Hitze und schwere Fahrzeuge haben Hessens Straßen in diesem Sommer zugesetzt. Besonders die Autobahnen haben gelitten: Beton wölbte sich auf, anderes Material schmolz. Städte und Straßenbauer suchen nach Wegen, die Fahrbahnen hitzefester zu machen.
Die Fahrbahn auf der A5 wird nach Hitzeschäden bei Bensheim (Bergrstraße) repariert. (Archivfoto)
Bild © picture alliance/dpa/AP | Michael Probst
Der heiße Sommer in Hessen hatte Auswirkungen auf viele Bereiche, auch auf die Straßen. Besonders die Autobahnen haben gelitten. Die Autobahn GmbH, die im Auftrag des Bundes für die Autobahnen zuständig ist, sieht größere Schäden als in den Vorjahren. Andere Verkehrswege sind hingegen eher glimpflich davongekommen.
Auf Autobahnen seien deutlich mehr und deutlich schwerere Fahrzeuge unterwegs als auf anderen Straßen, hieß es von der Autobahn GmbH. Dadurch seien sie besonders hohen Belastungen ausgesetzt.
Die Autobahnen in Deutschland bestehen den Angaben zufolge überwiegend aus Asphalt, etwa 30 Prozent sind aus Betonfahrbahnplatten gebaut. Beide Materialien reagieren auf Hitze: Asphalt kann sich verformen, wodurch etwa Spurrillen entstehen. Betonfahrbahnplatten wiederum können sich nach oben wölben – dann entstehen sogenannte Blow-ups.
Zu Blow-ups sei es auf zwei hessischen Autobahnen gekommen, konkret auf der A66 und auf der A67, teilte die Autobahn GmbH mit. Auf der A66 habe es eine Aufwölbung der Betonfahrbahnplatten bei Wiesbaden gegeben.
Auf der A67 sei der Blow-up in Südhessen zwischen Büttelborn (Groß-Gerau) und dem Griesheimer Dreieck (Darmstadt-Dieburg) aufgetreten. Beide Schäden sind inzwischen repariert.
Aber auch auf Asphalt-Autobahnen verursachte die Hitze Schäden: Auf der A3 sei Fugenmaterial geschmolzen. Bei großer Hitze werde das Material weich und könne sich verformen. Die betroffene Stelle befinde sich zwischen Wiesbaden-Medenbach und Idstein (Rheingau-Taunus) in Fahrtrichtung Köln. Die Reparatur soll noch erfolgen.
Im Vergleich dazu setzte die Hitze den Bundes- und Landesstraßen nur vereinzelt zu, teilte die Verkehrsbehörde Hessen Mobil mit. Das liege auch daran, dass diese vor allem aus Asphalt bestünden. Es sei zu vier nennenswerten Schäden gekommen, drei davon in Südhessen, einer in Mittelhessen. Dort habe sich eine Mittelinsel verschoben und aufgewölbt, eine kurze Sperrung sei notwendig gewesen. Alle Schäden seien behoben worden.
Auch in Frankfurt verformte sich stellenweise der Asphalt durch die hohen Temperaturen, wie die Stadt mitteilte. Vor allem stark belastete Fahrbahnabschnitte wie Bushaltestellen und Bremszonen seien betroffen gewesen.
Besonders problematisch seien laut Stadt stockender oder sehr langsam fließender Verkehr sowie schwere Fahrzeuge. In einem Fall steht die Reparatur noch aus.
Die Stadt Gießen hat zwei hitzebedingte Schadstellen festgestellt. An beiden Stellen habe sich die Deckschicht aus Asphalt verschoben. Die Reparaturarbeiten stehen noch aus. Von einer „flächendeckenden Hitzeschadenslage“ könne aber nicht gesprochen werden.
In Fulda verursachten schwere Lastwagen einen leichten Schaden auf einem Festplatz, wie die Stadt mitteilte. In anderen Kommunen wie Darmstadt, Kassel und Heppenheim, blieben hitzebedingte Schäden dagegen aus.
Frankfurt, Darmstadt und Kassel verwenden bereits seit einigen Jahren aufgehellte Asphaltbeläge, wie die Städte mitteilten. Diese sollen die Oberflächentemperatur verringern. In Darmstadt werde an Bushaltestellen ein widerstandsfähigerer Asphalt eingesetzt.
Auch Gießen setzt an Bushaltestellen auf Material, das sich weniger leicht verformt. Entsiegelung und Begrünung seien weitere Mittel, um die Temperatur zu senken und für mehr Schatten zu sorgen, etwa auch im Bereich von Fahrbahnen. Kassel bemühe sich, mehr Stadtbäume zu pflanzen.
Auch Hessen Mobil verwendet nach eigenen Angaben helleren oder widerstandsfähigeren Asphalt. Die Autobahn GmbH erläuterte, man setze bei Um- und Neubauten von Autobahnen auf den jeweils aktuellen Stand der Technik. Bei bestehenden Autobahnen mit Betonfahrbahnplatten könnten sogenannte Entlastungsschnitte helfen: quer verlaufende, mit Asphalt gefüllte Streifen auf der Fahrbahn.
Außerdem tausche sich die Autobahn GmbH mit der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) aus, der Forschungseinrichtung des Bundesverkehrsministeriums. Dadurch wolle man mehr über die Hitzebeständigkeit der Baumaterialien erfahren. Die Forschung sei nun gefragt, die Bindemittel im Asphalt sukzessive zu verbessern, forderte der ADAC Hessen-Thüringen. Dies sei wichtig, damit es zu weniger Verformungen komme.
Über die Höhe der Reparaturkosten an den Autobahnen konnte die Autobahn GmbH keine Aussage treffen, da dazu noch keine abschließenden Daten vorlägen. Insbesondere die beschädigten Fugen müssten vor dem Winter repariert werden, um zusätzliche Frostschäden zu verhindern, hieß es. Auch die befragten Städte konnten keine Summen nennen.
Da sich die Schäden an den anderen Straßen in Grenzen halten, gilt das auch für die Kosten: Hessen Mobil teilte mit, dass die Hitzeschäden auf mindestens 9.000 Euro zu beziffern seien. Die Kosten, die im Winter durch Schlaglöcher entstünden, seien deutlich höher.
Quelle: https://www.hessenschau.de/panorama/hitzeschaeden-auf-strassen-warum-es-vor-allem-die-autobahnen-trifft-v1,hitze-strassenschaeden-100.html





