in dieser Saison „Achtsam Morden“ gezeigt wurde, kommt die Fortsetzung: „Achtsam Morden Teil II“.
Zudem wird „Ödipussi“, das komödiantische Meisterwerk von Loriot, geboten. Die Bühnenfassung zum bekannten Film wird erstmals gezeigt. Es sei ein Coup, dass sich die Festspiele die Rechte dafür gesichert hätten. Diesen Stoff umsetzen zu dürfen, sein eine Herausforderung und Bürde zugleich, sagte Hesse.
Unvergessen: Evelyn Hamann und Vicco von Bülow in einer Szene der Komödie „Ödipussi“ von 1987. In Bad Hersfeld wird der Stoff erstmals in einer Bühnenfassung geboten.
Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)
Neue Adaption vom Salzburger „Jedermann“ in Hersfeld
Eröffnet werden die Festspiele am 18. Juni mit der Uraufführung von „Jedermann wird Jedermensch“ in Anlehnung an Hugo von Hofmannsthals Meisterwerk. Für Bad Hersfeld kreiert Oberspielleiter und Vize-Intendant Michael Schachermaier eine eigene Fassung, die er als Regisseur auch selbst auf die Bühne bringen wird.
„Jedermann“ ist das Theaterstück, das traditionell mit den Salzburger Festspielen verbunden wird. In Bad Hersfeld ist eine Adaption geplant. Es sei Zeit für eine Neufassung, sagte der Österreicher Schachermaier, der selbst aus der Nähe von Salzburg stammt. Er will ein „bildstarkes Theaterereignis“ erschaffen, das den Klassiker in die Gegenwart hole. In Bad Hersfeld wurde das Stück erstmals 1952 aufgeführt.
Die grunsätzliche Geschichte werde auf mehrere Personen aufgeteilt – so werde aus „Jedermann“ die Fassung zum „Jedermensch“. Dabei geht es um die Frage: Was wäre, wenn man nur noch eine Stunde zu leben hätte? „Es wird das Ende einer Lebensreise in Echtzeit, erklärte Schachermaier.
Singspiel mit Ohrwürmen
Bereits am Folgetag (19. Juni 2027) steht die Premiere von „Im weißen Rössl“ auf dem Programm. Das Singspiel in drei Akten inszeniert der für Bad Hersfeld neue Regisseur Philipp M. Krenn. Die musikalische Leitung des Hersfelder Orchesters liegt wieder bei Christoph Wohlleben.
Die musikalische Komödie von Ralph Benatzky begeistere seit ihrer Uraufführung im Jahr 1930 im Berliner Schauspielhaus Generationen von Zuschauern. Mit ihren unvergesslichen Melodien habe sich das Kult-Singspiel tief ins kulturelle Gedächtnis eingeschrieben, erklärte die Festspielleitung zur ihrer Wahl.
Das Stück, das mit Peter Alexander in der Rolle des Zahlkellners Leopold verfilmt wurde, verfüge über zahlreiche Ohrwürmer. „Jede Musik-Nummer ist ein Hit“, und die kämen bei Alt und Jung gut an, sagte Krenn. Das Stück werde zu einem Gesamtpaket mit österreichischem Charme geschnürt, dem man sich als Zuschauer nicht entziehen könne.

Geballter „Ösi“-Charme: Der Regisseur Philipp M. Krenn (li.) und Intendantin Elke Hessen erklärten bei der Programm-Vorstellung, was das Publikum vom Singspiel „Im weißen Rössl“ zu erwarten hat.
Bild © Jörn Perske (hr)
Shakespeare als „Urgewalt der Theaterkunst“
Mit „Was ihr wollt“ als dritter Premiere in der Stiftsruine wird ein Komödien-Klassiker von William Shakespeare gezeigt. Das Stück sei eine „Urgewalt der Theaterkunst“, die den Zuschauern vor Augen führe, welche Macht die Liebe über die Menschen habe, erklärten die Festspiele. Die Stiftsruine werde zum Schauplatz großer Emotionen. Regie führen wird Alexandra Liedtke.
Das Stück sei Shakespeares beste Komödie, sagte Hesse. Es sei auch spannend zu sehen, wie reich der Wortschatz in diesem alten Werke sei. Aus den schon zahlreich bestehenden Fassungen werde man eine Collage mit großen Momenten erstellen.
Stars im Rahmenprogramm: Eidinger, Tukur und Heinzmann
Im Rahmenprogramm werden einige Prominenten auf der Bühne erwartet: Schauspiel-Star Lars Eidinger wird mit „Hauspostille“ ein Bühnenprogramm aus Rezitation und Gesang zu Bertolt Brechts berühmter Gedichtssammlung präsentieren und anschließend ein musikalisches Set am DJ-Pult in der Stiftsruine auflegen.

Schauspieler Lars Eidinger tritt im Rahmenprogramm bei den Bad Hersfelder Festspielen auf und legt auch ein DJ-Set auf.
Bild © picture alliance/dpa | Sebastian Christoph Gollnow
Der Schauspieler und hessische „Tatort“-Ermittler Ulrich Tukur wird mit den „Rhythmus Boys“ ein Konzert spielen mit dem Titel „Tohuwabohu“. Ein Konzert wird auch Stefanie Heinzmann geben mit Stücken aus ihrem Album „Circles“.
Unter dem Titel „Chocolat“ präsentieren das Schauspielerehepaar Harald Krassnitzer („Tatort“) und Ann-Kathrin Kramer eine Mischung aus Schauspiel, Lesung und Konzert.
Etat nach Kürzungen nun stabil
Der Etat für die Bad Hersfelder Festspiele war für die Saison 2026 von 8,6 auf 7,5 Millionen Euro gesunken. In der Saison 2027 sei mit keinen weiteren Kürzungen zu rechnen, sagte Intendantin Hesse. „Tiefer geht auch wirklich nicht mehr“, sagte Hesse. Es werde für alle Produktionsbereiche eine Herausforderung.
Erste Namen von Ensemble-Mitgliedern sollen noch vor Weihnachten genannt werden. Die Festspielleitung kündigte an, mit einem Stamm von Akteuren aus diesem Jahr auch im kommenden Jahr zusammenarbeiten zu wollen.
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/hersfelder-festspiele-zeigen-2027-neufassung-eines-klassikers-und-singspiel-v2,programm-2027-bad-hersfelder-festspiele-100.html


